Zur Entwicklung des Rundfunks in Dresden von 1945 bis 1967

Zur Entwicklung des Rundfunks in Dresden von 1945 bis 1967

Funkhaus Dresden, Hygiene-Museum
Hygiene-Museum Dresden mit Unterbringung des Rundfunkstudios Dresden im linken Seitenflügel

Nachfolgend mit geringen Kürzungen wiedergegeben sind Ausarbeitungen aus dem Rundfunk der DDR (Studiotechnik Rundfunk) von 1988. Die beigefügten Abbildungen stammen aus der Sammlung des Tontechnikers Gerhard Steinke.

» Durch die grausame Bombardierung am 13. Februar 1945 waren in Dresden nach dem Zusammenbruch Hitlerdeutschlands weder Studioeinrichtungen noch Sendeanlagen vorhanden. Die alten Sendeanlagen der RRG im Dresdner Rathaus einschließlich der Antenne, die einmal zwischen Rathausturm und Kreuzkirche gespannt war, sowie das Funkhaus in der Beuststraße, Ecke Wiener Straße, waren zerstört.

Max Rauschenbach, der ehemalige Aufsichtsingenieur, der 1939 nach Schließung der Sendestelle Dresden zuerst nach Leipzig und dann nach Berlin versetzt worden war, kehrte nach Dresden zurück. Neben dem ehemaligen NSDAP-Funkstellenleiter Jockusch, dem einstigen SS-Untersturmführer Thiele, den vermutlich nominellen NSDAP-Mitgliedern Hiller und Hübler und dem scheinbar antifaschistisch orientierten Grawert, dem der schriftliche Auftrag zum Aufbau des Senders gegeben wurde, arbeitete mit dem Kollegen Rauschenbach im Grunde genommen nur ein einziger Nicht-Nazi mit.

Zu diesem Zeitpunkt fehlte jede klare Konzeption für das Programm, und das Interesse der Baugruppe konzentrierte sich lediglich auf die Fertigstellung der technischen Einrichtungen für einen einfachen Sendebetrieb.

So entstand mit Hilfe eines in einem Omnibuswrack eingebauten Whrmachtssenders und der noch vorhandenen großen Masten der Nachrichtenkaserne (nachdem am 26. Mai ein zweiter Sender aus Lauenstein im Erzgebirge herangeschafft worden war) eine Anlage, die am 2. Juni 1945 den Probebetrieb aufnahm. Dabei wurden zunächst Schallplatten abgespielt. Das Programm lief ohne Stationsangabe. Am 7. Juni wurde der Sendebetrieb wieder eingestellt.

Für die Niederfrequenz-Technik standen zu dieser Zeit eine Stahltonband-Maschine Bautyp C. Lorenz AG, ein Doppel-Aufnahme/Abspielgerät für Schallfolien, ein Schallplattenabspielgerät und Kondensatormikrofone zur Verfügung. Anodenbatterien und Meßgeräte fehlten.

Ende Juni 1945, also etwa drei Wochen nach dem technischen Probebetrieb, bildete sich eine Art demokratischer Ausschuß, der sich mit der Ausarbeitung eines Sendeprogramms befaßte. Als Hauptrichtlinie galt die Losung: „Der Sender Dresden im Dienste des Wiederaufbaus auf allen Gebieten.“

Am 15. Juli 1945 wurde den Technikern am Sender Dresden durch den stellvertretenden Stadtkommandanten, Oberstleutnant Solojew, mitgeteilt, daß „der Sender an Kapitan Matern übergeht“. Damit wurden die Belange des Senders in die Hände der Kommunistischen Partei Deutschlands und der Landesverwaltung unter Hermann Matern gelegt.

Mit Alfred Althus wurde im August 1945 ein politisch klar orientierter Antifaschist als Technischer Leiter eingesetzt. Gleichzeitig wurde der Rundfunk-Ingenieur Berthod Präg, der als Kommunist bekannt war, beim Senderaufbau eingesetzt. Gegen Grawert, der sich strafbar gemacht hatte, lief ein polizeiliches Ermittlungsverfahren.

