Das Darknet – verboten geheimnisvoll – oder doch sehr wichtig und legal für alle ?!

Ich habe schon mal über das Darknet berichtet. Vor ein paar Tagen bekam ich eine Nachricht auf diesen Beitrag.
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Was darf’s denn sein? Einen Hacker, der euch das WLAN-Passwort eures Nachbarn beschafft, jemand der euch hilft, Steuern zu hinterziehen, oder doch lieber einen gehackten Netflix-Account? All diese Dinge und noch vieles mehr gibt es im Darknet, und das auch noch frei verfügbar.Es kommt nicht von ungefähr, dass das Darknet oft mit Drogen, Waffen und anderen illegalen Aktivitäten in Verbindung gebracht wird. Eine Studie des King’s College Londonzeigt, dass 57 Prozent der Darknet-Seiten illegale Aktivitäten aufweisen. Dabei war die Ursprungsidee des Darknets eine ganz andere.

Das Darknet ist der Bereich im Internet, der seinen Nutzern Anonymität garantieren soll. Es entstand zusammen mit dem Internet und war bereits zwischen 1960 und 1980 aktiv.

Verbreitet und vergrößert hat sich das Darknet mit der Massennutzung des Internets in den 90ern und als das US Naval Research Laboratory den Tor Browser 2002 auf den Markt brachte.

Medial hat das Darknet seinen Höhepunkt im Jahr 2013 erlebt, als das FBI die „Silk Road“, einen Online-Marktplatz für Drogen und andere illegale Substanzen, offline nahm.

Neben all der negativen Presse, der das Darknet ausgesetzt ist, gehen die guten Seiten leider schnell unter. Deshalb liefern wir euch in diesem Artikel den ultimativen Guide. Ihr erfahrt alles, was ihr über das Darknet wissen müsst.

Vom Einrichten des Tor Browsers, wie ihr den richtigen VPN-Anbieter für das Darknet wählt, über Dinge, die ihr im Darknet lieber bleiben lassen solltet, bis hin zu den besten Darknet-Seiten, die ihr euch unbedingt anschauen solltet.

Einfach ausgedrückt lässt sich das gesamte Internet in zwei Bereiche unterteilen, dem uns bekannten Teil (auch Clearnet oder Surface Web genannt) und dem Deep Web. Das Deep Web ist der Bereich, der von keiner Suchmaschine gefunden werden kann. Das liegt daran, dass diese Seiten bewusst nicht von Google, Yahoo und Co. indexiert werden möchten.

Was ist das Darknet?

Das Darknet oder auch Dark Web genannt, ist ein Bruchteil des Deep Webs, den ihr mit eurem gewöhnlichen Browser nicht erreichen könnt.

Hier noch eine schöne Übersicht über die Vor- und Nachteile des Darknets im Vergleich zum Surface Web:

Vorteile

  • Anonymität und höhere Privatsphäre beim Surfen und Recherchieren
  • Gut für Menschen aus Ländern mit Internetzensur
  • Viele politische und wissenschaftliche Ressourcen ungefiltert verfügbar
  • Zahlungen und Transaktionen über Bitcoin anonym

Nachteile

  • Zugang zu illegalen Seiten und teils sehr verstörenden Inhalten
  • Kein Vertrauen oder Regulierung wie im Internet (kein Google und Co. vorhanden)
  • E-Commerce-Betrug wahrscheinlicher
  • URLs geben keinerlei Einsicht über den Inhalt der Webseite

Um im Darknet surfen zu können, benötigt ihr Spezialwerkzeuge, wie zum Beispiel den Tor Browser. Der Tor Browser und der dezentrale Aufbau des Darknets ermöglichen ein weitgehend anonymes Surfen im Netz. Dadurch, dass es keinen Mittelsmann (Server) bei der Kommunikation gibt, wie es im Internet der Fall ist, könnt ihr von erhöhter Privatsphäre profitieren.

Tor-Network Website
Die Website des Tor Project Inc., wo ihr den Tor Browser runterladen könnt

Anonymität auf technologischer Ebene ist eine tolle Sache, wenn sie für das Gute genutzt wird. Sie schützt eure Daten und eure Privatsphäre vor Hackern, Kriminellen oder Unternehmen. Falsch eingesetzt aber, kann Anonymität auch gravierende Folgen haben. Verschlüsselung kann zum Beispiel die Polizei oder Regierung daran hindern, bei illegalen Online-Aktivitäten einzugreifen.

Ein weiterer Unterschied zum „normalen“ Internet ist der Aufbau der Darknet-URLs. Wenn eine Webadresse auf „.onion“ endet, handelt es sich um eine Seite aus dem Darknet. Außerdem sind die Hauptteile meist kryptisch, sodass ihr auf den ersten Blick nicht erkennen könnt, wie die Seite heißt oder wohin ihr weitergeleitet werdet, wenn ihr auf die URL klickt.

Ist das Darknet illegal?

Nein.

Viele Seiten im Darknet sind einfach Gemeinschaften von Menschen, die sich digital zu gewissen Themen austauschen wollen, dabei aber gerne anonym bleiben.

Seitdem die Silk Road 2013 hochgenommen wurde, genießt das Darknet eine hohe mediale Aufmerksamkeit. Da kann es schnell passieren, dass sich Unsicherheit bei den Nutzern einschleicht.

Die Nutzung des Darknets ist legal, sonst wären Facebook und andere große Unternehmen (Ja, ihr habt richtig gelesen: Facebook hat eine eigene Darknet-Version veröffentlicht, um der Internetzensur den Kampf anzusagen!) wohl kaum im Darknet präsent. Es wird niemand bei euch an der Tür klopfen, wenn ihr den Tor Browser auf eurem Laptop oder Smartphone öffnet.

Ihr seid schließlich nicht automatisch im Darknet, nur weil ihr den Tor Browser verwendet.

Wichtig ist in diesem Kontext allerdings, was genau ihr im Darknet anstellt.

Ihr solltet auf keinen Fall Links im Darknet anklicken, die ihr nicht kennt. Bei manchen Inhalten ist selbst der Besuch der Webseite bereits strafbar. Seid also vorsichtig beim Surfen und achtet auf die Links, auf die ihr klicken wollt.

Was könnt ihr im Darknet alles unternehmen?

Abgesehen von den ganzen illegalen Aktivitäten, hat das Darknet auch schöne Seiten. Neben vielfältigen verbotenen Machenschaften hat sich im Darknet noch eine ganz andere Community durchsetzen können: Buchclubs.

Ganz richtig, ihr habt richtig gelesen, Buchclubs sind seit Jahren ein fester Bestandteil des Darknets. Diese verborgenen Webseiten sind Orte, an denen ihr Literaturklassiker wie Ralph Ellisons „Invisible Man“ aber auch kontroverse Materialien wie das „Anarchist Cookbook“ mit anderen diskutieren könnt und das ganz anonym und unbefangen.

Ein Großteil dieser Seiten stellt außerdem noch illegale Kopien populärer Bücher zum Download bereit. Nichtsdestotrotz könnt ihr dort aktive Diskussionen führen und mit Sicherheit findet ihr auch einige nützliche, nicht urheberrechtlich geschützte Bücher.

Außerdem bietet euch das Darknet viele wissenschaftliche und politische Ressourcen, die die des Surface Webs weit übersteigen. Über das Darknet könnt ihr politische Diskussionen und wissenschaftliches Material ungefiltert erreichen. Während ihr im Internet für ein wissenschaftliches Paper meist zwischen 30 und 50 Dollar bezahlt, erhaltet ihr dasselbe Paper im Darknet unter Umständen kostenfrei. Allerdings solltet ihr gut recherchieren, bevor ihr solche Portale verwendet.

Beispielsweise bietet die Darknet-Version von Sci-Hub über 70 Millionen wissenschaftliche Paper illegal an, von denen ihr so manche nicht bei Google finden werdet.

