Zur Geschichte der Funkhäuser Cottbus und Frankfurt (Oder)

Zur Geschichte der Funkhäuser Cottbus und Frankfurt (Oder)

Funkhaus Cottbus
Funkhaus Cottbus, Zustand 2002 (Foto: Kai Ludwig)

Zur Quelle der nachfolgenden Texte vgl. die gesonderte Seite zum Funkhaus Potsdam.

Das Funkhaus in Cottbus stand nach dem Auszug des damaligen Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg über längere Zeit leer; an der rückseitigen Einfahrt war seinerzeit ein Firmenschild zurückgeblieben, das im Laufe der Jahre immer weiter ausblich. Soweit es sich vor wenigen Tagen bei einem Rundgang in den Nachtstunden erkennen ließ, scheint das Gebäude inzwischen zum Wohnhaus umgebaut und teilweise bezogen zu sein.

(Stand vom 06.05.2015)

 

Frankfurt (Oder)

„Die ersten Vorbereitungen zum Aufbau eines Bezirksstudios in Frankfurt/Oder begannen im September 1952. Arbeitskräfte und technische Einrichtungen […] mußten vom Landessender Potsdam gestellt werden. Die spätere „Exilbesetzung“ […] fand sich vorerst in einer Etage des Potsdamer Studios zusammen und unternahm von hier aus Vorstöße nach Frankfurt zur Erkundung geeigneter lokaler Studioräumlichkeiten.

Die Angebote reichten vom ausrangierten Tanzsaal bis zu einer nicht mehr genutzten Eisdiele. Schließlich entschied man sich für einige Räume in der Bezirksdirektion der Deutschen Post, die zwar nicht der Idealvorstellung entsprachen, sich aber aus der Reihe der Angebote günstig abhoben. Nach Aufteilung der Geräte […] rollte am 4. November 1952 ein vollbeladener Lkw mit Anhänger nach Frankfurt/Oder.

[…] Die technischen Räume besaßen zwergenhafte Ausmaße. Berliner Experten schlugen ahnungsvoll die Hände über dem Kopf zusammen und sprachen ironisch von einer Liliput-Technik. Schließlich wurde die letzte Variante akzeptiert. Auf der 24 m² großen – besser: kleinen – Grundfläche eines einzigen Raumes wurde der Aufbau eines P-Raumes, eines Sprecherraumes (!) und eines C-Raumes (!!) begonnen.

Da inzwischen jedoch schon Sendungen gefahren werden mußten, wurde während der Bauzeit ein Redaktionszimmer in einen Sprecherraum verwandelt, und ein flurähnlicher Raum bildete das Zentrum allen übrigen Geschehens. Hier wurde produziert, gebaut, gefrühstückt und in den Pausen entspannt und gewitzelt. Auch der Feierabend bot in dieser Zeit, da Wohnraum und Arbeitsstätte für die meisten Mitarbeiter noch ein und dasselbe waren, keinen Unterschied zur Arbeitszeit. […]

Die materielle Unterstützung und Hilfe aus dem Funkhaus Berlin erwies sich oftmals als außerordentlich dürftig. Das „Prachtstück“, einen Opel-Pkw, der nach vielem Hin und Her dem Frankfurter Studio überlassen worden war, verglichen die Frankfurter Kollegen mit dem bekannten Trojanischen Pferd. Sie konnten es der Ü-Stelle Berlin lange nicht verzeihen, daß man für sie nur eine Art Viehtransportwagen übrig hatte, der schon während der Überführung zu seinem künftigen Standort den Namen „Schweinekiste“ erhielt.

[…] Anläßlich eines deutsch-polnischen Freundschaftstreffens auf der neu errichteten Oderbrücke sollte der Wagen seine Feuertaufe bestehen. […] Jedoch wurde der Wagen zur Wahrung des allgemeinen Festbildes unter die Brücke verwiesen.

[…] schritten die Delegationen beider Länder der Brückenmitte zu […] sich der Treffpunkt wesentlich zur polnischen Seite hin verschob. Der Reporter […] zog anfangs mit zarter, dann mit stärkerer Gewalt am Mikrofonkabel. Mit freundlicher Unterstützung von Delegationsmitgliedern gelang es ihm schließlich, den mechanischen Widerstand des Kabels zu brechen. […] Es soll eine gute Reportage gewesen sein, das konnte die Ü-Besatzung vom strahlenden Gesicht des Reporters ablesen. Die anschließend nicht sehr rücksichtsvoll geführte „Auswertung“ änderte nichts mehr daran, daß der erste Einsatz aufnahmetechnisch schiefgegangen war.

Bemüht, den Fehlschlag schnellstens zu kompensieren […] pünktlich in der Stadthalle den offiziellen Empfang der Gäste wahrzunehmen. In flottem Tempo näherte sich der Ü-Wagen dem Reportageort. Ein vor dem Ü-Wagen plötzlich scharf bremsender Bus zwang den Wagen ebenfalls zum Bremsen. Es blieb beim Versuch, und nur der zum Glück menschenleere Gehsteig […]. Dem hinzueilenden Genossen der Volkspolizei versicherte der Fahrer: „Mit der Schweinekiste fahre ich keinen Meter mehr.“ Er hielt sein Versprechen.