Am 3. September 1945 kam der Intendant des Berliner Rundfunks, Hans Mahle, mit dem sowjetischen Major Nikolaj Mulin nach Dresden und erteilte für die Sender Dresden und Leipzig offiziell die Sendeerlaubnis.

Am 6. September erfolgte innerhalb eines Tages mit Hilfe mehrerer Lastkraftwagen die Umsetzung der Sendeanlagen von Dresden-Übigau (Nachrichtenkaserne) in die Gebäude der Polizeikaserne Dresden-Trachau und der Studiogeräte in die Gebäude der ehemaligen „Boehner Film AG“ in Dresden-Obergorbitz, Kesselsdorfer Straße 128 (Gasthof Reichsschmied).

Bereits am 12. September um 8.00 Uhr früh konnte der Sender auf der Frequenz 519 kHz mit dem Programm des Berliner Rundfunks in Betrieb genommen werden. Die erhalten gebliebenen drei Stahlgittermasten auf dem Gebäude an der Neuländer Straße trugen die Antenne. Es handelte sich um einen weiteren Probebetrieb, der nach wenigen Tagen auf Anweisung der Sowjetischen Militäradministration abgebrochen wurde.

Im Obergorbitzer Studio wurden die ehemaligen Filmatelier-Räume unter großen Schwierigkeiten für Rundfunkzwecke hergerichtet. Die Redaktionsräume lagen im selben Haus in einer geräumigen 5-Zimmer-Wohnung. Da allen Beteiligten klar war, daß auch dies nur eine Übergangslösung sein konnte, suchte man weiter nach geeigneten Räumlichkeiten.

Am 20. November 1945 wurde in das Handelsregister beim Amtsgericht Dresden die „Mitteldeutsche Rundfunkgesellschaft m. b. H.“ eingetragen. Als Gesellschafter zeichneten verantwortliche Vertreter des Landes Thüringen und der Provinz Sachsen.

Beratungen, die im November 1945 in Leipzig zwischen Vertretern der Sowjetischen Militäradministration, des Berliner Rundfunks und der Mitteldeutschen Rundfunk GmbH stattfanden, galten der sofortigen Inbetriebnahme des Mitteldeutschen Rundfunks. Auf Grund fehlender Kontroll- und Zensuroffiziere der Sowjetischen Militäradministration verlegte man als Übergangsregelung den Sitz der Redaktion nach Dresden. Als Termin des Sendebeginns galt der 5. Dezember 1945, 7.00 Uhr früh.

Nachdem im November 1945 die studiotechnischen Voraussetzungen für den Sendebetrieb bestanden, ging versuchsweise ein eigenes Programm aus Dresden in den Äther. Ein Exemplar der „Sächsischen Volkszeitung“ vom 6. Dezember 1945 trägt den handschriftlichen Vermerk von Max Rauschenbach:

„7. XII. 1945, 1. Sdg. von Dresden, Obergorbitz Reichsschmied, Präsident Friedrichs spricht zur Einführung. Schallaufnahme in Lzg. geht 12.45-13.00 Uhr über Sender Leipzig und Dresden.“

Auch spätere Veröffentlichungen nennen den 7. Dezember 1945 als den Tag des Beginns des Dresdner Programms. Mit dem in mühevoller Arbeit in Betrieb genommenen 1,5 kW-Strahler war der Landessender Dresden nach Berlin der zweite Sender auf dem Gebiet der damaligen Sowjetischen Besatzungszone, der sich mit einem eigenen Programm vorstellte.

Am 13. Januar 1946 zog das Dresdner Studio in eine größere Villa in der Tiergartenstraße 36 um, von wo schon tags darauf die erste Sendung abgewickelt wurde. Aus der zunächst 16 Kollegen zählenden Belegschaft waren inzwischen 48 Mitarbeiter geworden. Die Technik besaß bereits ein Magnettonlaufwerk. Aus zwei Ortsübertragungsleitungen waren sechs geworden, und ein kleiner Sendesaal bot die Möglichkeit, gestaltete Wortprogramme zu produzieren.