Viele von uns, die in Demokratie und Meinungsfreiheit aufgewachsen sind, kennen das Wort „Zensur“ lediglich aus der Zeitung. Die wenigsten können es sich vorstellen, was es bedeutet in einem Land zu leben, in dem die Internetzensur noch ein aktives Problem ist. Leider ist Zensur noch immer Realität in einigen Ländern.

Das Darknet gibt den Menschen aus diesen Ländern die Möglichkeit, sich mit Inhalten zu befassen, die in ihrem Land verboten sind. Dadurch erhalten diese Menschen eine Chance, neutrale Informationen zum aktuellen Weltgeschehen zu beziehen.

Das Darknet verfügt übrigens auch über soziale Netzwerke. Wenn euch also gerade nach socializing im Darknet ist, schaut mal bei Tor Book vorbei. Macht hier aber unbedingt falsche Angaben. Nutzt Pseudonyme und gebt auf keinen Fall euren richtigen Namen oder Wohnort preis. So was kann im Darknet böse enden.

Äußerst präsent sind auch Online-Marktplätze oder auch darknetmarkets, bei denen ihr legale und illegale Substanzen erwerben könnt. Noch ein wichtiger Rat an der Stelle: Kauft auf keinen Fall im Darknet ein. Ganz egal um welchen Service oder Produkt es sich handelt.

DuckDuckGo Website
Die Surface-Web-Version der Suchmaschine DuckDuckGo

Wenn ihr nicht wisst, wie ihr diese Ressourcen im Darknet findet, könnt ihr das Hidden Wiki oder DuckDuckGo verwenden. DuckDuckGo ist eine Darknet-Suchmaschine, während das Hidden Wiki als Linkliste (mit Beschreibung der jeweiligen Links) im Darknet fungiert.

Was solltet ihr im Darknet auf keinen Fall unternehmen?

Damit ihr im Darknet sicher unterwegs seid, folgt nun eine kleine Übersicht der wichtigsten Tipps und Tricks, mit denen ihr den meisten Darknet-Problemen aus dem Weg gehen könnt.

  • Kauft auf keinen Fall im Darknet ein

Wenn ihr im Darknet illegale Sachen einkauft und dabei erwischt werdet, bringt euch das in große Schwierigkeiten. Auch beim Einkauf von „normalen“ Dingen kann im Darknet schnell etwas schiefgehen.

Ein Großteil der Benutzer auf diesen Online-Marktplätzen sind entweder Strafverfolgungsbeamte aus verschiedenen Ländern oder Betrüger, die euch hereinlegen wollen. Wenn ihr merkt, dass ihr betrogen worden seid, ist es in den meisten Fällen schon zu spät.

Darüber hinaus werden bei fast allen Transaktionen Bitcoins verwendet, sodass die (angeblichen) Verkäufer unauffindbar sind und eine Rückerstattung eures Geldes nicht in Frage kommt.

  • Gebt keinerlei persönliche Daten von euch weiter

Verratet niemandem euren Namen oder schickt ihm eure persönlichen Informationen zu. Ihr wisst nie, in wessen Hände diese Informationen am Ende gelangen. Schnell entstehen falsche Ausweise mit eurem Bild oder jemand nutzt euren Namen für kriminelle Aktivitäten.

Die gesamte Idee hinter dem Darknet ist es doch, anonym zu bleiben. Warum also eure wahre Identität preisgeben?

  • Klickt keine Links an, die ihr nicht kennt

Wenn euch ein Link im Surface Web verdächtig vorkommt oder nach einer Scam-Seite aussieht, klickt ihr doch auch nicht darauf, oder?

Nutzt am besten DuckDuckGo oder das Hidden Wiki, um euch im Darknet zu bewegen, vor allem am Anfang. Hier noch einmal der Hinweis: DuckDuckGo ist nicht Google. Nur weil eine Seite in den Suchergebnissen ganz oben erscheint, muss das nicht automatisch heißen, dass die Seite frei von Viren oder vertrauenswürdig ist.

  • Nutzt den Tor Browser nie ohne VPN

Ein VPN ist im Darknet mittlerweile zweifellos genauso wichtig wie der Tor Browser, da das Tor Netzwerk in der letzten Zeit schon einige Male gehackt wurde.

Früher war ein VPN-Dienst im Darknet nur eine zusätzliche Schutzschicht. Inzwischen ist es jedoch zu einer Notwendigkeit geworden, da Regierungsbehörden sowie Hacker immer wieder neue Wege finden, das Verschlüsselungssystem des Tor Netzwerks zu knacken und an die wahren IP-Adressen der Benutzer heranzukommen.

Ein guter VPN kann beim Surfen im Darknet lebensrettend sein. Wenn ihr nicht genau wisst, welchen VPN ihr nehmen sollt, schaut euch unseren VPN-Anbieter Test 2019 an.

  • Konfiguriert euren Tor Browser richtig

Weiter unten werden wir euch noch erklären, wie ihr das macht. Das bloße Installieren des Tor Browsers macht euch noch nicht anonym oder schützt euch vor potenziellen Hackerangriffen.

  • Ladet keine Dateien aus dem Darknet herunter

Für viele von euch mag das vielleicht offensichtlich erscheinen, aber es gibt noch immer Leute, die auf dubiose Werbeanzeigen hereinfallen und das auch noch im Surface Web. Dabei können manche Dateien auch ohne eure Zustimmung im Hintergrund heruntergeladen werden. Deshalb nochmal: konfiguriert euren Tor Browser richtig.

Versucht das Downloaden von Dateien aus dem Darknet zu vermeiden. Wenn ihr dennoch etwas herunterladen müsst, aus welchem Grund auch immer, solltet ihr dafür eine virtuelle Maschine nutzen, um zwischen dem Tor Browser und eurem Betriebssystem eine weitere Sicherheitsebene dazwischen zu schalten. Solltet ihr euch so einen Virus einfangen, könnt ihr die virtuelle Maschine (in den meisten Fällen) einfach vom PC oder Mac entfernen.

  • Benehmt euch

Im Darknet treiben sich die unterschiedlichsten Menschen herum. Nur weil ihr anonym seid, müsst ihr euch dort nicht daneben benehmen oder euch Feinde machen. Ihr wisst nie, wen genau ihr verärgern könntet. Vielleicht streitet ihr euch mit einem Hacker, der euch das Leben mit ein paar Klicks schwer machen kann.

  • Vertraut niemandem

Was ist schlimmer, als Feinde im Darknet zu haben? Richtig, dort Freunde zu finden. Vor allem sind es Fake-Freunde, die euch Probleme bereiten können. Es gibt normalerweise nur eine Art von Person, die eure Bekanntschaft im Darknet unbedingt machen will: die Polizei.

In diesem Sinne ist es äußerst riskant, einer anderen Person blind im Darknet zu vertrauen. Ihr wisst nie, mit wem ihr euch dort tatsächlich unterhaltet.

Egal, wie vertrauensvoll eine Person oder Website erscheint, ihr dürft dort niemandem vertrauen. Ihr seid im Darknet unterwegs und nicht im Surface Web. Dementsprechend müsst ihr eure Erwartungshaltung anpassen. Das Darknet ist nicht so reguliert und mit Regeln behaftet, wie etwa das Surface Web.

Zugang zum Darknet

Nachdem ihr nun gelernt habt, was ihr im Darknet anstellen könnt und was ihr lieber bleiben lassen solltet, komme ich nun zum praktischen Teil unseres Artikels. In dieser Anleitung werden wir von Sonntagmorgen.com euch Schritt für Schritt erklären, was der Tor Browser ist, wie ihr ihn richtig installiert, konfiguriert und wie ihr mit ihm in das Darknet kommt.

