Mächtig und vergessen

Mächtig und vergessen

„The Mighty KBC“ auf 9400 kHz

Weitgehend vergessen zu sein scheint in Deutschland das Kurzwellenprogramm von „The Mighty KBC“, seit 2016 dessen regelmäßige Ausstrahlung im 49-Meterband entfiel. Von den erneuten, 2017 auf einer anderen Frequenz gestarteten Sendungen wird, zumindest den Foren im Internet nach zu urteilen, keine Notiz mehr genommen.

Kostinbrod
Kostinbrod (Foto: Kiril Kapustin, imagesfrombulgaria.com)

Diese Sendungen kommen jeweils am Sonnabend von 17.00 bis 18.00 Uhr MESZ auf 9400 kHz. Genutzt wird dafür die Sendestation Kostinbrod bei Sofia.
 

„The Mighty KBC“ ist das Produkt des Enthusiasmus eines niederländischen Unternehmers. Zielgruppe sind die Fans der einstigen Seepiraten.

Auf Kurzwelle erschien „The Mighty KBC“ erstmals 2006 aus Sitkūnai bei Kaunas. 2008 entfielen die Übertragungen von dieser Sendestation (sie wurde 2017 endgültig stillgelegt) wieder.

 
 
Sender Sitkūnai
Sender Sitkūnai | © „Vilensija“, CC-BY-SA
 

Aus den Niederlanden selbst sendete „The Mighty KBC“ ab 2005 auf der Mittelwelle 1395 kHz. Der hier eingesetzte Sender stand auf dem Deich zwischen Ijssel- und Markermeer; er wurde ursprünglich ab 2001 von BNR Nieuws Radio, 2003/2004 dann von Radio 10 bespielt.

Zunächst teilte „The Mighty KBC“ sich diese Mittelwelle mit „Big L“, einem britischen Seepiraten-Nostalgieprojekt, das 2008 verschwand. Allein konnte „The Mighty KBC“ den Sender auf Dauer nicht finanzieren; er wurde Anfang 2011 stillgelegt und kurz danach demontiert.
 

Aufgeben war für diesen Enthusiasten indes keine Option, und so gab es im Sommer 2011 Versuchssendungen aus Burg bei Magdeburg. Dort war, als Relikt gescheiterter deutscher Mittelwellenprojekte, noch ein 10 kW starker Sender für die Frequenz 531 kHz vorhanden.

Wie die Sendeversuche zeigten, war diese Leistung aber zu gering, um auch außerhalb der Region einen brauchbaren – selbst für die geringen Ansprüche einer Seepiratennostalgie – Empfang zu liefern. Der Ansatz wurde daher nicht weiter verfolgt.

 
Sender Burg
Sendestation Burg bei Magdeburg, 2005 noch vollständig mit allen Antennen | © Kai Ludwig
 

Die so hergestellte Zusammenarbeit mit der Media Broadcast mündete dafür in eine andere Lösung: Regelmäßige Ausstrahlungen im 49-Meterband der Kurzwelle, und zwar auf 6095 kHz, zuvor die letzte Frequenz, die RTL in Luxemburg hier genutzt hatte.

Diese Sendungen begannen im Herbst 2011 auf der seinerzeit noch existierenden Großanlage Wertachtal bei Buchloe. Nach deren Abschaltung übernahm die Sendestation Nauen die Ausstrahlungen auf 6095 kHz.

Zu besonderer Popularität kam dadurch die „dreh- und schwenkbare“ Antenne aus dem Jahre 1964, die nach der Schließung von Radio Berlin International noch bis 2000 von der Deutschen Welle genutzt wurde. Seit 2006 gibt es mit verhältnismäßig modernen, vom geschlossenen Standort Jülich umgesetzten Sendern erneut Ausstrahlungen über diese Antenne.

 
Als Prunkstück des DDR-Rundfunks wurde die „DuS“-Antenne in Nauen 1970 zum Motiv einer Briefmarke
 

In ihrer Glanzzeit liefen die Ausstrahlungen auf 6095 kHz täglich. Sonnabends und sonntags sendete „The Mighty KBC“ hier nicht weniger als jeweils sieben Stunden.