[…] Noch vor Abschluß aller Bauarbeiten wurden dem Studio die ersten größeren Aufgaben übertragen. Am 7. Mai 1953 wurde der Staatsakt anläßlich der Namensgebung von Stalinstadt (jetzt Eisenhüttenstadt) vom Studio original übertragen. Ein feierliches Rahmenprogramm (Musik und Rezitationen) wurde ebenfalls vom Studio aus gesendet. Große Sorge bereitete dabei der akustisch noch nicht hergerichtete Sprecherraum. So mußten, wie in alten Rundfunkzeiten, zur Dämpfung des Nachhalls einige Schlafdecken drapiert werden.

[…] Überraschend kam die Mitteilung, daß ab 27. Mai 1963 ein täglich halbstündiges Eigenprogramm gesendet werden sollte. […] Also begann nach einigen Sicherheitsvorkehrungen das Eigenprogramm noch mit der alten Einrichtung. Es waren für das relativ kleine Kollektiv angespannte Wochen und Monate, vielfach gleichzeitig Sendungen zu fahren, zu produzieren und jede Pause für die Fortführung der Bauarbeiten zu nutzen. Im Februar 1964 konnte endlich das Kontrollpult eingebaut werden. Für die Zeit von zwei Monaten übernahm der Ü 21 den Sende- und Produktionsablauf.

[…] Angaben zur Programmzugehörigkeit des Studios Frankfurt/Oder: September 1952 bis September 1955 Bezirksstudio, Zubringer für das zentrale Programm; Oktober 1955 bis Mitte 1956 Bezirksredaktion des Studios Cottbus; Mitte 1956 bis Mitte 1958 Studio des Funkhauses Potsdam; Mitte 1958 bis Anfang 1963 Studio des Funkhauses Cottbus; ab 1963 Studio des Berliner Rundfunks.

Im Zeitraum 1952 bis 1955 verließen die ehemaligen Potsdamer Mitarbeiter, bis auf einen, das Studio Frankfurt/Oder. Drei ehemalige Mitbegründer des Studios Frankfurt/Oder [waren ab] 1956 wieder in ihrem „Stamm“-Funkhaus Potsdam tätig.“

 

Cottbus

„[…] Kulturell war dieses Gebiet bemerkenswert rückständig. […] Hier hatte es niemals ein Rundfunkstudio oder einen Sender gegeben.

Es war der Initiative des damaligen Oberbürgermeisters der Stadt Cottbus zu verdanken, daß […] am 9. Juni 1948 400.000 Mark für den Aufbau eines Studios bewilligt wurden. Den Auftrag erhielt das Ingenieurbüro Busch in West-Berlin. Dieser Betrieb installierte eine Loewe-Opta-Studioanlage in der neuen Messehalle am Cottbuser Spreeufer. […] Nach Abschluß der Landwirtschaftsausstellung […] wurde die Anlage demontiert, im „Haus des Kulturbundes“ in der Wilhelm-Külz-Straße wieder aufgestellt und am 1. Februar 1949 endgültig in Betrieb genommen. Die Montagearbeiten erledigte wiederum die Firma Busch.

Im Studio standen folgende Räume zur Verfügung: Ein Zimmer für den Studioleiter; ein Zimmer für Redakteure; ein Zimmer für den Betriebsingenieur; ein Werkstattraum; ein Lagerraum; ein Regieraum in der Größe von 6 x 6 x 4 m; ein Sprecherraum mit den Maßen 6 x 4 x 4 m sowie ein kleiner Sendesaal mit einem Volumen von 8 x 15 x 6,5 m. Die technische Anlage bestand aus einem Verstärkergestell […], einem Regietisch […], zwei Plattenlaufwerken, zwei Tonbandgeräten, einem Abhörschrank.

Über eine Empfangsleitung erhielt das Studio das Programm des Berliner Rundfunks. Der Studioausgang wurde niederfrequent in das Fernsprechnetz der Stadt eingespeist. Dazu wurden ungenutzte Adern dieses Netzes benutzt, die zu den Lautsprechern im Stadtgebiet führten. Die Rundfunkteilnehmer der Stadt konnten sich einen Drahtfunkanschluß durch die Post installieren lassen.

Diese Betriebsart führte zu häufigen Auseinandersetzungen zwischen den Mitarbeitern des Studios und des Fernmeldewesens. Da der von der Deutschen Post zugelassene Höchstpegel überschritten werden mußte, um alle Drahtfunkteilnehmer ausreichend zu versorgen, [kam] [e]in großer Teil der Fernsprechteilnehmer ungewollt in den Genuß des Stadtfunkprogramms. Um dieses Problem aus der Welt zu schaffen, wurden im Fernmeldeamt Cottbus-Madlow zwei Drahtfunkverstärker als Sender in Betrieb genommen, die auf je einer Langwellenfrequenz arbeiteten.