Der Tor Browser und das Darknet

Kommen wir nun zu einem Begriff, den ihr in diesem Artikel schon einige Male gelesen habt: dem Tor Browser. Die Abkürzung Tor steht für „The Onion Router“, was übersetzt Zwiebelrouter bedeutet.

Dieser Browser unterscheidet sich von Firefox, Chrome und Co., da er in der Lage ist, „.onion“-Seiten zu öffnen. Dadurch ermöglicht er es euch, im Darknet zu surfen. Was der Tor Browser im Detail ist, erfahrt ihr in unserem Artikel Tor Browser: Alles, was ihr wissen müsst.

Den Tor Browser installieren

Bevor ihr den Tor Browser herunterladet, solltet ihr zunächst euren VPN einschalten. So könnt ihr gewährleisten, dass euer Internetanbieter euch nicht als potenziellen Tor-Nutzer einstufen kann. Wir werden in dieser Anleitung CyberGhost als VPN-Dienst nutzen. Solltet ihr noch auf der Suche nach einem guten Dienst sein, schaut einfach mal in unseren ausführlichen VPN-Anbieter Test und Vergleich 2019 – dort werdet ihr garantiert fündig.

Darknet Cyberghost VPN
Mit CyberGhost sicher durch das Darknet

Nachdem ihr euren VPN-Tunnel aufgebaut habt, öffnet ihr die Website des Tor Projekts.

Darknet Tor Website
Die Tor-Webseite: hier könnt ihr den Browser herunterladen

Klickt hierfür auf „Download Tor“. Hinweis: Ihr solltet den Tor Browser nur von der offiziellen Website des Tor Projektes herunterladen.

Darknet Tor Download
Den Tor Browser richtig herunterladen

Öffnet den Installer und installiert den Tor Browser auf eurem Endgerät. Nach erfolgreicher Installation seht ihr das folgende Fenster:

Darknet Tor Installation
So sieht der Tor Browser beim ersten Start aus

Klickt anschließend auf „Connect“ und wartet, bis euer Browser die Verbindung zum Tor-Netzwerk eingerichtet hat. Sobald ihr mit dem Netzwerk verbunden seid, öffnet sich automatisch eine für das Tor-Netzwerk angepasste Version des Firefox-Browsers.

Darknet Tor first Launch
Die Tor-Version des Firefox-Browsers

Den Tor Browser konfigurieren

Nachdem ihr den Tor Browser installiert habt, kommen wir nun dazu, wie ihr ihn richtig einstellt, um sicher im Darknet unterwegs zu sein. Eine sorgfältige Konfiguration ist wichtig, da es doch eine Reihe an Dingen gibt, die ihr vorab einstellen müsst, ehe ihr in das Darknet abtaucht.

Fangen wir mit JavaScript an. Gerade als Software-Entwickler möchte ich an dieser Stelle anmerken, dass JavaScript eine, wenn nicht sogar DIE Sicherheitslücke im Web ist. Die Programmiersprache bietet unzählige Möglichkeiten an, Schadsoftware auf dem Endgerät des potenziellen Opfers auszuführen.

Deshalb wird JavaScript gerne als sogenanntes Backdoor, also der Punkt, an dem der Hacker illegalen Zugang zu dem System des Opfers erlangt, genutzt.

Eine sehr einfache und deshalb verbreitete Methodik ist der JavaScript-Hook mittels BeEF, bei dem der Browser des Opfers durch eine „hook.js“-Datei manipuliert und kontrolliert werden kann. Sobald das geschehen ist, hat der Hacker Zugang zum Betriebssystem und kann per Remote-Zugriff auf euren Laptop oder Smartphone Einfluss nehmen.

Um JavaScript im Tor Browser zu deaktivieren, klickt ihr im Browser rechts oben auf das „NoScript“-Add-on.

Darknet Tor deactivate JavaScript
Hier könnt ihr JavaScript im Tor Browser deaktivieren

Daraufhin sollte folgendes Fenster aufgehen.

Darknet Tor NoScript
NoScript verwaltet jegliche JavaScript-Anwendungen für euch

Klickt dann auf „Options“, um in das Einstellungsmenü von NoScript zu gelangen. Entfernt hier unter „Default“ alle Häkchen aus den Checkboxen und schließt den Browser-Tab, um die Einstellungen zu übernehmen.

Darknet Tor NoScript Settings
Deaktiviert am besten alle JavaScript-Komponenten, um auf Nummer sicher zu gehen

Nachdem ihr den Tab geschlossen habt, werden eure JavaScript-Einstellungen gespeichert.

Als Nächstes möchten wir euch zeigen, wie ihr die HTTP-Einstellungen eures Browsers modifizieren könnt. Klickt dafür auf das Add-on „HTTPS everywhere“.

Darknet Tor HTTPS Einstellungen
Durch HTTPS könnt ihr eine zusätzliche Schutzebene im Darknet hinzufügen

Setzt dann einen Haken in die Checkbox „Block all unencrypted requests“.

Darknet Tor HTTPS activate Encrytion
Hier teilt ihr dem Browser mit, alle unverschlüsselten Anfragen direkt abzublocken

Daraufhin sollte das Logo des Add-ons seine Farbe von Blau zu Rot wechseln.

Ein weiteres Thema, dass wir gerne ansprechen möchten, sind Plug-ins. Installiert auf gar keinen Fall Plug-ins in euren Tor Browser, da diese eine potenzielle Sicherheitslücke darstellen und Hackern den Zugang zu euren Informationen gewähren können.

Nicht umsonst sind Plug-ins wie Flash, RealPlayer und QuickTime standardmäßig von Tor gesperrt.

Das Darknet betreten

Nun, da euer Tor Browser fertig eingerichtet ist, können wir endlich in das Darknet abtauchen. Wir werden für unser Beispiel die Darknet-Version von Facebook ansteuern.

Gebt dafür die Adresse facebookcorewwwi.onion in euren Tor Browser ein.

Darknet Facebook Page
So sieht Facebook im Darknet aus

Mit Sicherheit ist euch aufgefallen, dass die Ladezeiten der Webseite sehr bescheiden sind. Das liegt daran, dass das Tor-Netzwerk in Schichten aufgebaut ist und jede Anfrage von euch über mehrere Server laufen lässt. Da kann es durchaus länger dauern, bis die Seite aufgebaut wird.

Nun könnt ihr voller Stolz behaupten, im Darknet unterwegs gewesen zu sein. Schaut euch unbedingt auch DuckDuckGo und das Hidden Wiki an.

Weitere Tipps für mehr Sicherheit im Darknet

Ihr wisst nun, wie ihr in das Darknet kommt und wie ihr euch zu verhalten habt. Abschließend möchten wir euch noch einige Profi-Tipps mitgeben, wie ihr mit dem Tor Browser richtig umgeht:

  • Vermeidet Zwei-Faktor-Authentifizierungen (mit eurem Smartphone) im Tor Netzwerk
  • Surft nicht außerhalb des Darknets mit dem Tor Browser (wenn ihr vorhabt, wieder ins Darknet mit demselben Browser zu gehen)
  • Benutzt keine HTTP-Seiten im Darknet, HTTPS only!
  • Nutzt den Tor Browser nicht auf Windows. Jedes Linux-System ist mit Abstand sicherer. Im Idealfall solltet ihr eine virtuelle Maschine verwenden. (So wie wir es in unserer Anleitung getan haben)
  • Löscht Cookies und lokal gespeicherte Daten von Webseiten regelmäßig
  • Benutzt den Tor Browser auf keinen Fall mit Google-Produkten. Cookies und andere Tracking-Snippets werden euch im Darknet ganz schnell de-anonymisieren
  • Klebt eure Webcam ab, ehe ihr in das Darknet geht. Ihr wisst nie, wer gerade zusieht 😉
  • Ändert auf keinen Fall die Fenstergröße des Tor-Browsers. Über den Browser Fingerprint (darunter fällt auch die Browser-Fenstergröße) lassen sich eure Sitzungen im Internet rekonstruieren und auf euch zurückverfolgen.

