828 kHz während der Maker Faire 2019

 In diesem Jahr findet die 7. Maker Faire Hannover auf dem Gelände des HCC (Hannover Congress Centrum) statt. Die Funkamateure des OV H13 sind von Anfang an dabei und präsentieren den Amateurfunk auf diesem Fest für Kreative, Bastler und Künstler.

Die OMs Chris DL1CR, Ben DK6OT und Jürgen DF9OA beschäftigen sich seit einiger Zeit mit AFU auf der Mittelwelle 630 m. Dabei kam die Idee auf, die QRG 828 kHz für die Maker Faire im Rahmen eines „Veranstaltungsrundfunks“ zu aktivieren. Die Frequenzwahl ist kein Zufall, denn bis Anfang 2015 wurde dort das Programm von NDR-Info spezial vom Sender Hemmingen ausgestrahlt. Die Funkamateure aus Hannover haben die Abschaltung des Senders am 13.1.2015 mit einer „Trauerfeier“ begleitet. Ein YouTube-Video ist unter dem Stichwort „Abschied vom Sender Hemmingen 828 kHz“ zu finden.
Mit normalen Mittelwellen-Empfängern können die Besucher der Faire auf dieser QRG erneut Rundfunk hören.
Um diese AM-Rundfunkfrequenz zu nutzen, bedarf es zunächst der Genehmigung der zuständigen Landesmedienanstalt (hier: NLM), und danach kann die (temporäre) Zuteilung durch die BNetzA folgen. Beide Behörden standen unserem Anliegen sehr wohlwollend gegenüber. Die NLM hat die Genehmigung sogar kostenfrei erteilt. Die BNetzA hat hier jedoch keinen Spielraum und muss eine Gebühr in Höhe von 450 € erheben. Das wäre selbst für einen recht großen OV wie dem H13 zu viel. Der Veranstalter der Maker Faire, der Heise-Verlag, hat sich jedoch offen für dieses Projekt gezeigt und diese Kosten übernommen. Für den OV H13 bleiben dann „nur“ die Ausgaben für die Sendetechnik. Etwas enttäuscht waren die Organisatoren im Verlag als sie in einem Vorgespräch erfahren haben, dass die Aussendung auf den unmittelbaren Bereich der Veranstaltung beschränkt bleiben muss. So schreibt es die BNetzA in ihrer Genehmigungsurkunde vor. Man hat sich seitens des Verlages vorgestellt, einen großen Teil Niedersachsens zu erreichen. Das ist jedoch mit der gestatteten ERP von 100 mW – zumal tagsüber – ausgeschlossen. Da wir vom HCC großzügig unterstützt werden, und eine ca. 60m lange Antenne in beachtlicher Höhe aufbauen können, sind wir gespannt, wie groß die Reichweite auch mit kleiner Leistung tatsächlich werden kann. Annahmen über den Antennenwirkungsgrad sind mit großen Unsicherheiten behaftet. Auch ist unklar, inwieweit die Feldstärke ausreicht, um innerhalb der Gebäude das vorhandene große Störpotential zu überwinden. Das ist für uns alle Neuland.
Die Sendetechnik ist um einen Direct Digital Syntheziser (DDS) vom Typ AD9850 herum aufgebaut. Ein Arduino steuert alles, ein Mikrofon-Eingang mit Kompressor und ein MP3-Modul für das Pausenzeichen liefern das Modulationssignal. Eine 10W-PA mit Oberwellenfilter und Anpassmitteln wird (hoffentlich) die erlaubten 100 mW ERP erreichen. Dazu kommt noch eine Modulationskontrolle und ein Antennenstrommessgerät.
Inhaltlich ist geplant, die Aussteller auf der Faire und deren Angebot vorzustellen. Es werden Live-Interviews mit Besuchern geführt und im Vorfeld sollen diverse Politiker Grußworte sprechen, die in das laufende Programm eingestreut werden. Daneben wird der Heise-Verlag eigene Beiträge liefern. Wir haben mit Gabriela Blinde (Schwester von OM Tom, DO4TBH) eine erfahrene Moderatorin gewinnen können, die das Programm gestalten wird.
Als kleines Highlight haben sich unsere Techniker, Chris, Ben und Jürgen ausgedacht, den Träger um +- 100Hz mit CW-Signalen umzutasten. Das ist mit einem normalen AM-Empfänger nicht zu hören, stört also nicht. Wer jedoch einen ordentlichen AFU-RX hat und die Empfangs-QRG und die Bandbreite korrekt einstellt, kann das CW hören. Das Signal (sprich: Taste gedrückt) wird auf 828 kHz + 100 Hz gesendet. 828 kHz – 100 Hz stellt dann die Pause dar. Normalerweise schreibt die BNetzA eine Frequenzkonstanz des Trägers von +- 10 Hz vor. Der Bitte, das auf +-100 Hz auszudehnen, um die CW-Sendung zu ermöglichen, wurde unbürokratisch nachgekommen.
Wir werden den Sender auch in der Nacht vom 17. auf den 18. August und vermutlich ebenso in der Nacht vom 18. auf den 19. August durchlaufen lassen und sind auf Empfangsberichte gespannt!
Der Aufbau der Antenne wird am 12. 8. erfolgen und erste Tests und Optimierungen werden ab dann vorgenommen.
Quelle: Matthias Wendt, DL9MWE
 
Zu erwartende Reichweiten

Gestützt auf unsere Erfahrungen auf 630m im Amateurband gehen wir von folgenden Reichweiten aus:

AM Aussendung ca. 3km (Taschenempfänger) bis 20km (Langdraht) bei ungestörtem Empfang am Tage, nachts weniger durch „Störung“ durch engl. Lokalstationen (120W) und durch Radio St. Petersburg (10kW)

CW nachts über 100km, wenn die Frequenzumtastung trotz Überlagerung durchkommt.