An Arbeitstagen kam für jeweils zwei Stunden „Transportradio“, ein Format für Lkw-Fahrer, das zuvor unter dem Titel „Onderweg“ bei Radio Nederland Wereldomroep lief. 2012 wurde der niederländische „Weltrundfunk“ radikal auf ein Restportal im Internet zusammengekürzt und war binnen kürzester Zeit vergessen.

 
Onderweg
2008: Studio 5 von RNW, das als solches nach einer Entkernung des Gebäudes ebenfalls nicht mehr existiert | © Nadori, CC
 

2015 verschwand „Transportradio“ wieder von der Kurzwelle. Die regelmäßigen Ausstrahlungen von „The Mighty KBC“ auf 6095 kHz folgten 2016. Danach sollte es hier noch einzelne Sondersendungen geben. Dies geschah im Mai 2017 wohl letztmals.

Das bedeutete allerdings keinen Abschied aus Nauen. „The Mighty KBC“ sendet von hier aus weiterhin für Nordamerika und ließ sich auch nicht von einschlägiger Lobbyarbeit dafür begeistern, doch lieber auf die Dienste von Kurzwellenstationen in den USA zurückzugreifen.

Bei diesen Sendungen nach Nordamerika kommt es zwischen Sommer- und Wintersaison zu Frequenzwechseln. Derzeit läuft die Ausstrahlung (sie ist in Europa nur schwach oder überhaupt nicht zu empfangen) in den Nächten zu Sonntag von 2.00 bis 4.00 Uhr MESZ auf 9925 kHz.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 14.04.2018

Hintergründe zur Sendeanlage Wertachtal

Hintergründe zur Sendeanlage Wertachtal

Vorhangantennen der Sendeanlage Wertachtal (Foto: Andreas Volk)

Eine kurz nach 1990 veröffentlichte Ausarbeitung vermittelt weitere Hintergründe zur vor dem Abbruch stehenden Sendeanlage Wertachtal.

Demnach begannen 1962 die Planungen für eine neue Sendestation der Deutschen Welle. Sie sollte über zunächst acht Sender mit jeweils 500 kW und eine Antennenanlage für Abstrahlungen in alle Himmelsrichtungen verfügen, wobei gefordert war, sowohl ein Programm gleichzeitig in mehrere Zielgebiete als auch mehrere Programme gleichzeitig in ein Zielgebiet senden zu können. Damit waren rund 70 Antennen zu errichten, die eine gute Leitfähigkeit des Erdbodens und ein auf 500 Meter hin freies Vorfeld benötigten.

Die Suche nach einem ausreichend großen, den Anforderungen entsprechenden Grundstück blieb über Jahre erfolglos. Der ursprüngliche Wunsch, wie schon die Sendestation Jülich auch die neue Sendeanlage in nicht allzu großer Entfernung vom Studiostandort Köln aufzubauen, ließ sich nicht mehr durchhalten. In den Vordergrund rückten damit auch die besonderen Bedingungen von Sendungen nach Nordamerika und Fernost, für die ein möglichst weit im Süden liegender Standort vorteilhaft war.

Bei der Untersuchung von rund 50 möglichen Standorten kristallisierte sich zunächst ein Gelände im Illertal bei Memmingen heraus. Eine als „sehr aktiv“ beschriebene Bürgerinitiative verhinderte jedoch den Kauf des Grundstücks durch die Deutsche Bundespost.

Erst 1968 gelang es der Bundespost, den letztlich genutzten, 187 Hektar großen „Pisterhof“ zu erwerben. Mit weiteren Zukäufen in dessen Umgebung konnte der für die Antennen benötigte Platz gewonnen werden.

Zu einem Politikum entwickelte sich die Bezeichnung der Sendestation. Ursprünglich wollte die Deutsche Bundespost wie üblich den Namen der nächsten größeren Stadt verwenden und die Anlage unter „Mindelheim“ führen. Dies wurde von den umliegenden Gemeinden jedoch nicht akzeptiert.