Fazit

Das Darknet hat sowohl gute, als auch seine schlechten Seiten. Wenn die einem gegebene Anonymität für das Gute genutzt wird, hat der große Bruder des Internets durchaus seine Daseinsberechtigung. Wofür das Darknet letztendlich genutzt wird, liegt an den Leuten, die im Darknet unterwegs sind.

Wir würden per se niemandem ausreden wollen, das Darknet zu besuchen. Wenn ihr achtsam genug seid, kann euch nichts passieren. Haltet euch an unsere Tipps und kauft am besten keine nuklearen Massenvernichtungswaffen, dann sollte auch nichts schiefgehen.

Was ist eure Meinung zum Darknet? Findet ihr es gut oder eher schlecht, dass so ein Ort existiert? Lasst es uns doch in den Kommentaren wissen.

 
 

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#Darknet

Entwurf zum #Darknet mit sehr weitreichender Providerhaftung: Es „entstehen [..] für Anbieter sozial wünschenswerter internetbasierter Leistungen beträchtliche Strafbarkeitsrisiken“

Am vergangenen Freitag hat der Bundesrat beschlossen, einen Gesetzentwurf einzubringen, durch den das Betreiben zugangsbeschränkter Handelsplattformen für illegale Waren und Dienstleistungen im Internet unter Strafe gestellt werden soll. Die neue Regelung soll es den Strafverfolgungsbehörden erleichtern, gegen kriminelle Machenschaften im sogenannten Darknetvorzugehen. Der Entwurf bestätigt eine bedenkliche Tendenz im IT-Strafrecht: Zunehmend werden gefährlich weite Regelungen geschaffen, deren praktischer Nutzen zweifelhaft ist.

Weitreichende Kriminalisierung internetbasierter Leistungen

Herzstück des Entwurfes ist ein neuer § 126a StGB, nach dem sich strafbar machen soll, wer „eine internetbasierte Leistung anbietet, deren Zugang und Erreichbarkeit durch besondere technische Vorkehrungen beschränkt und deren Zweck oder Tätigkeit darauf ausgerichtet ist, die Begehung von [bestimmten] rechtswidrigen Taten zu ermöglichen oder zu fördern”. Auch wenn eine Ausschussempfehlung, die diesen Tatbestand noch ausdehnen wollte,im Bundesrat keine Mehrheit fand, handelt es sich um eine weit gefasste Norm mit unklaren Konturen.

Das Anbieten einer zugangsbeschränkten internetbasierten Leistung erfasst dem Wortlaut nach auch zahlreiche sozialadäquate Handlungen. Als „internetbasierte Leistung“ lässt sich jeder elektronische Kommunikationsdienst begreifen, der Daten über das Internet überträgt und bestimmten Personen einen Nutzen stiftet. Bezogen auf Anonymisierungsnetzwerke, denen der Gesetzentwurf primär gilt, lässt sich dieser Begriff neben den innerhalb eines solchen Netzwerks angebotenen Leistungen auch auf das Netzwerk selbst beziehen, das im OSI-Modell auf der (obersten) Anwendungsschicht des Internet verortet ist. Eine „internetbasierte Leistung“ erbringt danach etwa, wer einen Knoten des Tor-Netzwerks betreibt. Die mögliche Kriminalisierung von Anonymisierungs- und Verschlüsselungsdiensten durch § 126a StGB-E wurde dementsprechend bereits kritisiert.

Die weitere Voraussetzung, dass der Leistungszugang durch besondere technische Vorkehrungen beschränkt ist, entlässt Plattformen im allgemein zugänglichen Internet aus der Strafbarkeit, trägt aber ansonsten nicht dazu bei, den Tatbestand auf strafwürdige Handlungen zu beschränken. So nennt der Gesetzentwurf bereits die Nutzung eines Tor-Browsers als ausreichende Zugangsbeschränkung. Dabei handelt es sich nicht um ein arkanes kriminelles Werkzeug. Der Zugang zu Handelsplattformen im Darknet ist über Tor-Browser auch ohne nennenswerte IT-Kenntnisse möglich. Dies erkennt auch die Gesetzesbegründung an. Die Handelsplattformen im Darknet böten „einen niedrigschwelligen Zugriff auf logistische Infrastrukturen für die Begehung von Straftaten auch für Personen, die herkömmliche Beschaffungswege für Waffen, Betäubungsmittel oder kriminelle Dienstleistungen nicht beschreiten.“

Eine angemessene Eingrenzung der Strafbarkeit kann demnach nur die Voraussetzung liefern, dass Zweck oder Tätigkeit der Leistungen darauf ausgerichtet ist, die Begehung bestimmter rechtswidriger Taten zu ermöglichen oder zu fördern. Diese Formulierung ist an § 129 Abs. 1 Satz 1 StGB angelehnt. Diese Norm bedroht die Gründung von oder Beteiligung an Vereinigungen mit Strafe, deren Zwecke oder Tätigkeiten auf die Begehung von Straftaten gerichtet sind. Hier wird die Voraussetzung der Ausrichtung so interpretiert, dass die Begehung von Straftaten der verbindlich festgelegte Zweck einer Vereinigung sein und einfest gefasster Wille hierzu bestehen muss. Nur unter diesen Voraussetzungen ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs die Vorverlagerung der Strafbarkeit durch § 129 StGB gerechtfertigt. Ein bloßes Bewusstsein, dass es zu Straftaten kommen könnte, reicht nicht aus.

Es ist allerdings unklar, ob sich diese engen Voraussetzungen auf § 126a StGB-E übertragen lassen. Denn dieser verlangt im Unterschied zu § 129 StGB nicht, dass die internetbasierte Leistung auf die Begehung von Straftaten ausgerichtet ist, sondern lediglich auf deren Ermöglichung oder Förderung. Der Anbieter muss also gerade nicht bezwecken, dass mithilfe seiner Plattform tatsächlich Straftaten begangen werden. Er muss lediglich zweckgerichtet ein Umfeld schaffen, in dem solche Straftaten naheliegen. Diese subtile Unterscheidung könnte sich als entscheidende Weichenstellung erweisen. Anbieter internetbasierter Leistungen könnten sich demnach schon wegen der von ihnen erkannten objektiven Eignung ihrer Angebote strafbar machen, kriminelles Verhalten zu fördern. Praktisch ist zu befürchten, dass eine solche objektive Affinität bei nahezu allen Diensten angenommen werden könnte, die über das Tor-Netzwerk erreichbar sind oder die dieses Netzwerk bereitstellen. Immerhin kam eine empirische Studie im Jahr 2016 zu dem Ergebnis, dass über die Hälfte der untersuchten Websites im Tor-Netzwerk illegale Angebote enthielten.

Die Begründung des Entwurfes liefert im Übrigen keine klaren Anhaltspunkte dafür, was die Ausrichtung zur Ermöglichung und Förderung von Straftaten erfordert und räumt der Praxis einen weiten Interpretationsspielraum ein. Die Prüfung habe „anhand des konkreten Einzelfalls zu erfolgen“ und sei „allgemein verbindlichen Kriterien nicht zugänglich“. Die Ausrichtung von Plattformen solle nach Indizien wie ihrem tatsächlichen Angebot, dem Umgang mit Hinweisen auf illegale Aktivitäten und den Vorgaben in ihren AGB festgestellt werden. Gerade der Gedanke, die Prüfung der AGB einer Darknet-Plattform könne zur Einordnung ihrer kriminellen Ausrichtung beitragen, erscheint allerdings wenig realitätsnah.