Als Intendant fungierte inzwischen ein Dr. Mauthner, der jedoch eine höchst zwielichtige Rolle spielte und sich im August 1947 in die Westzone absetzte. Hier wurde sehr früh deutlich, daß neben den Aktivisten der ersten Stunde auch mit politischen Hochstaplern zu rechnen war.

Die einstige Villa eines Dresdner Kaufhausbesitzers erwies sich schon bald als den Anforderungen nicht gewachsen. Im wesentlichen waren aus dem ehemaligen Speisezimmer ein Senderaum für musikalische Sendungen, aus dem vormaligen Schlafgemach ein Sprecherraum und aus dem Wintergarten ein Regieraum entstanden.

Am 1. Februar 1947 fand der Landessender Dresden endlich sein endgültiges Quartier. Er bezog den linken Flügel des Deutschen Hygiene-Museums am Lingnerplatz 1, dessen Räume zu diesem Zeitpunkt ausreichend Platz boten.

In drei Sendesälen und, wie es in einem Artikel der „Sächsischen Zeitung“ hieß, „mit allen neuesten technischen Errungenschaften versehen“, konnte hier mit größerer Betriebssicherheit und höheren Qualitätsansprüchen Rundfunkarbeit geleistet werden. Die „Sächsische Zeitung“ lobte das „mit fanatischem Idealismus aus dem Nichts entstandene“ als „bewunderungswert“ und als „die modernste Sendeanlage in Deutschland überhaupt“.

Die Belegschaft zählte inzwischen 54 Mitarbeiter, von denen 17 zur Technik gehörten. Mit Wirkung vom 1. Januar 1947 wurden alle Mitarbeiter des Landessenders Dresden aus einem vorläufigen in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen.

Welche Ansichten damals Probleme schufen, zeigt folgender Vorfall: Der Dresdner Rundfunksprecher Willi Witkowski lehnte seine Gehaltseinstufung ab, da die an seiner Seite arbeitende Sprecherin ebenfalls nach der gleichen Tarifgruppe entlohnt werden sollte. Außerdem erhob Witkowski dagegen Protest, einer Sendeleitung unterstellt zu werden, die zu diesem Zeitpunkt von einer Frau geleitet wurde. Witkowski reichte seine Kündigung ein. Geduldige Versuche, ihn zu überzeugen, scheiterten am Starrsinn dieses früheren Parteigängers ders NSDAP.

Die Notzeit dieser Jahre wird u.a. dadurch gekennzeichnet, daß am 5. Februar 1947 der Antrag erging, für acht Mitarbeiter der Technik die Lebensmittelkarte für Schwerarbeiter zu gewähren. 13 Mitarbeiter des Hauses pachteten je 50 bis 100 Quadratmeter Brachland in der Nähe des Funkhauses, um Gemüse anzubauen.

Die Musikabteilung begann in den beiden kleineren Sälen des Hauses und im Steinsaal des Hygiene-Museums mit der Musikproduktion. Nach Wiederherstellung des „Großen Hauses der Staatstheater“ wurden dort in Bühnennähe eine Übertragungsstelle (mit V 35) eingerichtet und Dauerleitungen zum Funkhaus gemietet.

Der Sender befand sich noch in der Neuländer Straße im Norden Dresdens und strahlte auf der Gemeinschaftswelle 1484 kHz.

Zum Programm sei nachgetragen, daß bereits am 18. Januar 1946 die erste Übertragung eines Konzertes der Dresdner Philharmonie aus dem Gemeindesaal Dresden-Strehlen stattfand. Kurz darauf, am 6. April 1946, erfolgte die Übernahme einer Aufführung der Staatsoper Dresden mit Jaques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“. Am 17. März 1946 wurde auch das erste Hörspiel unter dem Titel „Der Thomaskantor“ unter der Regie des Dramaturgen Ulli Busch [Künstlername] gesendet.

Im Steinsaal des Hygiene-Museums – der Kongreßsaal war ausgebrannt – begann eine Periode schöpferischer Neuproduktionen von Opern und Aufnahmen bekannter Solisten der Dresdner Staatsoper. Hierbei arbeitete Genosse Probst in dem kleinen Regieraum an der Rückseite des Saales als Toningenieur.