Empfangsberichte sind sehr willkommen!

Pausenzeichen der geplanten Aussendung

https://youtu.be/3UrnGWDxwco

CW Signal durch Frequenzumtastung, auch hörbar in AM durch Überlagerung mit anderen Sendern
https://youtu.be/WmW5eyIxiQ8

 
 

 

MW Band

Viele von uns kennen die Mittelwelle nur als den Rundfunkbereich von 525 bis 1605 kHz. Der Bereich unterhalb davon war lange Zeit die Domäne des Seefunks und der Navigationsbaken für Flugzeuge und Schiffe. Seitdem der Seefunk vor einigen Jahren vom Tastfunk auf modernere Funkverfahren umgestiegen ist und auch Flugzeuge zunehmend Satelliten zur Navigation nutzen, sind weite Bereiche des unteren Mittelwellenbereiches ungenutzt. Auf der letzten Weltfunkverwaltungskonferenz in Genf wurde dem Amateurfunkdienst der kleiner Mittelwellenbereich von 472 bis 479 kHz zugeteilt.

Was ist erreichbar?

Was ist nun mit dieser winzigen Strahlungsleistung erreichbar? Einige von uns waren schon vor Jahren neugierig darauf, Erfahrungen auf der Mittelwelle zu sammeln und baten unsere Genehmigungsbehörden um die Freigabe einzelner Frequenzen. Einige Verwaltungen, so z. B. Großbritannien oder die Niederlande gaben kleine Frequenzbereiche um 502 kHz für den Amateurfunkdienst frei, in anderen Ländern wie USA, Kanada oder in Deutschland wurden sogenannte Versuchsfunkgenehmigungen zu Ausbreitungsversuchen erteilt. Walter, DJ2LF in Erlangen erhielt 2005 von der Bundesnetzagentur die erste deutsche Versuchsfunkgenehmigung für Mittelwelle mit dem Rufzeichen DI2AG, meine eigene Genehmigung für 440,0 und 505,1 kHz mit dem Rufzeichen DI2BO sowie einige weitere DI-Lizenzen folgten wenig später. 

Mit relativ einfachen Antennen, z. B. einer 17m hohen Vertikalantenne und 100 Watt Ausgangsleistung gelingen CW-Verbindungen über einige 100 km sogar tagsüber, nachts sind auch 1000 km oder mehr möglich, besonders im Winter. Einige der handelsüblichen Amateurfunktransceiver haben bereits recht gute Empfangseigenschaften bei 500 kHz, andere Empfänger sind durch die starken Signale im benachbarten Rundfunkband überfordert und brauchen eine Vorselektion, wieder andere benötigen eine selektive Vorverstärkung. Auch Konverter sind beliebt.  

CW, QRSS, WSPR und Co.

Für normale Telegrafie ist ein gutes Gehör Voraussetzung, da die Signale nie sonderlich stark sind. Computerunterstuetzte Sendeverfahren wie extrem langsame Telegrafie (QRSS), WSPR oder OPERA erlauben auch dann noch Empfang, wenn das Signal bereits weit im Rauschen verschwunden ist. Damit sind bei guten Bedingungen auch Transatlantik-Verbindungen oder QSOs um den halben Erdball herum möglich. Das bewiesen Steve McDonald, VE7SL, in British Columbia / Kanada und Roger Crofts, VK4YB, in Queensland / Australien – den beiden gelang eine Verbindung in JT9 über 7000 Meilen, das sind etwa 11250 Kilometer. Das QSO fand am 15. September 2016 zwischen 1225 und 1319 UTC statt, und zwar auf der Frequenz 475,300 kHz.

Wer sich für die digitalen Betriebsarten interessiert, findet ausführliche Informationen im Internet (z. B. [1] bis [4). Hier gibt es auch Interessengruppen, die sich speziell mit Lang- und Mittelwellenamateurfunk befassen (z. B. [5] und [6]).

Mittelwelle für Experimentierfreudige – und Nostalgiker

Genau wie die Langwelle ist auch der Mittelwellenbereich vor allem eine Domäne des Experimentierens und des Selbstbaus. Neuerdings gibt es einen kompletten Senderbausatz aus Finnland zu kaufen ([7]) aber ansonsten bleibt anzuwarten, ob die Nachfrage nach Mittelwellengeräten für die Amateurfunkindustrie attraktiv genug ist, um fertige Geräte auf dem Markt zu bringen. Einige KW-Amateurfunktransceiver liefern auch auf 500 kHz noch ein wenige Milliwatt starkes Signal, so daß lediglich der Bau einer Endstufe erforderlich ist, ansonsten gibt es auch einfache Bauanleitungen für Transverter. Besonders Funkamateure an unseren Küsten sollten auf Flohmärkten Ausschau halten nach ausgedienten Seefunksendern. Jedes Handels- und Passagierschiff war vor einigen Jahren noch mit mindestens zwei dieser robusten 500 kHz-CW-Sendern ausgerüstet, von denen heute vielleicht viele irgendwo darauf warten, wieder in Betrieb gesetzt zu werden. 

Das neue Mittelwellenband wird sicher kein Band für Funkamateure, die dem Selbstbau nichts abgewinnen können. Für diejenigen unter uns, die Spaß am Experimentieren haben oder mit nostalgischen Gefühlen ein altes Seefunkgerät wieder zum Leben erwecken wollen, ist das Band wunderbar geeignet. Ein Erfolgserlebnis ist hier eher wahrscheinlich als auf Langwelle, da auch mit relativ wenig Platzbedarf Antennen möglich sind, die normale CW-Verbindungen innerhalb Europas erlauben.