Man einigte sich schließlich auf den heute bei der Bildung von Großgemeinden allgegenwärtigen Weg, auf den Namen eines in der Nähe verlaufenden Flusses zurückzugreifen. Somit erhielt die Sendeanlage die Bezeichnung „Wertachtal“. Ihr Grundstein wurde am 26. August 1969 gelegt, dem 40. Jahrestag des deutschen Kurzwellenrundfunks.

In der Mitte des Grundstücks entstand auf einer Fläche mit 300 Meter Durchmesser das Betriebsgebäude mit zwei jeweils 1000 Quadratmeter großen Sälen, die zum Einbau von jeweils sechs Sendern vorgesehen waren, und dem Antennenwahlschalter. Die Antennen wurden, wie es schon auf der (1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht vernichteten) Sendestation Zeesen der Fall war, in drei von den Gebäuden ausgehenden Armen errichtet.

Diese Antennenarme sind nach Norden 1,3, nach Südosten 1,9 und nach Südwesten 1,0 km lang. Die Umzäunung des gesamten Geländes hat eine Länge von 10 km.

Nach dem Erwerb des Grundstücks gab die Bundespost bei der Firma Telefunken umgehend neun Sender in Auftrag. Gefordert wurde dabei eine automatische Abstimmung, was eine völlige Neuentwicklung nach sich zog. Eine besondere Herausforderung war dies durch den ursprünglich nicht eingeplanten Zeitdruck, die Anlage zu den Olympischen Spielen in München in Betrieb zu nehmen, wie es analog auch schon 1936 bei der Sendestation Zeesen der Fall war.

Es gelang Telefunken, den ersten der neuartigen Sender bereits im Mai 1971 zu liefern, kurz darauf auch den zweiten. Nach deren Aufbau begann im April 1972 der Probebetrieb, dem am 12. Juni 1972 die offizielle Einweihung der Sendestation folgte. Im einzelnen in Betrieb genommen wurden die ersten fünf Sender am 11. April, 12. April, 8. Juli, 24. Juli und 7. August 1972, gefolgt von weiteren vier Sendern am 24. Mai, 11. Juni, 25. September und 6. November 1974.

In den Sendersälen wurden in einer Reihe die Hochfrequenz- und Modulationsverstärkerteile und dahinter die Stromversorgungsteile der Sender aufgebaut. Die Hochspannungs- und Modulationstransformatoren, Siebmittel und Kühleinrichtungen fanden ihren Platz in Nebenräumen. Die anodenmodulierten Endstufen arbeiteten mit jeweils zwei siedegekühlten Tetroden in Metallkeramiktechnik, ihre Schwingkreise waren aus wassergekühlten Variometern mit 1,4 Meter Durchmesser aufgebaut.

Die automatische Einstellung der Sender auf die jeweilige Frequenz lief in vier Schritten ab: Grobabstimmung der Induktivität ohne Leistung; Feinabstimmung des variablen Vakuumkondensators; nochmaliger Abstimmschritt bei voll aufgeschalteter Leistung; Zuschaltung der Modulation. Der gesamte Vorgang nahm nicht mehr als 10 bis 60 Sekunden (abhängig davon, wie groß der Unterschied zur vorher eingestellten Frequenz war) in Anspruch.

Dieser sich bei jedem Sender täglich bis zu 20 Mal wiederholende Vorgang sowie die Anschaltung der jeweiligen Modulationsleitung und Antenne wurden von einer rechnerbasierten Anlagensteuerung automatisch angestoßen. Dadurch konnte ein Techniker den Betrieb der neun Sender allein regeln.

