Die Kindheit – Geschichten aus meinem Leben 1959/60

Meine Kindheit, hatte einen extremen Einschnitt. Mein alter war einstellig und ich war noch nicht in der Schule. Ich wohnte in Essen in der Saarbrücker Straße 85. Es war ein altes Haus. Riesige Wohnungstür und die Toilette war eine Etage tiefer. Räume waren sehr hoch. Im Elternschlafzimmer stand auch mein Kinderbett. Das Bett war ein Gefängnis. Es fehlte aber eine Stange und so konnte ich das Bett verlassen. Mein  Opa hatte ein Zimmer. Ab und an durfte ich ihn in dem Zimmer besuchen. Das einzige interessante in dem Zimmer war eine Uhr mit Wecker aus Metall. Das Modell gibt es Heute noch. Wenn mein Opa mal gut drauf war durfte ich ihn mal in die Hand nehmen. Es  war aber etwas was ja in meinen Händen kaputt gehen kann. Das Leben spielte sich immer in der Küche ab. Hier wurde gegessen und ab 20 Uhr wurde Fernsehen geschaut. Bei  Abendbrot war mein Vater auch dabei. Es gab immer streitige Gespräche über Politik. Mein Opa war ein kleiner Mann. Seine Frau habe ich nicht bewusst kennen gelernt. Mir wurde ein altes Foto gezeigt. Eine stolze Frau. Se hatte so etwas Fürstliches. Meine Mutter Erna Kolter war klein und ganz schwarze Haare. Mein Vater Helmut Meis sah  in der Jugend aus wie Hans Albers. Später im Alter gab es Ähnlichkeiten mit Dieter Thomas Heck. Ich hatte ganz schwarze Locken bis zum Po. Mit den früheren Windeln den den dadurch dicken Po sah ich aus wie ein Neger Baby. Ich nur keine sehr dunkele Haut. Aber etwas südländisches war in mir das ich wohl vom meiner Mutter geerbt habe.

Wenn Ihr etwas wisst von meiner Familie bitte Nachricht an ich@detlef-meis.de

Wir wohnten alle in Essen Huttrop in der Nähe des Wasserturms. Die Steeler Straße war nebenan. Da für die Straßenbahn und waren viele Geschäfte. Am Wasserturm war das Verkehrskaos. Hier kreuzte die Bundesstraße 1 . Heute ist dort eine Autobahn A430 früher A40,