Die Ausstrahlung dieser Werke geschah nicht nur im Eigenprogramm oder dem mitteldeutschen Programm über Leipzig, sondern auch über das ständig angeschlossene Drahtfunknetz, das in den ersten Jahren nach 1945 eine große Bedeutung besaß.

Schon in der Tiergartenstraße gelang es den Technikern im Februar 1946, die Aufnahme von Reportagen zu ermöglichen. Mit einem alten Pkw, der im wesentlichen ein batteriebetriebenes „Dora“-Magnettonlaufwerk (AEG) enthielt, wurde z.B. die Wiederingangsetzung der Kohleförderung im Zwickauer Revier aufgenommen.

Überhaupt galt der Reportage in jener Zeit große Aufmerksamkeit. Für die Techniker begann die Zeit des Aufbaus von Reportagewagen, aber auch zugleich die für Techniker und Kraftfahrer so schwere Zeit der nur mit vielen kräftezehrenden Überstunden zu bewältigenden Fahrten und Einsätze in ganz Sachsen.

Bald wurde an den Aufbau eines großen Übertragungswagens gegangen. Ein omnibusähnliches Fahrzeug vom Typ „Praga“ beschäftigte vor allem die Mitarbeiter der Meßtechnik und Werkstatt über längere Zeit. Mit der Verwandlung [d.h. Degradierung] des Landessenders Dresden in ein Studio wurde der für die Dresdner Kollegen geradezu legendäre Wagen in halbfertigem Zustand mit reichlich Zubehör am 30. Oktober 1952 dem Funkhaus Berlin übergeben und dort fertiggestellt. Er wurde später von den Mitarbeitern der Mechanischen Werkstatt zu einem Wohnwagen umgebaut.

Die studiotechnischen Anlagen befanden sich bis 1952 im ersten Stockwerk des Hauses und boten – im Gegensatz zu den 60er Jahren – genügend Raum. Eine mechanische Werkstatt, in der ständig vier bis fünf Kollegen tätig waren, sowie eine Tischlerei konnten sich über mangelnde Beschäftigung nicht beklagen, um das umfangreiche Bauvorhaben zu realisieren.

Das Kernstück der Technik war der Schaltraum mit seiner Gestellfront, die in A-, B- und C/D-Verteilern unterteilt nach dem Kreuzschienenprinzip ausgerüstet war. Am Bedienungspult wurden vor dem Umbau lediglich Sendungen aus anderen Räumen des Hauses und die Übernahme des laufenden Programms aus Leipzig koordiniert.

Anfangs wurden die Sendungen meist in Ein-Mann-Bedienung gefahren, wobei die Musik häufig von Schallplatten kam. Der diensthabende Techniker hatte das Laufwerk gleich neben seiner Reglerwanne stehen und setzte den Tonarm selbst auf. Eine Besonderheit war die tägliche halbstündige Originalsendung während des Abendprogramms aus dem Sendesaal II.

1949 gab es Anzeichen dafür, daß sich unter dem Fußboden des Saales ein Blindgänger befinden müsse. Der Hausmeister stand erst allein mit seiner Meinung, bis sich ein Suchkommando der Sache annahm. Tatsächlich wurde eine Luftmine gefunden, entschärft und abtransportiert. Noch oft dachten Musiker und Rundfunkmitarbeiter mit Schaudern daran, daß sie unmittelbar über dieser gefährlichen Mine, die ganze Häuserblöcke in Schutt legen konnte, vier Jahre lang nichtsahnend gearbeitet, geübt, sich versammelt oder bei Betriebsfeierlichkeiten ausgelassen amüsiert hatten.

1951 wurden der Saal sowie der dazugehörige Regie- und Sprecherraum vollkommen umgebaut, wobei umfangreiche Ausschachtungsarbeiten notwendig waren. Der Saal erhielt eine Orgel; eine kostspielige Investition, die keinerlei Nutzen hatte, da die werkgerechte Aufnahme von Orgelwerken in Kirchen vorgenommen wurde. Die Orgel wurde 1966 ausgebaut und verkauft.

