Der Mittelwellensender Zeewolde in den Niederlanden sendet nur noch bis Ende 2018

Niederlande

1008 kHz noch bis zum 31.12.2018

Nach dem September 2017 gab es, was die letzte in den Niederlanden verbliebene Großmittelwelle 1008 kHz betrifft, keine weiteren Informationen über neue Sachstände mehr. Damit dürfte der Sender noch bis zum 31. Dezember 2018 in Betrieb bleiben.

Sender Zeewolde
MW-Sender Zeewolde (Foto: Jan Joris Vereijken, CC-BY-SA)

Seit 2016 will Novec, die für Rundfunkmasten in den Niederlanden zuständige staatliche Organisation, den Mittelwellensender Zeewolde aufgeben, nachdem der Erhalt der Anlage immer teurer wird.

Von einer Entscheidung, die Sendestation zum 1. September 2017 stillzulegen, erfuhr das davon noch betroffene Grootnieuws Radio erst aus den Medien. Dieses Vorgehen betrachtete Grootnieuws Radio als inakzeptabel und schaltete die zuständige Regulierungsbehörde ein.

Ergebnis war eine Vereinbarung, den Sendebetrieb mindestens bis zum 1. März aufrechtzuerhalten und darüber hinaus bis zum 31. Dezember 2018 fortzusetzen, falls auch bis dahin nicht noch einmal eine Wartung der Masten erforderlich wäre.

Das wurde so am 23. September bestätigt.

Der Vorgang erinnert daran, wie dem Mitteldeutschen Rundfunk die Sendeanlage der Mittelwelle 882 kHz in Wachenbrunn bei Themar zum 1. Juli 2011 gekündigt wurde, um das Gelände an einen Solarparkbetreiber zu verkaufen. Zu diesem Zeitpunkt wollte auch der MDR den Verbreitungsweg Mittelwelle noch nicht aufgeben.

Stand vom 22.07.2018


 

Zu den Hintergründen der Archivbericht von 2016:
 

Grootnieuws Radio ist ein protestantisches Missionsprogramm, das seit 2007 aus Zeewolde auf 1008 kHz sendet. Es hatte die Frequenz seinerzeit von Radio 10 übernommen, das sein Programm hier ab 2004 verbreitete, die Nutzung dieser Großmittelwelle aber nicht dauerhaft durch Werbeeinnahmen finanzieren konnte.

Auch die Übertragung von Grootnieuws Radio stand 2008 schon auf der Kippe. Über Tage hinweg wurde nur noch ein vom Spendenaufrufen durchsetztes Musikprogramm gesendet.
 

Geschichte des Senders Zeewolde

Der Mittelwellensender Zeewolde war von der damaligen Berliner Firma Telefunken Sendertechnik ausgestattet worden. Er übernahm 1980 den Betrieb der Frequenzen 747 und 1008 kHz, wobei die beiden Masten nicht als Einzelantennen, sondern als gemeinsames, komplexes Zweimast-Richtsystem eingerichtet sind.

Telefunken installierte jeweils 600 kW starke Sender einer damals gerade eingeführten, in den Leistungsstufen noch mit Röhrentechnik arbeitenden Typenreihe mit Pulsdauermodulation. Die originale Sendetechnik soll auf 1008 kHz auch jetzt noch mit stark reduzierter Leistung (über den genauen Wert gibt es nur Gerüchte) im Einsatz sein.

Ursprünglich lief auf 1008 kHz der Vorgänger des heutigen Radio 2. Ab 1983 wurden in das Programm typische Mittelwellen-Sondersendungen eingestreut und ab 1985 hier als eigenständiges fünftes Programm präsentiert.

2003 hatte der öffentlich-rechtliche Rundfunk die Frequenz 1008 kHz zugunsten des kommerziellen Sektors (und damit ab 2004 zunächst Radio 10) zu räumen. Radio 5 wechselte, dies aus Marketinggründen bereits mit einem vorgezogenen Tausch im Jahre 2001, auf die ursprünglich von Radio 1 genutzte Frequenz 747 kHz.