Zur Anschaltung der Antennen wurde eigens ein neues, mit Druckluft gefülltes Koaxialkabel mit 25 cm Durchmesser entwickelt. Die längste Verbindung zu einer Antenne beläuft sich auf 1,9 km, die Gesamtlänge der verlegten Koaxialkabel auf 53 km. Die Forderung, möglichst jeden der neun Sender mit jeder der 74 Antennen verbinden zu können, realisierte eine acht Meter hohe, über zwei Stockwerke reichende Schaltermatrix; in dieser ersten Ausbaustufe mit 600 Schaltelementen.

Der ursprünglich in Jülich aufgebaute Antennentyp mit umschaltbarer Abstrahlrichtung genügte den an die neue Sendeanlage gestellten Anforderungen nicht mehr. Vorgesehen wurden daher Antennen mit Mittenreflektoren und getrennten, beiderseitigen Dipolwänden, die zur Erzielung einer großen Bandbreite in Reusenform ausgeführt sind.

Diese beiden Seiten einer Vorhangantenne konnten, sofern ein ausreichend großer Frequenzabstand eingehalten wurde, gleichzeitig betrieben werden. Für zusätzliche Flexibilität sorgten Schielschalter, mit denen die Abstrahlrichtung in beide Richtungen um 15 oder 30 Grad geschwenkt werden konnte.

Als Träger dieser Antennen der ersten Ausbaustufe entstanden 25 Fachwerktürme mit Höhen zwischen 26 und 123 Meter. Die Antennenvorhänge wurden an Seilen über Rollen mit Gegengewichten und Seilwinden geführt. Auf diese Weise konnten sie herabgelassen und so Zerstörungen bei Sturm und Eisansatz verhütet werden.

Im einzelnen handelte es sich in dieser ersten Ausbaustufe um 52 Antennen für Fernsendungen (davon 24 Dreiband- und 28 Zweibandantennen) sowie 11 ebenfalls als Zweibandantenne ausgeführte Dipolzeilen für nähere Zielgebiete. Lieferant war die Mannheimer Filiale der damaligen Schweizer Firma BBC.

Neben den Vorhangantennen entstanden fünf logarithmisch-periodische Antennen mit ebenfalls horizontaler Polarisation, die aus jeweils zwei nebeneinander aufgebauten Strahlern mit jeweils 26 Dipolen bestehen. Diese von Telefunken gelieferten Antennen wurden ebenfalls mit Schielschaltungen, hier um +/- 20 Grad, ausgerüstet und waren für Sendungen in bis zu 2000 km entfernte Zielgebiete bestimmt.

Für Rundstrahlsendungen in noch nähere Zielgebiete wurden sechs wiederum von BBC gelieferte Quadrantantennen aufgebaut. Sie bestehen aus jeweils einem Reusendipol für jeweils zwei benachbarte Frequenzbänder, dessen beide Schenkel um 90 Grad gegeneinander abgeknickt sind.

Von den neun Sendern der ersten Ausbaustufe wurden acht der Deutschen Welle zur ständigen Nutzung überlassen. Der neunte Sender blieb als Reserve reserviert, er kam bei Wartungen und Reparaturen zum Einsatz. Auf diese Weise konnte eine Verfügbarkeit von 99 Prozent erreicht werden, obwohl die einzelnen Sender täglich mehr als 20 Stunden in Betrieb waren. Wegen des großen Programmvolumens der Deutschen Welle, das sich schon 1967 auf wöchentlich 600 Stunden in 34 Sprachen belief, wurde 1982 noch ein zusätzlicher Sender als neunter Betriebssender eingebaut.

Zu einem unerwarteten weiteren Ausbau der Sendestation kam es Mitte der 80er Jahre. Die Voice of America trat mit dem Wunsch an die deutsche Seite heran, die noch von 1941/1942 stammenden Kurzwellensender auf der Sendestation des Bayerischen Rundfunks in Ismaning durch eine Mitnutzung der Sendeanlage Wertachtal abzulösen.

Dort wären zwar nur noch zwei der ursprünglich konzipierten Senderplätze verfügbar gewesen. Eine Lösung bot hier jedoch der inzwischen von Telefunken entwickelte neue Sendertyp mit Pulsdauermodulation (Typbezeichnung, bezogen auf die Kurzwellenvariante mit 500 kW, S 4005), der deutlich kompakter als die vorherige, anodenmodulierte Generation (Typbezeichnung SV 2500) war.