Vorverlagerung und strafrechtliche „Störerhaftung“

Durch seine weite Fassung soll der Straftatbestand laut der Entwurfsbegründung praktischen Problemen begegnen, Plattformbetreiber wegen Beihilfe (§ 27 StGB) zu Straftaten zu bestrafen, die über die Plattform begangen werden. Die Beihilfe sei oft nicht nachweisbar, „da die Haupttaten bilateral zwischen den Beteiligten über verschlüsselte Kommunikationskanäle abgewickelt werden“. Zudem seien bei „vielen Foren die Arten von Straftaten, die über sie abgewickelt werden sollen, zu Beginn nicht klar definiert.“ Es lässt sich allerdings darüber streiten, ob dies dem Vorliegen einer strafbaren Beihilfe entgegensteht. Der Bundesgerichtshof stellt besonders an den Vorsatz eines Gehilfen geringe Anforderungen und lässt es schon ausreichen, dass er „dem Täter ein entscheidendes Tatmittel willentlich an die Hand gibt und damit bewusst das Risiko erhöht, dass eine durch den Einsatz gerade dieses Mittels geförderte Haupttat verübt wird“. Wenn eine Plattform gezielt als Umschlagplatz für kriminelle Geschäfte konzipiert ist und sich eine Straftat nachweisen lässt, die über die Plattform abgewickelt wurde, wird darum zumindest eine Beihilfestrafbarkeit des Plattformbetreibers in aller Regel feststehen. Bei manchen Transaktionsstraftaten wie dem Handeltreiben mit Betäubungsmitteln oder Waffen kann das Vermitteln illegaler Transaktionen sogar bereits eine eigenständige täterschaftliche Tatbegehung darstellen.

Unabhängig davon geht § 126a StGB-E tatbestandlich weit darüber hinaus, Nachweisprobleme bei der Beihilfe zu beseitigen. Der vorgeschlagene Tatbestand führt zu einer massiven Vorverlagerung der Strafbarkeit, wie auch seine Nähe zu § 129 StGB zeigt. Das Anbieten der genannten internetbasierten Leistungen ist nach der geplanten Regelung unabhängig davon strafbar, ob eine rechtswidrige Haupttat überhaupt vorliegt. Es dürfte beispielsweise ausreichen, ein Diskussionsforum oder eine Vertriebsplattform mit einer hinreichenden Affinität zur Förderung von Straftaten im Darknet zu eröffnen, um den Tatbestand zu erfüllen. Der Betreiber und seine Unterstützer (wie etwa technische Dienstleister) könnten schon strafbar sein, bevor überhaupt ein kriminelles Geschäft über die Plattform geplant oder abgewickelt worden wäre oder sich auch nur jemand dort angemeldet hätte.

Eher als Nachweisprobleme bei der Beihilfe zu beseitigen, begründet § 126a StGB-E damit eine im IT-Strafrecht bisher beispiellose Vorfeldstrafbarkeit. In diese Richtung deutet auch die Behauptung der Begründung, dass „die historischen gesetzgeberischen Vorstellungen von Täterschaft und Teilnahme auf moderne, internetbasierte Täterstrukturen kaum übertragbar sind“. Diese Aussage ist angesichts des weiten Wortlauts und der weiten Auslegung von § 27 Abs. 1 StGB durch die Rechtsprechung einigermaßen erstaunlich, wenn sie auf bereits begangene Haupttaten bezogen wird. Sie ergibt aber Sinn, wenn die Strafbarkeit der Tatbegehung zuvorkommen soll.

Die weitere Feststellung der Gesetzesbegründung, dass Personen, die „nur für die Aufrechterhaltung und Wartung der technischen Infrastruktur oder die Administration nicht strafrechtlich relevanter Bereiche zuständig sind und glaubhaft versichern, keine Kenntnis von oder jedenfalls kein Interesse an den über das Forum abgeschlossenen oder angebahnten illegalen Verkaufstätigkeiten gehabt zu haben“, nicht wegen Beihilfe bestraft werden können, mag zutreffen. Allerdings ist auch zweifelhaft, ob sich solche Personen generell strafwürdig verhalten. Fragwürdig erscheint dies insbesondere, wenn eine größere Plattform wie ein Diskussionsforum oder eine Verkaufsbörse neben einzelnen strafrechtlich relevanten Segmenten primär legale Nutzungen ermöglicht. Wer sich an einer solchen Plattform technisch oder administrativ beteiligt und hinsichtlich der strafbaren Nutzungen lediglich mit Eventualvorsatz handelt, verhält sich kaum anders als viele Beschäftigte in herkömmlichen Wirtschaftszweigen, deren Verhalten gemeinhin als völlig legal angesehen wird. So käme wohl niemand auf die Idee, eine in einer Großkanzlei tätige Rechtsanwältin allein deshalb bestrafen zu wollen, weil sie an der Geschäftstätigkeit der Kanzlei mitwirkt und ihr bewusst ist, dass Kolleginnen und Kollegen in anderen Abteilungen an anderen Standorten und im Rahmen anderer Mandate zu Steuerhinterziehungen oder Geldwäschedelikten beitragen. Für leitende Angestellte in der Industrie ließen sich ähnliche Szenarien entwerfen. In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, dass Dienste wie das Tor-Netzwerk keineswegs nur zu kriminellen Zwecken genutzt werden, sondern auch sozial wünschenswerte Tätigkeiten ermöglichen – etwa im journalistischen oder humanitären Bereich.

Im Ergebnis führt § 126a StGB-E somit zu einer strafrechtlichen „Störerhaftung“, die primär den präventiven Zweck verfolgt, kriminelle Geschäftsmodelle im Darknet gar nicht erst entstehen zu lassen. Eine Würdigung des individuellen Verhaltens der handelnden Einzelpersonen wird demgegenüber weitgehend entbehrlich. Zu diesem Verständnis der geplanten Regelung passt einerseits die systematische Stellung im Rahmen der Straftaten gegen die öffentliche Ordnung (§§ 123 ff. StGB), andererseits die in der Entwurfsbegründung immer wieder vorgetragene Auffassung, dass Handelsplattformen im Darknet als Gefahr für die öffentliche Sicherheit anzusehen seien.

Neben der Strafbarkeit verlagert der geplante Straftatbestand schließlich auch den Anwendungsbereich der Ermittlungsermächtigungen des Strafprozessrechts vor. Aufgrund der Weite des Tatbestands wird sich ein Anfangsverdacht leicht annehmen lassen. Zudem soll das Anbieten von Leistungen zur Ermöglichung von Straftaten zukünftig im Falle seiner gewerbsmäßigen Begehung (§ 126a Abs. 3 StGB-E) auch die Möglichkeit zu Telekommunikationsüberwachungen eröffnen. Hierzu soll die Überwachungsermächtigung des § 100a StPO erweitert werden. Der für die Gewerbsmäßigkeit erforderliche Wille, sich durch wiederholtes Handeln eine fortlaufende Einnahmequelle von einiger Dauer und einigem Umfang zu verschaffen, wird bei den Anbietern internetbasierter Dienste regelmäßig vorliegen. Selbst wenn letztlich strafrechtliche Verurteilungen nach § 126a StGB-E selten bleiben sollten, könnte diese Ermittlungsfunktion des geplanten Tatbestands – wie häufig im strafrechtlichen Vorfeldrecht – praktisch erhebliche Bedeutung erlangen.

