Der Belgische Anbieter RadioNomy stellt sein Streaminanangebot am 1.1.2020 ein

 

Von Joachim Gauger

Redaktionsleiter bei laut.de
25. November 2019

 

Radionomy stellt Betrieb ein

  • Am 1. Januar 2020 ist überraschend Schluss
  • Radio-Betreiber sollen zu Shoutcast wechseln
  • DJs müssen Urheberrechte künftig selbst verhandeln

Der belgische Webradio-Anbieter Radionomy hat am Wochenende überraschend die Einstellung seines Angebots zum 1. Januar 2020 angekündigt. Davon betroffen sind über 7.000 Radio-DJs, die auf der Plattform kostenlos ihr eigenes Internet-Radio betreiben, wobei sich das Unternehmen um alle Hosting- und Copyright-Kosten kümmerte. 

Die Einstellung des Dienstes wird von Radionomy offiziell als Fusion mit Shoutcast dargestellt, das wie Radionomy selbst zur AudioValley-Gruppe gehört. In einer Mitteilung auf seiner Webseite beschreibt Radionomy die Migration zu Shoutcast als wichtigen „Schritt in der Professionalisierung digitaler Radios, der ihnen die Monetarisierung ihres Publikums erleichtert„. Das Angebot sei „eine einzigartige, einfache und kostenlose Chance, in die große Liga des professionellen Webradios einzusteigen!

 

 

 

Der Radiomanager von Radionomy zieht mit um

DJs können angeblich alle Titel und Playlisten zu Shoutcast mitnehmen.
© Radionomy

 
 

Der Mitteilung zufolge erfolgt die Migration „mit nur einem Klick“, danach könnten die Radio-Betreiber auf Shoutcast mit dem selben Radiomanager weiter arbeiten und müssten nicht einmal ihre Titel neu hochladen. Um sie zum Wechsel zu animieren, bietet Shoutcast den Radionomy-DJs sogar seinen Radio For Business-Service, der normalerweise 14,90 Dollar im Monat kostet, ein Jahr lang zum Nulltarif an.

Der entscheidende Unterschied zwischen Shoutcast und Radionomy besteht allerdings darin, dass DJs sich bei Shoutcast nun selber um die Urheberrechte kümmern müssen. Und das ist im internationalen Radio-Geschäft eine äußerst komplizierte Angelegenheit, an der Radionomy letztlich selbst gescheitert ist. Nach seiner Gründung im Jahr 2008 war es Radionomy angeblich gelungen, ein globales Abkommen für das Urheberrecht auszuhandeln. Dies beizubehalten und fortzuführen wurde in den letzten Jahren jedoch immer schwieriger.

Bereits 2016 bestritt Sonymusic die Gültigkeit der vorliegenden Vereinbarungen und verklagte Radionomy auf Schadensersatz in Höhe von 150.000 US-Dollar für jeden betroffenen Titel. Zuletzt musste Radionomy mehrere Dutzend Länder geoblocken, im Frühjahr 2019 zog sich das Unternehmen sogar vollständig aus den USA zurück.

 

Für Hobby-DJs endet hier das Radio-Abenteuer

Der belgischen Webseite Radiovisie zufolge betrieb Radionomy im September 2019 noch knapp 7.500 Radio-Streams. Zusammen erzielten sie weltweit etwa 284 Millionen Hörsitzungen mit durchschnittlich 26 Hörminuten pro Monat. Für die meisten der hier aktiven DJs dürfte das Webradio-Abenteuer allerdings mit der Einstellung von Radionomy zuende gehen. Denn das Aushandeln von Senderechten mit den Rechte-Inhabern ist nicht nur eine große juristische und logistische Herausforderung. Ein weiteres Hindernis für die vielen Radiobetreiber, die sich eher als Hobby-DJs verstehen, sind die zu erwartenden Kosten. Dass sich die Urheberrechte mit den Einnahmen aus Shoutcasts Partnerprogramm Targetspot finanzieren lassen, halten Szenekenner jedenfalls für ausgeschlossen. 

 

 

laut.fm

Die Alternative für Radiomacher
© laut.ag

 

Alternative: laut.fm

Zumindest in Deutschland gibt es mit laut.fm eine Alternative für Radiomacher. Auf tausenden kuratierten Radiostreams bietet laut.fm bereits jetzt die größte Musikvielfalt in Deutschland. Wie Radionomy ist das user generated radio bei laut.fm ein kostenloses Angebot. Dabei übernimmt die LAUT AG alle Kosten für Hosting und Urheberrechte.