Somit konnten in den vorhandenen Räumen fünf Sender des neuen Typs eingebaut werden, von denen vier als Betriebssender und einer als weiterer Reservesender vorgesehen waren. Für die Ausstrahlungen der Voice of America, die sich auf die Zielgebiete Osteuropa (im politischen Sinne) und Nordafrika konzentrierten, war auch eine entsprechende Erweiterung der Antennenanlage erforderlich.

Die amerikanische Seite wünschte eigentlich, wie schon in Ismaning auch im Wertachtal vier Sender in ihre alleinige Verfügung übergeben zu bekommen. Dieses Ansinnen lehnte die Deutsche Bundespost jedoch ab, da flexible Ersatzschaltungen bei Arbeiten und Störungen so unmöglich gewesen wären. Stattdessen wurde ein Vertrag über den Betrieb von jeweils vier Frequenzen abgeschlossen, der die tatsächliche, gegenüber dem Ganztagsbetrieb der Deutschen Welle deutlich eingeschränkte Sendezeit einbezog.

Auf dieser Grundlage wurden die Kurzwellensendungen der Voice of America von 1987 bis 1989 aus Ismaning schrittweise zur Sendestation Wertachtal übernommen. Hiervon ausgenommen blieb die Frequenz 3980 kHz; sie wurde zunächst noch weiter aus Ismaning abgestrahlt und schließlich (möglicherweise erst 1994) zur Sendestation von Radio Free Europe / Radio Liberty in Biblis umgezogen.

Abschließend bemerkt die Ausarbeitung, die Sendeanlage Wertachtal habe nach ihrer Errichtung „viele Fachbesucher aus der ganzen Welt, insbesondere aus China, angelockt“.

Dies erinnert den Beobachter an die Bestrebungen Ende der 90er Jahre, einen Sendezeittausch zwischen Deutscher Welle und China Radio International zu arrangieren. Damit wollte die chinesische Seite die verlorene Sendemöglichkeit aus der Schweiz (Sender Lenk auf 3985 und 6165 kHz; 1998 stillgelegt) ersetzen. Nachdem es bereits technische Planungen für entsprechende Sendeplätze im Wertachtal gab (dabei wären die Sendungen aus Peking u.a. auf 3995 kHz übertragen worden), schreckte die Deutsche Welle schließlich doch vor einer derartigen Kooperation zurück.

Die beigefügten, 2002 aufgenommenen Fotos zeigen die Sendeanlage im bis hierher dargestellten Zustand. Die anschließenden weiteren Umbauten sind in der Meldung über den bevorstehenden Abbruch beschrieben.

(Mit Recherchen von Wolfgang Büschel; Stand vom 16.07.2014)

 
 
Einer der Antennenarme der Sendeanlage Wertachtal (Foto: Andreas Volk)
 
Infoschild aus den 90er Jahren an der Sendeanlage Wertachtal (Foto: Andreas Volk)
 
„Roter Knopf“ der Einweihung Wertachtal; DW-Intendant Walter Steigner, Bundespostminister Georg Leber (Foto: A. Volk)
 
Blick aus den Technikgebäuden der Sendeanlage Wertachtal auf eine Vorhangantenne (Foto: Andreas Volk)
 
Schaltbild der Antennenanlage Wertachtal (Foto: Andreas Volk; 2002)
 
Leitplatz der Sendestation Wertachtal (Foto: Andreas Volk; 2002)
 
Detail des Leitplatzes der Sendeanlage Wertachtal (Foto: Andreas Volk; 2002)
 
Sendezentrum Wertachtal im Sommer 2002 noch mit umfangreichen Ausstrahlungen der Deutschen Welle (Foto: Andreas Volk)
 
Prozeßrechner der Anlagensteuerung Wertachtal (Foto: Andreas Volk; 2002)
 