Vereinbarkeit mit höherrangigem Recht

Die weite Fassung des geplanten Straftatbestands und die potenzielle Kriminalisierung zahlreicher Anbieter von internetbasierten Dienstleistungen werfen die Frage auf, wie der Entwurf verfassungsrechtlich zu bewerten ist. Verletzt sein könnten sowohl das strafrechtliche Bestimmtheitsgebot (Art. 103 Abs. 2 GG) als auch die Grundrechte der Anbieterinnen insbesondere von gesellschaftlich nützlichen Leistungen wie etwa Anonymisierungsdiensten (Art. 12 Abs. 1 GG). Allerdings verfolgt das Bundesverfassungsgericht bei der Beurteilung strafrechtlicher Normen, selbst wenn sie vage formuliert sind oder ihr Ziel zweifelhaft erscheint, gegenüber dem Gesetzgeber seit langem eine sehr permissive Linie. Danach dürfte es Aufgabe der Strafverfolgungsbehörden und der Strafgerichte sein, die überschießenden Tendenzen des geplanten Tatbestands bei dessen Auslegung und Anwendung zu bewältigen. Abzuwarten ist, ob hier die für dieses Jahr angekündigte Entscheidung über die Verfassungsbeschwerde gegen den Straftatbestand der „Datenhehlerei“ (1 BvR 2821/16) zu neuen Erkenntnissen führen wird. Ähnlich wie § 126a StGB-E war auch § 202d StGB mit dem Ziel angetreten, Strafbarkeitslücken für den Handel über Plattformen im Darknet zu schließen, schoss aber in seiner Weite deutlich über das Ziel hinaus.

Wirksamere Grenzen für die präventive Indienstnahme des Strafrechts gegenüber den Anbietern internetbasierter Leistungen könnten sich aus dem Unionsrecht ergeben. Insbesondere stellt sich die Frage, ob der Entwurf nicht die von der E-Commerce-Richtlinie vorgegebenen und durch §§ 7 ff. TMG in deutsches Recht umgesetzten Haftungsprivilegien von Host- und Access-Providern aushebelt. Danach sind Provider nur unter qualifizierten Voraussetzungen für die von ihnen übermittelten oder gespeicherten Inhalte verantwortlich. Hingegen begründet § 126a StGB-E zumindest bei weiter Auslegung eine sehr weitreichende strafrechtliche Providerhaftung. Wie dieses Spannungsverhältnis aufzulösen ist, lässt der Entwurf im Dunkeln. Die Entwurfsbegründung erwähnt die Haftungsprivilegierungen des Telemedienrechts nicht einmal. Sie könnten jedoch wegen des Anwendungsvorrangs der E-Commerce-Richtlinie in der Praxis zur Folge haben, dass von der intendierten Vorverlagerung der Strafbarkeit im Ergebnis wenig übrigbleibt.

Fazit

Der Entwurf eines „Darknet-Tatbestandes“ fügt sich in einen allgemeinen Trend ein, das Strafrecht präventiv in Dienst zu nehmen, um kriminelle Bedrohungen möglichst schon im Keim zu ersticken. Neben den bereits klassischen Referenzfeldern des Terrorismus und der (herkömmlichen) organisierten Kriminalität zeigt sich dieser Trend gerade auch im IT-Strafrecht mittlerweile besonders deutlich, wie etwa der misslungene Tatbestand der Datenhehlerei (§ 202d StGB) und das Vorhaben einer ausufernden Strafbarkeit für den „digitalen Hausfriedensbruch“ belegen. Die präventive Nutzung des Strafrechts bringt extrem weit gefasste Deliktstatbestände mit sich, die erst im Prozess der Rechtsanwendung (hoffentlich) Konturen gewinnen werden – falls es denn überhaupt zu hinreichend vielen Verfahren kommt. Wird der Entwurf verabschiedet, entstehen zumindest auf absehbare Zeit für die Anbieter sozial wünschenswerter internetbasierter Leistungen beträchtliche Strafbarkeitsrisiken. Diese Risiken schaffen nicht nur individuelle Bedrängnisse, sondern können zudem technische und soziale Innovationen hemmen. Ob das Ziel einer möglichst lückenlosen Kriminalisierung derjenigen, die sich an kriminellen Transaktionen im Darknet beteiligen, den Preis solcher Kollateralschäden wert ist, erscheint höchst fragwürdig. Gerade wenn es um freiheitssichernde Angebote wie Verschlüsselungs- und Anonymisierungsdienste geht, sollte die Expansion des Strafrechts mit mehr Fingerspitzengefühl betrieben werden.

IT-Sicherheitsgesetz

IT-Sicherheitsgesetz: Schwere Strafen für Betrieb von Darknet-Foren und Doxxing

360 Tage Vorratsdatenspeicherung, breite Löschpflichten bei Datenleaks, drastische Verschärfung der Hackerparagrafen: Seehofers Rundumschlag hat es in sich.

IT-Sicherheitsgesetz 2.0: Seehofer will Betrieb von Darknet-Foren und Doxxing schwer bestrafen
(Bild: dpa, Silas Stein)

Horst Seehofer hat sich mit dem Referentenentwurf für ein „Zweites Gesetz zur Erhöhung der Sicherheit informationstechnischer Systeme“ viel vorgenommen: Der CSU-Politiker will nicht nur das Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zu einem mächtigen Akteur im Kampf gegen Botnetze, vernachlässigte Geräte im Internet der Dinge oder Verbreiter von Schadsoftware aufrüsten, sondern zugleich auch Hackeraktivitäten, das unbefugte Verbreiten persönlicher Informationen durch Dritte sowie den Betrieb illegaler Marktplätze im Darknet schwerer bestrafen beziehungsweise erstmals kriminalisieren.

Das Papier, das heise online im Original vorliegt und Netzpolitik.org veröffentlicht hat, umfasst zunächst eine umfassende Reform des BSI-Gesetzes. Dazu kommen weitreichende Änderungen am Strafgesetzbuch (StGB) und an der Strafprozessordnung (StPO). Auch sollen unter anderem das Telekommunikationsgesetz (TKG) und das Telemediengesetz punktuell überarbeitet werden.

Im StGB-Bereich wird unter anderem die taufrische Gesetzesinitiative aufgegriffen, mit der der Bundesrat einen neuen Straftatbestand für das Betreiben illegaler Darknet-Handelsplätze schaffen will, und deutlich erweitert. Unter Strafe gestellt werden soll „das Betreiben von auf die Förderung, Ermöglichung oder Erleichterung illegaler Zwecke ausgerichteten Plattformen unabhängig von dem Nachweis der Beteiligung an einzelnen konkreten Handelsgeschäften“. Maximal fünf Jahre Haft sollen drohen, während die Länder auf drei Jahre drängten.

Bis zu zehn Jahre Haft wären möglich, wenn jemand Dritten eine internetbasierte Leistung zum Begehen rechtswidriger Taten „gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande“ begeht. Dabei soll etwa auch der Betrieb eines „Bulletproof Hosters“ erfasst werden, „der keine eigenen Angebote online stellt, sondern lediglich den Speicherplatz und das Routing“ für kriminelle Dritte anbietet. Die Strafen seien berechtigt, heißt es in der Begründung, da Darknet-Angebote und vergleichbare, in der Regel anonym nutzbare Dienste „eine erhebliche Gefahr für die öffentliche Sicherheit“ sowie „den Nährboden weiter Bereiche des Cybercrime“ darstellten.

„Täter, die im Darknet ihren kriminellen Aktivitäten nachgehen, handeln häufig streng abgeschirmt“, schreibt das Ministerium weiter. „Vertrauen“ in die Geschäftspartner sei hier die zentrale Währung. Ermittler sollen daher mit einem neuen Paragrafen 163g StPO“ auch gegen den Willen des Inhabers auf Nutzerkonten“ oder Funktionen einer virtuellen Identität zugreifen und mit Dritten in Kontakt treten.

So könne die Kommunikation „unter den in der Szene bekannten Nicknamen der identifizierten Beschuldigten verdeckt fortgeführt werden“. Eine solche Nutzung übernommener Konten habe „gegenüber den Kommunikationspartnern keinen Eingriffscharakter“. Das Fernmeldegeheimnis schütze nicht „die Enttäuschung des personengebundenen Vertrauens“ in das Gegenüber, dass es sich bei diesem „ebenfalls um einen Straftäter“ handle.