Ab 1952 wurden außer einer kurzen sorbischen Sendung keine Eigenprogramme mehr ausgestrahlt. Die Rundfunkarbeit beschränkte sich fortan auf Produktionen für die zentralen Programme. Da die Anzahl der Mitarbeiter jetzt zu groß war, wurden eine Rolle von Kollegen entweder versetzt oder mit anderen Arbeitsplätzen versorgt.

Als folgenschwer erwies sich die Aufgabe der technischen Räume im ersten Stockwerk und die Umsetzung der technischen Anlagen in wenige kleine Räume des Erdgeschosses; eine Maßnahme, die sehr bald bitter bereut wurde, da die Aufgaben des Studios in den nächsten Jahren wieder wuchsen. Schon im Oktober 1953 gab es erneut ein Eigenprogramm, das montags bis freitags von 19.00 bis 19.30 Uhr über die Frequenzen 910 [Reichenbach] und 1016 kHz ausgestrahlt wurde.

Die unzweckmäßige Unterbringung des Studios und die Abhängigkeit vom Eigentümer des Hygiene-Museums – die 1952 aufgegebenen Räume konnten nie wieder zurückerlangt werden – zwangen die Technische Leitung, schon frühzeitig den Bau eines eigenen Objektes zu planen. Anfangs dachte man an einen Neubau innerhalb des Großen Gartens, später wurde ein Objekt zwischen Beuststraße, Wiener Straße und Bürgerwiese in Erwägung gezogen. Schließlich wurde die Variante eines gemeinsamen Fernseh- und Rundfunkstudios projektiert und 1960 durch eine Aufgabenstellung begründet. Als Standort war der Ortsteil Gruna vorgesehen.

Das Eigenprogramm ab Oktober 1953 entfiel bald wieder, wurde aber am 11. September 1955 erneut aufgenommen. Die Sendezeit betrug werktags zwei Stunden. Zusätzlich wurden bei besonderen Anlässen Originalsendungen vom Funkhaus aus gestaltet, so z.B. 1955 anläßlich des 10. Jahrestages der Zerstörung Dresdens die Kundgebung auf dem Theaterplatz.

Ab September 1955 gehörte das Studio Gera mit einer Bezirksredaktion zum Funkhaus Dresden, wurde aber schon im Februar 1956 wieder ausgegliedert.

Im Monatsbericht des Technischen Leiters vom Januar 1956 liegt als Hinweis auf die Raumnot der Vermerk vor, daß Aufnahmen oft in Redaktionsräumen gemacht werden mußten, da die Regieräume nicht ausreichten. Im gleichen Jahr wurden deshalb der Ausbau eines neuen Kontroll-Regieraums, eine Schallaufnahme und ein zweiter C-Raum in Angriff genommen. Ein Schaltgestell konnte bereits im April fertiggestellt und der Kontrollraum am 12. Oktober 1956 in Betrieb genommen werden.

Ein besonderer Schwerpunkt des Jahres 1956 war die 750-Jahrfeier der Stadt Dresden. In dieser Zeit häuften sich die Klagen über die schlechte Qualität des MW-Senders 1043 kHz infolge Überlagerungen und störender nichtlinearer Verzerrungen. Hinzu kamen oft Fehler in den Unterämtern des Fernkabels 211, da im Rundfunk-Verstärkergestell 52 die Röhrenfassungen der EF 12 schlechten Kontakt gaben. Diese Kontaktstörungen wurden meist durch mehrmaliges Klopfen oder Herausziehen und Wiedereinsetzen der Röhren „beseitigt“.

Ebenfalls im Jahre 1956 war es im Funkhaus Dresden notwendig geworden, den gesamten Regiekomplex II neu zu verkabeln, da durch mangelhafte Isolation der Gestellverdrahtung Prasselerscheinungen auftraten. Schwierigkeiten gab es auch mit dem Mikrofon M 14, das häufig prasselte. Abhilfe brachte meist das Austrocknen der Kapsel.