[…] das Studio dem Deutschen Demokratischen Rundfunk anzugliedern. Der Vertrag, der […] am 1. Oktober 1948 unterzeichnet wurde, legte fest, daß das Studio Eigentum der Stadt Cottbus bleibt und als Außenstelle des Landessenders Potsdam fungiert. Die Lohnkosten übernahm der Rundfunk, die Stadtverwaltung steuerte 5.000 Mark für weitere Kosten bei. […] Das Studio Cottbus nahm damit eine Zwitterstellung ein, die oft zu Kompetenzüberschneidungen zwischen der Stadtverwaltung und dem Rundfunk führte. […]

[…] zunächst weniger der […] Rundfunk an der Übernahme des Studios interessiert war, als vielmehr die Initiative der Mitarbeiter des Studios die endgültige Übernahme bewirkte. So kam es u.a. vor, daß ein Cottbuser Stadtrat dem Studio im Winter die Heizung abstellen ließ. Dennoch blieben die Mitarbeiter am Arbeitsplatz und arbeiteten im Studio im Mantel und mit Handschuhen weiter. Durch den Vertrag vom 8. Februar 1950 wurde das Studio endgültig dem […] Rundfunk unterstellt. […]

In Cottbus-Gaglow [= Groß Gaglow] stand der erste Mittelwellensender, der 1958 durch einen fahrbaren Sender in Hermsdorf ersetzt wurde [so im Original, Zuordnung dieser Angabe unklar, ist vermutl. auf Sendeanlage Hoyerswerda-Zeißig zu beziehen; Anm. d. A.].

Anfangs standen […] Probleme der Umgestaltung der Landwirtschaft und der Gleichberechtigung der Frau im Mittelpunkt, vereinzelt auch schon Probleme der Braunkohlenindustrie. Bereits 1950 wurden einige sorbische Beiträge in das Programm aufgenommen und eine sorbische Mitarbeiterin eingestellt. 1953 führte die neu gegründete sorbische Redaktion im Studio Görlitz für diese Beiträge Regie. 1957 übersiedelte die sorbische Redaktion in das Funkhaus Cottbus […].

Die Musikproduktion des Hauses orientierte sich überwiegend auf sorbische Kompositionen. Ein weiterer Schwerpunkt […] bestand in Produktionen des Stabsmusikkorps der Luftstreitkräfte der NVA für das zentrale Programm. Während kleine Ensembles und Gruppen im Saal (450 m³) des Studios produzieren konnten, wurden die größeren Klangkörper in geeigneten Sälen der Stadt aufgenommen.

[…] kein Ruhmesblatt in der Geschichte der Technik des Studios Cottbus, daß die Mehrzahl der Mitarbeiter während der ersten Jahre republikflüchtig wurde oder wegen Spionage inhaftiert werden mußte. Ein typisches Beispiel soll für viele stehen: Eine Technikerin hatte das einzige Mikrofon […] entwendet, um damit in Westberlin aufwarten zu können. Tatsächlich war es ihr damit gelungen, das Studio Cottbus für einige Tage nahezu zu blockieren, weil keine Wortbeiträge mehr gesendet werden konnten. […]

[…] Beim Umbau des Studios wurde die alte Loewe-Opta-Anlage in der damaligen Pförtnerloge aufgestellt, um wenigstens Überspiele und Umschnitte durchführen zu können. Aufnahmen sollten in dieser Zeit nur mit Ü-Wagen erfolgen. Es ergab sich jedoch, daß Heinz-Florian Oertel, damals noch Reporter im Studio Cottbus, unbedingt einen Beitrag vervollständigen mußte. Das Haus war aber ein einziger Bauplatz, nirgends war ein ruhiger Platz zu finden. Da entsann man sich des an die Pförtnerloge angrenzenden Raumes. Schnell wurde ein Mikro-Kabel gezogen und der Reporter konnte sein Schneidkommando geben. Daß der angrenzende Raum jedoch eine Toilette war, ist den Hörern hoffentlich nicht aufgefallen.

[…] 1963 wurde der Studio-Stützpunkt Bautzen im „Haus der Sorben“ zunächst provisorisch eingerichtet. 1965 konnte die aus dem Studio Frankfurt/Oder stammende Truhe Z 11 umgebaut und im Stützpunkt aufgestellt werden. […]

1963 war an der Holzkonstruktion des Dachstuhls starker Schädlingsbefall festgestellt worden. Dies betraf auch die Zwischendecken über den Studios. Es bestand Einsturzgefahr. Aus erster Sicht erschien es günstiger, einen Neubau zu errichten, als zu rekonstruieren. Entsprechende Vorbereitungen liefen bei der Plankommission. Innerhalb des vorgesehenen Kulturzentrums der Stadt sollte ein Studioneubau erfolgen. Doch es gelang mit einer intensiven Schädlingsbekämpfung, diesem Übel erstmal beizukommen. Anfang der 70er Jahre wurde die Holzkonstruktion mit vielen Erschwernissen für den Betriebsablauf erneuert.“

 
 
Funkhaus Cottbus
Technikraum im Funkhaus Cottbus (undatiert, vermutlich 60er Jahre)