Wer unbefugt sich oder einem Dritten Zugang zu einem IT-System etwa im Bereich kritischer Infrastrukturen (Kritis) verschafft, ein solches nutzt oder darauf etwa einen Datenverarbeitungsvorgang auslöst, soll laut dem neuen Paragraf 200e StGB mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr bestraft werden. Der „digitale Hausfriedensbruch“ lässt grüßen. Bis zu zehn Jahre Gefängnis drohen, wenn derlei oder andere illegale Hackeraktivitäten „für eine fremde Macht“, gewerbsmäßig oder in Form von Bandenkriminalität ausgeübt werden.

Dieses hohe Strafmaß soll auch gelten, wenn sich jemand „Daten, die den Kernbereich der privaten Lebensgestaltung einer anderen Person betreffen, in der Absicht verschafft, diese in einer Weise zu verbreiten oder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, die den Betroffenen „erhebliche Nachteile“ zufügen könnte. Der entsprechende Paragraf 202f ist als Reaktion auf das Massen-Doxxing zu sehen, das Politiker Anfang des Jahres erschütterte.

 

Weitere Informationen auf https://twitter.com/hashtag/Darknet?src=hash

Das DarKnet – Deepweb

Das Darknet .. Dunkel und geheimnisvoll. aber auch total frei. In diesem Beitrag mit allen Links muss man sich durchbeißen

Wie funktioniert das Deepweb, was ist legal und kann man da so cool chatten wie Neo in Matrix? Wir beantworten die wichtigsten Einsteigerfragen – ein für alle Mal.

Bild: Shutterstock

Auf das Darknet ist Verlass. Regelmäßig taucht es in den Schlagzeilen auf, gerne auch garniert mit schauerlichen Cyberspace-Symbolbildern oder irreführenden Metaphern, die das „dunkle Netz“ als untere Hälfte eines Eisbergs beschreiben. Meist geht es bei den Stories um Waffen- oder Drogenhandel, gelegentlich auch um Dissidenten und Whistleblower, denen das Darknet Schutz biete.

Doch mehr noch als Nachrichten von spektakulären Razzien gegen Darknet-Schwarzmärkte, interessieren die meisten Menschen noch immer die einfacheren Fragen: Das zeigt zumindest ein Blick in die Kommentarspalten unter den Artikeln, die häufig gegoogelten Fragen zum Thema oder auf die formschönen Posts zum Darknet, die sich auf Seiten wie Gute-Frage.net finden. Da dominieren Nachfragen wie „Wie komme ich ins Darknet?“, „Darknet – was ist das“, oder „Ist das Darknet verboten.

Doch nur weil die Fragen, simpel erscheinen, heißt es nicht, dass sie unwichtig sind. Im Gegenteil: Angesichts der gerne etwas hysterischen Debatten um das Deepweb, angesichts von Politikerforderungen vom „Trockenlegen“ des Darknets, ist Verständnis dafür wichtig, was das Deepweb überhaupt ist und wie es funktioniert. Daher haben wir uns hier einige der im Netz meistgestellten Fragen vorgenommen, um sie ein für alle Mal zu beantworten.

Wo findet man das Darknet eigentlich?

Viele Wege führen ins Darknet. Der bekannteste und komfortabelste ist der sogenannte Tor-Browser. Dabei wird bei dem Besuch einer Website im Tor-Netzwerk, wo alle Adressen auf .onion enden, die Anonymität des Besuchers gewahrt. Wie das? Während man sich zum Beispiel bei Google direkt mit dem Google-Server verbindet und so seine IP-Adresse für den Suchmaschinen-Betreiber offenlegt, wird man bei der Nutzung des Tor-Netzwerks über mindestens drei weitere Server, sogenannte Knoten, geleitet, bis man den Zielserver, also in unserem Fall Google, erreicht. So kann nicht mehr nachvollzogen werden, wer ursprünglich die Seite besuchen wollte und wie dessen IP-Adresse lautet. Den Tor-Browser kannst Du dir hier herunterladen.

Neben Tor gibt es auch andere Netzwerke, die die Adresse eines Besuchers durch mehrere Schichten verschlüsseln, wie zum Beispiel I2P. Auch dieses System funktioniert mit End-zu-End-Verschlüsselung und ist dem Tor-Browser nicht unähnlich. L2P ist allerdings bei weitem nicht so verbreitet wie Tor.

Was ist überhaupt der Unterschied zum Deepweb?

Der Begriff Darknet meint in der Regel jenen Teile des Internets, der nur über solche Anonymisierungstools wie den Tor-Browser aufgerufen werden kann. Oft meint der Begriff wegen seiner Konnotation auch jene ‚dunklen‘ Ecken des Darknets, auf denen mit illegalen Waren wie Waffen und Drogen gehandelt wird. Solche Darknet-Schwarzmärkte machen allerdings nur einen Teil des Darknets aus.

Das Deepweb ist dagegen der technischere und nüchternere Begriff, gleichzeitig ist die Bezeichnung aber auch weniger verbreitet. Der Begriff bezeichnet alle Internetinhalte, die nicht über Suchmaschinen auffindbar sind. Zum Deebweb gehören also auch reguläre Internet-Foren, die nur mit einem Passwort einsehbar sind, aber auch interne Netzwerke von Unternehmen oder jene Seiten, die mit hilfe von bestimmten Code-Zeilen verhindern, von Google indexiert zu werden.

Letztlich werden beide Begriff oft synonym und auch wenig trennscharf verwendet. Man könnte aber sagen, dass das Darknet Teil des Deepwebs ist, während Deepweb-Seiten nicht zwingend Teil des Darknets sind.

Ist es verboten, in das Darknet zu gehen?

Nein, generell ist es nicht verboten, im Darknet zu surfen – warum auch? Ein Beispiel, um es zu verdeutlichen: Es ist nicht verboten, in den Görlitzer Park zu gehen. Wenn du dort aber Gras oder andere Drogen kaufst, machst du dich strafbar.

Genauso ist es mit dem Surfen im Darknet: Generell darfst du natürlich im Darknet surfen. Der springende Punkt ist, was du dort treibst. Wenn Du dir aber zum Beispiel im Darknet Drogen bestellst, machst Du dich natürlich strafbar.

Wie kann ich denn jetzt Seiten im Darknet finden? Google gibt’s hier nicht

Das stimmt. Als Alternative gibt es zum Beispiel die Suchmaschine ‚Grams‘, die aber deutlich weniger umfangreich als Google ist. Grams funktioniert ähnlich wie sein Vorbild Google. Seitenbetreiber müssen allerdings der Suchmaschine erlauben, über eine Schnittstelle die Inhalte ihrer Seiten abzusuchen.

Ansonsten erhält man die Links zu Websites über Listen, die Links zu Darknetseiten enthalten. Das Problem: Viele Seiten im Darknet bleiben nicht sonderlich lange im Netz. Viele der Listen sind also nicht mehr aktuell. Ein guter Startpunkt ist allerdings das „Hidden Wiki“, das eine Liste mit einigen bekannten Seiten im Darknet bereitstellt.

Was ist, wenn man ganz zufällig auf einen Drogen-Marktplatz gestoßen ist und aus Versehen etwas gekauft hat. Kann man mich denn zurückverfolgen?

Generell schon, auch wenn es für die Behörden natürlich deutlich schwieriger ist, dich zurückzuverfolgen, wenn du im Darknet zum Beispiel über den Tor-Browser surfst. Warum? Weil du, wenn du alles richtig gemacht hast, fast komplett anonymisiert surfst. Meistens kommen die Behörden Kriminellen im Darknet durch Fehler, die die betreffende Person selbst gemacht hat, auf die Schliche. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten, wie die Behörden im Internet Kriminelle ermitteln. Dazu gehören unter anderem verdeckte Ermittler, die sich zum Beispiel als Waffenverkäufer ausgeben, oder auch, die Transaktionen mit der gängigen Kryptowährung Bitcoin nachzuverfolgen.