Eine Rätselsendung, bei der die Hörer telefonisch antworten sollten, mußte im Januar 1957 wieder eingestellt werden, da die zahlreichen Anrufe im Fern- und Schnellamt große Betriebsschwierigkeiten brachten.

Ab 1. Februar 1957 erfolgte die ganztägige Besetzung des Kontrollraumes und damit die lückenlose Überwachung des MW-Senders Wilsdruff (1043 kHz).

1958 wurde mit Hochdruck an der endgültigen Fertigstellung des Kongreßsaales im Hygiene-Museum gearbeitet, wobei neben den Kollegen des Anlagenbaus für Rundfunk und Fernsehen die Mitarbeiter des Funkhauses Dresden in erhöhtem Maße die Bauaufsicht führten. Eine Festveranstaltung am 2. Juni war zugleich der Prüfstein für die technischen Einrichtungen. Die Probeaufnahmen befriedigten nicht, so daß am 2. und 10. Juli weitere Produktionen mit der Dresdner Philharmonie durchgeführt und Erfahrungen vor allem im Hinblick auf die Akustik gesammelt wurden. Die erste Originalsendung aus diesem Saal fand am 10. August 1958 statt.

Weitere besondere Ereignisse im gleichen Jahr waren die Übernahme des bisher in Görlitz stationierten Übertragungswagens Ü 17 am 1. März nach Dresden und die nochmalige Besetzung des Studios Görlitz anläßlich der Internationalen Friedensfahrt. Wesentlich war auch die Fertigstellung eines Hallraumes im März 1958.

Schwierigkeiten besonderer Art galt es zu meistern, als Anfang Juli 1958 infolge der im Osterzgebirge niedergegangenen starken Wolkenbrüche die Weißeritz enormes Hochwasser führte und über ihre Ufer trat. Dabei wurden auch Kabelschächte in Dresden unter Wasser gesetzt, so daß die Sendeleitungen vom Funkhaus zum Sender Wilsdruff tagelang außer Betrieb waren. Der Sendebetrieb wurde mit einem unmittelbar am Strahler aufgestellten Ü-Wagen und einem Behelfs-Sprecherraum notdürftig in Gang gehalten, wobei es vor allem galt, mit den starken HF-Einstreuungen des Strahlers auf die Ü-Wagen-Anlage fertigzuwerden.

Das Jahr 1960 brachte bedeutende Aufgaben, u.a. die Übertragung der Weltmeisterschaften im Radrennen in Karl-Marx-Stadt und Hohenstein-Ernstthal oder die Aufnahmetätigkeit anläßlich der 400-Jahrfeiern der Dresdner Kunstsammlungen. Am 31. Oktober 1960 begannen die Originalsendungen aus dem Gobelinsaal der Sempergalerie in Dresden, die seitdem in jedem Winterhalbjahr als Galeriekonzerte im Programm des Deutschlandsenders erschienen.

Durch die Beendigung des Umbaus des Regiepultes im Regieraum II am 5. Januar 1960 standen leistungsfähigere studiotechnische Anlagen zur Verfügung. Hier wurden im Dezember 1960 zwei Kinderhörspiele und im Februar 1961 ein Hörspiel produziert.

Am 24. Mai 1961 mußte der durchgehende Überwachungsdienst im Kontrollraum wegen Personalmangel eingestellt werden.

In den Jahren 1966/1967 mußte der Verbleib des Funkhauses Dresden im Hygiene-Museum nunmehr als sicher gelten. Damit war der Zeitpunkt gekommen, unaufschiebbare Rekonstruktionen von Anlagen, die bisher wegen des in Aussicht gestellten Umzuges unterblieben waren, durchzuführen. Eine seit langem bestehende Lücke konnte im III. Quartal 1966 durch den Ausbau des ehemaligen, nie genutzten Fremdsprachen-Regieraums zu einem hochwertigen Musikabhörraum geschlossen werden.

1967 wurden unter anderem durchgeführt: Rekonstruktion des Kontroll-Regieraumes, wobei das Regiepult von der Mechanischen Werkstatt Berlin gefertigt und eingebaut wurde; Einbau eines neuen Gerätelagers in einen Raum, der durch Tausch des zum Steinsaal gehörenden kleinen Regieraumes mit dem Hygiene-Museum gewonnen wurde; neues Kabel für Starkstrom-Haupteinspeisung; Rekonstruktion des Regieraumes II.