Eines morgens fing meine Mutter sehr extrem an zu husten. Mir ist es erst nicht so stark aufgefallen aber als sie später an zu weinen anfing war mit klar irgendetwas ist los. Es war ein extremes voller Verzweifelung ein Ausbruch von weinen. In meiner Zeit und meinem alter gab es keine Erklärung die man mir gab. Ich greife mal vor. Meine Mutter war schwer krank und hatte Tuberkolose. Zu diesem Zeitpunkt war diese Krankheit nicht so einfach zu heilen. Eine Offene Tuberkolose ist extrem ansteckend. Irgendwie merkte ich als Kind es wird sich was verändern. Meine Mutter musste ins Krankenhaus. Für mich gab es ein neues Zuhause. Ich kam zu meiner Oma. Es war die Mutter meines Vaters. Mein neuer Wohnort war eine schlimme Gegend. Essen Segeroth nannte man damals das Land der fliegenden Messer. Es war auch bekannt als rotes Viertel oder klein Moskau.  Durch die schweren Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges im März 1943 wurde Segeroth stark zerstört und nach dem Krieg nur sporadisch wiederaufgebaut. Die Straße war aus Pflastersteinen und nebenan war noch vom Krieg ein ausgebombtes Haus. Hier war mein Spielplatz. Kellerasseln waren meine Tiere mit denen ich spielte. Auf der anderen Straßenseite war eine große Firma. Bei meist herrschendem Westwind kamen Ruß und Staub der nahen Gussstahlfabrik direkt ins Viertel. Meine Oma wohnte unterm Dach. Es gab drei Zimmer. Im Schlafzimmer gab es. An der Wand waren zwei alte Betten. Sie waren so groß wie Schränke. Es waren alte Betten in denen man beim Schlafen sitzt. Auf vier Holzsäulen war ein Dach aus Holz. Es ist komisch das ich mich als kleines Kind daran so genau erinnern kann. Meine Oma hatte viele Kinder. Der jüngste war voll der Rock`n`Roll Zeit angepasst. Es kam nur selten vorbei. Mein Vater uns sein Bruder und andere feierten oft. Ich war immer dabei. Zum spielen bekam ich immer alte Taschenuhren. Wenn die Feder gerissen war lief die Uhr ganz schnell wenn man sie aufgezogen hat. So lernte ich das Zusammenspiel zwischen Minuten und Stunden an der Bewegung der Zeiger die die Zeit. anzeigen. Damals wurde viel geraucht und die Bude war voll verqualmt. Das war noch viele Jahre danach noch voll normal. Soweit ich mich erinnern kann hat meine Oma nicht geraucht. Einen Wellensittich gab es auch. Zum Baden wurde er immer unter dem Wasserkran gestellt. Es war eine raue Welt. Ich schlief mit Oma in einem Bett. Ihr Atem war schlimm. Ich kann mich daran genau erinnern. Liebevolle Umarmungen gab es nicht. Aber das viel mir zu dieser Zeit nicht auf da ich es von Zuhause auch nicht kannte. In dieser Gegend musste man sich durchsetzen. Ich wurde roh. In der Stimme laut und direkt. Das konnte ich schon damals.  Mit der Stimme laut provozieren aber auch wenn ich was wollte es auch damit meist durchsetzen. Eines Tages legte ich mich mit den jüngsten Sohn meiner Oma an. Das Ergebnis war eine Ohrfeige die ich mir eingefangen habe. Der Abdruck seiner Hand war einige Tage in meinem Gesicht rot zu sehen. Mein Vater kam meist am Wochenende um mich ab zu holen. Es ging dann immer ins Krankenhaus. Aber seit der Ohrfeige war mein Vater sehr in Aufregung. Es gab eine Extreme Unruhe. Man schrie sich an obwohl die Ohrfeige bei mir schon längst vergessen war. Ich hatte es bestimmt verdient. Ich konnte schon damals mit Worten jemanden zur explodieren bringen. Bei meiner Mutter bekam ich immer Schläge auf den Po. Auch mit den Kochlöffel der aus Holz war. Ich drehte mich sehr auf den Boden um den Schlägen auszuweichen. Einmal zerbrach der Kochlöffel. Ja da war was los. Das war ein Freudenfest für mich. Ich lachte und und meine Mutter kochte. Wieder zurück zu meiner Ohrfeige. Für mich wurde ein neues Zuhause gesucht. Da wo ich jetzt war konnte ich nicht bleiben.

Diesmal suchte man im Umfeld der Familie meiner Mutter. Ich kam zu einer Tante. Es war eine ganz besondere Frau und ein wohl behütetes Heim. Aber ich war verzogen und fast hätte mich diese Tante die ich später mein vize Mutter nannte mich nicht behalten.  Sie war Ehrgeizig und dachte sich das bekomme ich hin. Wer den Begriff nicht kennt, es war meine zweite Mutter. Diese Mutter hat mir alles gegen was ich von meiner Mutter nicht kannte. Es gab zu Weihnachten immer einen großen Adventskranz unter der Decke. Eine Krippe am Weihnachtsbaum war Tradition. Es gab einen Vogel mit dem sie immer gesprochen hat. Der Käfig wurde regelmäßig eröffnet und er flog durch das Zimmer. Wenn er genug hatte flog er in den Käfig zurück. Wenn schönes sonniges Wetter war haben wir im am Fenster gefrühstückt. Das Fender wurde aufgemacht und einige Meisen kamen herein und liefen über den Frühstückstisch. Sie frühstückten mit uns. Eine Vogel viel uns auf da er nur ein Bein hatte. Er kam Abends ans Fenster und wurde dann das Fenster geöffnet und dieser außergewöhnlicher Gast übernachtete bis Morgens bis die Anderen Vögel zum Frühstück kamen. Ich hatte mein eigenes Bett und bekam Abends immer eine Geschichte vorgelesen. Zu der Zeit kam vor der Tagesschau um 20 Uhr immer mein Lieblingslied. Ich habe die Melodie im Kopf. Aber ich kennen den Titel nicht. Es war eine wichtige Zeit in der ich völlig neu geformt wurde. Ich könnte auch sehr gut singen und das wurde sehr gefördert. Ich habe viel mit meiner zweiten Mutter gesungen. Ihr Mann war am Abend immer sehr beschäftigt. Er brachte sich seine Arbeit mit nach Hause. Wenn ich mich dafür interessierte wies er mich ab. Es ist erstaunlich was ich da sah. Es  ist so klar vor meinem Augen das ich mit dem Wissen das ich später hatte erkannte das es  ein Stromnetz Plan war von einer Starkstrom Leitung. Wie so oft hat man mein Interesse aufgrund meines Alters unterschätz.