Und wenn ich doch erwischt werde? Ich hab ja nur ganz wenig bestellt…

Das macht letztlich erstmal keinen Unterschied. Um beim oben verwendeten Beispiel zu bleiben: Es ist im Prinzip die gleiche Straftat, ob du im Görlitzer Park ein Gramm oder ein Kilo Gras kaufst. Als die ‚Shiny Flakes‘-Kundenliste den zuständigen Ermittlern in die Hände fiel, waren dort einmalige Käufer ebenso aufgelistet wie Nutzer, die regelmäßig und in großen Mengen Drogen kauften. Allerdings ist der Umfang deiner illegalen Aktivitäten ausschlaggebend dafür, wie hoch deine Strafe ist.

Warum schaltet die Polizei das Darknet nicht einfach ab?

Das Darknet, und da gerade der bekannteste Darknet-Browser, ist vielen, vor allem autoritären, Staaten ein Dorn im Auge. Fraglich ist allerdings in Ländern wie Deutschland, wie sinnvoll die Abschaltung politisch gesehen in einer Demokratie wäre. Wenn man etwas gegen Drogenkriminalität in einer Stadt unternehmen will, nimmt man vermutlich Drogendealer fest, reißt aber nicht die Straßen ab, in denen sie wohnen.

Allerdings versuchen diktatorische Regime oft genug, den Zugang zum Darknet über die Tor-Struktur zu verhindern. Darauf ist das Netzwerk allerdings ausgerichtet, schließlich wird es unter anderem von Whistleblowern und politischen Aktivisten verwendet. Für solche Situationen hat Tor einige Möglichkeiten, trotz dieser Hürden den Zugang zum Netzwerk zu erhalten. So gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, einen anderen Einstiegspunkt wie die Amazon Cloud für das Tor-Netzwerk zu verwenden, der für Ermittler nicht mit dem Tor-Netzwerk in Verbindung gebracht wird. Um das Tor-Netzwerk zu zensieren, müsste man dann also zum Beispiel den Zugang zur Amazon Cloud komplett sperren. „Das überlegen sich Regierungen dann ganz genau, schließlich hängen wirtschaftliche Interessen an solchen Seiten“, erklärt der Tor-Aktivist Moritz Bartl, Gründer von Torservers.net.

Interviews mit Betreibern von Tor-Nodes: Das sind die Helden, die das Deepweb am Leben halten

Eine andere Möglichkeit wäre es, Druck auf die Betreiber des Tor-Netzwerks aufzubauen. 
Die Frage ist allerdings, ob sich nicht auch ohne diese bisherige Struktur immer neue Aktivisten finden würden, die das Tor-Netzwerk weiterführen würden. Aktivist Bartl ist sich sicher: „Es würde sich in letzter Konsequenz eine Abspaltung und Weiterentwicklung als „neue Herausgeber“ ergeben, weil Betreiber des Netzes unabhängig agieren.“ Durch die Open-Source-Struktur des Tor-Netzwerks kann jeder mit dem fachlichen Wissen nachvollziehen, wie die Verschlüsselung und Anonymisierung bei Tor funktioniert. Außerdem sind Dinge wie Verschlüsselung und Anonymisierung Konzepte, die öffentlich bekannt sind. Es wird wohl immer Personen geben, die deswegen versuchen werden, solche Konzepte in die Praxis umzusetzen. 

Kann ich im Darknet auch so cool chatten wie Neo in Matrix?

Die desillusionierende Antwort gleich vorweg: Nein, kann man nicht. Und das liegt nicht nur daran, dass es allgemein schwer ist, irgendwas so cool zu tun wie Neo. Der Grund hat eher etwas damit zu tun, wie Chat-Programme aufgebaut sind: Für gewöhnlich hat jeder Chat-Dienst oder Messenger ein visuelles Interface, also eine grafische Oberfläche („Graphical user interface oder GUI“), die einem anzeigt, dass man sich gerade in dem Programm befindet. Das ist im Darknet wie im Clearnet so. Ein solches Interface kann beispielsweise das Feld sein, in dem du chattest, oder das Fenster deines Messenger-Dienstes. 

Im Matrix-Film dagegen sieht das anders aus: Als Morpheus den schlafenden Neo anschreibt, gibt es kein GUI, die Buchstaben „Wake up, Neo…“ erscheinen wie von Geisterhand in einem schwarzen, leeren Bildschirm.

Wer bei der fehlenden grafischen Oberfläche vom Neo-Chat nun an Kommandozeilen („Command-line interface“ ­­oder CLI) denkt, die recht verbreitet sind bei Codern und Hackern, liegt nicht völlig falsch. Denn die CLI sind grafisch in der Tat in der Commodore-Ära steckengeblieben, was aber nicht weiter schlimm ist, da man sich beim CLI nur mit Computerprogrammen unterhält und Befehle formuliert.

Dennoch gibt es aktuell wohl kein CLI auf dem Markt, das grafisch so minimalistisch ist wie das Interface im Film (letztlich sieht man immer irgendwelche Befehlszeilen und Code-Schnipsel). Diese gilt zumindest innerhalb der Matrix, soweit wir das beurteilen können. Denn was außerhalb davon stattfindet können wir, in conclusio, selbstverständlich nicht wissen, bis ..naja..bis wir auch endlich aufgeweckt werden.

Wenn ich etwas, was eigentlich legal ist, im Darknet kaufe. Ist das dann illegal?

Wer im Darknet illegale Ware kauft, macht sich genau wie im gewöhnlichen Internet strafbar, das ist klar. Wie sieht die Lage aber aus, wenn man etwas legales im Darknet kauft? 

Generell sei das nicht verboten, sagt der Rechtsanwalt Norman Buse, der sich auf IT-Recht spezialisiert hat, gegenüber Motherboard. Anders sieht es allerdings dann aus, wenn die Ware zwar keine Drogen sind, sondern an sich legale Produkte, aber offensichtlich aus einer Straftat stammen: „Dann kommt eine Strafbarkeit wegen Hehlerei gemäß des Paragraphs 259 im Strafgesetzbuch in Betracht“. Doch, wenn man es genau nimmt, könnte es auch beim Kauf legaler Produkte im Darknet noch ein weiteres Problem geben: Die fehlende Mehrwertsteuer, die für gewöhnlich bei Deals im Deepweb nicht abgeführt wird.

Doch die Mehrwertsteuer ist erst einmal nicht das Problem des Kunden, sondern des Verkäufers, der sich dadurch strafbar machen könnte. Unter bestimmten Umständen könnte es jedoch auch für den Käufer brenzlig werden. Nämlich dann „wenn der Käufer dem Verkäufer vorsätzlich Beihilfe zur Steuerhinterziehung leistet“, wie uns der Anwalt Norman Buse, der sich auf IT-Recht spezialisiert hat, erklärt. Auch könnte der Käufer wegen Steuerhehlerei angeklagt werden.

Allerdings sind bei beiden Straftaten die Hürden sehr hoch. Es „müssen viele Voraussetzungen erfüllt sein, damit man sich überhaupt strafbar macht“, so der Anwalt. Der Kauf an sich reicht nicht aus, um den Tatbestand des „Vorsatz“ zu erfüllen. Vielmehr müsse man bewusst etwas deswegen gekauft haben, um dem Käufer bei der Steuerhinterziehung zu unterstütze, so Buse. 

Speziell bei Steuerhehlerei kommt noch eine weitere Voraussetzung hinzu: Wer Dinge kauft, auf die eigentlich Zoll- oder andere Ausfuhr- und Einfuhrabgaben zu leisten sind, macht sich strafbar.

Allerdings ist es auch dann noch unwahrscheinlich, dass man verfolgt wird. So ist es zum Beispiel bei dem Kauf von bis zu tausend unverzollten Zigaretten so, dass der Straftatbestand „Steuerhehlerei“ keine Anwendung findet, sondern dieses Vergehen lediglich als Ordnungswidrigkeit gewertet wird.