Auf zentrale Weisung übergab das Funkhaus Dresden am 6. Dezember 1966 den großen Übertragungswagen Ü 35 vom Typ „Skoda“ der Ü-Technik des Funkhauses Berlin und erhielt dafür einen mittleren Ü-Wagen (Ü 21), der allerdings gleich zur Generalreparatur gegeben werden mußte. Entscheidend für diese Maßnahme waren die für das Funkhaus schwierig gewordene Haltung der Einsatzbereitschaft (häufig große Reparaturen) und die geringe Auslastung. Der Ü 21 konnte schließlich am 7. September 1967 generalrepariert in Betrieb genommen werden.

Durch das Ausscheiden von insgesamt fünf Mitarbeitern traten einige Schwierigkeiten auf, zumal zwei Kolleginnen nur noch halbtags arbeiteten. Um die Sendung des Regionalprogramms zu gewährleisten, war es notwendig, ingenieurtechnisches Personal aus dem Produktions- oder Ü-Dienst einzusetzen, was wiederum zu Überstunden führte. Große Bereitschschaft zeigten die Mitarbeiter, als versuchsweise der Ein-Mann-Betrieb ab 11. Dezember 1967 eingeführt wurde.

In diesem Zeitraum erhielt das Kollektiv die Aufgabe, in Zusammenarbeit mit dem Funkamt Dresden ausländische Techniker aus dem Irak, aus Burma, Ghana, der VAR und Südafrika auszubilden.

Ab 5. Juli 1966 wurde über UKW Görlitz IV das Regionalprogramm in der Zeit von 6.00 bis 9.30 Uhr ausgestrahlt.

Im IV. Quartal 1966 begann das RFZ mit Empfangsversuchen stereofoner Sendungen. Am 22. April 1967 begannen regelmäßige stereofone Versuchssendungen über UKW Dresden IV. Die Programmzuführung erfolgte vom Sender Leipzig über Ballempfang. Für die Überwachung dieser Sendungen fand der neue Abhörraum im Hygiene-Museum Verwendung.

Der „Dresdner Abend“, eine fünfstündige Abendsendung für das zentrale Programm DDR II, erlebte am 19. Januar 1967 seine Premiere. Seitdem wird diese Sendung vom Funkhaus Dresden regelmäßig alle vier Wochen gestaltet. «

 
 
„Dresdner Sender wieder in Betrieb“
Presseartikel zum Sender Dresden vom 15. September 1945
 
„Besuch beim Dresdner Rundfunksender“
Presseartikel zum Sender Dresden vom 23. Oktober 1945
 
Funkhaus Dresden, Tiergartenstraße
Dresden 1946, K-Raum Funkhaus Tiergartenstraße mit Techniker Max Rauschenbach
 
Funkhaus Dresden, Tiergartenstraße
Dresden 1946, Funkhaus Tiergartenstraße, sogenannter Sendesaal
 
Funkhaus Dresden, Tiergartenstraße
Dresden 1946, Telefonzentrale Funkhaus Tiergartenstraße, eingerichtet im Bad der Villa
 
Dresden, Sender Neuländer Straße
Dresden 1946, erster MW-Sender 1,5 kW der Sendeanlage Neuländer Straße
 
Funkhaus Dresden, Hygiene-Museum
1952 stillgelegter und geräumter K-Raum im Funkhaus Dresden
 
Funkhaus Dresden, Hygiene-Museum
Funkhaus Dresden, Regie II, Musikproduktion mit Toning. Haupt; 1963
 
Ü-Wagen Dresden
Mischeinrichtung im Ü-Wagen „Adler“, in Betrieb 1947-1950
 
Ü-Wagen Dresden
Früher Übertragungswagen des Senders Dresden (Kfz „Horch“)
 
Ü-Wagen Dresden
Ü-Wagen (Spitzname „Hochzeitskutsche“) des Senders Dresden mit Reporter Fred Küngel; 1950