Meine richtige Mutter habe ich nur am Wochenende gesehen. Es war eine lange Fahrt mit der Straßenbahn bis nach Essen Steele und den Bus durch die Berge. Rauf und runter und die Kurven durch das Rurhtal   in Essen Werden. Ich weiß noch wie mir einmal im Bus so schlecht wurde das ich im Bus mich übergeben hatte. Die Lungenklinik gibt es noch. Es ist die Ruhrlandklinik. Eine Lungenfachklinik. Damals war es ein altes Gebäude. Mein Vater durfte zu meiner Mutter. Ich musste draußen bleiben. Meine Mutter kam ans Fenster. Sie war so weit weg von mir das man sie kaum erkannte. Ich spiele im Garten und im Wald in der Umgebung. An die Rückfahrt mit dem Bus und der Straßenbahn kann ich mich nicht erinnern. Es war eine komische Zeit.

Meine Vize Mama musste regelmäßig zum Arzt. Ich bekam immer ein kleines mechanisches Spielzeug. Man musste ein oder mehrere Kugeln in Löcher bekommen. Ich war nicht total verrückt danach aber es war nicht so langweilig im Wartezimmer zu sitzen. Zu der Zeit gab es wenig. Nur ein Fernsehprogramm, obwohl bei meiner Vize Mama gab es noch ein ganz anderes Testbild. Der Fernseher war aber eher nicht an. Tagsüber gab es immer diese runden für aufregenden Testbilder. Die Streifen und Fächer und kleineren Kreise Das faszinierte mich. Wow was ist das. Das Testbild  aus Holland sah ganz anders aus. Hatte aber gewisse Ähnlichkeiten.. Das war auch dafür das ich noch so jung war eine Sensation.  Ohne es zu wissen wurde ich programmiert.  Technik, Fernsehen,  Schaltpläne , die Liebe zu Tieren  und das Singen. Ich bin meiner Vize Mama unendlich dankbar dafür.

Als ich später wieder zu meiner Mutter kam wurde der Fernseher von der Küche in das Zimmer meines Opas gebracht. Mir ist erst jetzt klar das mein Opa auch ein neues Zuhause bekommen hat. Er kam nie wieder zurück. Mein Opa hat mir vieles geerbt. Er war in seiner Jugend ein guter Sänger. Er hat auch im 3. Reich sehr viel an Radioempfängern gebastelt. Aber über das Singen und die Fähigkeiten die Elektrotechnik zu verstehen was mir im Blut lag gibt es eine andere Geschichte.

Tuberkolose wurde bei meiner Mutter durch eine große Operation geheilt. Man hat Ihr einen großen Teil der Lunge weggeschnitten. Sie musste regelmäßig zur Untersuchung zum Lungenfacharzt in der Innenstadt von Essen. Ich musste immer mit und wurde auch Untersucht. Es wurde Blut abgenommen und eine Blutsenkung gemacht. Damals wusst ich noch nicht das meine Mutter mich angesteckt hatte. Ich hatte aber ein gutes Immunstem und hatte die Tuberkolose Bazillen mit Kalk eingemauert. Ich habe sie immer noch in mir. Test ergeben immer das ich die Krankheit habe.  Die Bazillen sind eingemauert aber nicht Tot. Eine Offene TB ist heute noch sehr ansteckend aber nicht mehr eine Krankheit die zum Tode führt. Auf Wikibedia gibt es Informationen über Tuberkolose https://de.wikipedia.org/wiki/Tuberkulose

Zu Hause ging mein Leben ohne Opa weiter. Aber davon mehr in einem anderen Kapittel