Frequenzerzeugung der Kurzwellenanlage Wertachtal (Foto: Andreas Volk; 2002)
 
Zwei Sender der ersten Generation (SV 2500) im Wertachtal (Foto: Andreas Volk)
 
Aufgeschnittenes Muster des in der ersten Sendergeneration im Wertachtal eingesetzten Röhrentyps YL 1490 (Foto: Andreas Volk)
 
Senderöhre YL 1490 geheizt im Sender (Foto: Andreas Volk)
 
Sender der zweiten Generation (S 4005) in der Station Wertachtal (Foto: Andreas Volk)
 
Blick auf fünf Sender der zweiten Generation im Wertachtal (Foto: Andreas Volk)
 
Antennenwahlschalter der Sendeanlage Wertachtal (Foto: Andreas Volk)
 
Detail des Antennenwahlschalters der Sendeanlage Wertachtal (Foto: Andreas Volk)
 
Muster der auf der Sendestation Wertachtal eingebauten Antennenkabel (Foto: Andreas Volk)
 
Sender Wertachtal; Abgang der Speiseleitungen zu den Antennen (Foto: Andreas Volk)

Rundfunkgeschichte

Videos zur Rundfunkgeschichte

Sender Sines
Beitrag von 1993 über die Sendeanlage Sines auf Euscreen.eu

Im Internet abrufbar ist jetzt auch ein 2003 fertiggestellter Dokumentarfilm, der sich mit der Berliner Firma Telefunken und deren Untergang beschäftigt.

Näher vorgestellt wird in diesem Film die Sendeanlage Nauen. Bei deren Modernisierung in den 90er Jahren hatte sich dem Vernehmen nach der damalige Stationsleiter besonders für die Firma Telefunken eingesetzt. Nur dadurch durfte sie wenigstens noch die Sender beistellen, nachdem bereits eine Entscheidung für die Lösung des französischen, mehrfach umfirmierten Wettbewerbers gefallen war.

Von diesen neu entwickelten Sendern konnte Telefunken nur noch ein einziges weiteres Exemplar verkaufen (für die inzwischen eliminierte Sendeanlage Sveio in Norwegen). Konzeptionen für komplette Sendeanlagen, wie auch für Nauen vorgeschlagen (nach Vorstellungen von Telefunken als flexible Lösung mit zentralem Aufbau der Sender im vorhandenen, jetzt nutzlosen großen Gebäude), blieben von vornherein chancenlos.

Die Darstellungen des Films sind von den subjektiven Auffassungen des porträtierten Telefunken-Mitarbeiters geprägt. Dies äußert sich vor allem in der anmaßenden Beschreibung der Firma Continental als „kleines Senderunternehmen in den USA“, aber auch in der unreflektierten Übernahme der Behauptung, Nauen sei „zweitgrößter Sender des Ostblocks“ gewesen. Diese Meinung widerspiegelt die von der Redewendung „wir waren die größte DDR der Welt“ beschriebene Attitüde.

Der Film zeigt (bei 2’15 im ersten Teil des unten als letzte Ergänzung der Linksammlung zu findenden Youtube-Uploads) auch einen Blick in die einstigen UHF-Sender am Standort Schäferberg in Berlin-Wannsee. Nach dem Ende des analogen Fernsehbetriebs werden auf dieser Sendeanlage nur noch drei UKW-Frequenzen betrieben, was sich künftig in einer massiven Preiserhöhung niederschlägt.

Die in dem Film abschließend erwähnte Nachfolgefirma verfügt inzwischen nicht mehr über die Rechte an der Marke Telefunken. Sie verlegte sich deshalb auf den ebenfalls aus der Nauener Funkgeschichte stammenden Namen Transradio.

(Stand vom 05.05.2015)

 

Die Deutsche Welle stellt von ihrem Fernsehen, eingeschlossen den Vorgänger RIAS-TV, produzierte Beiträge für das von der Europäischen Union finanzierte Portal „EUscreen“ zur Verfügung.

Da diese Plattform nur schlecht erschlossen ist, sei hier auf einige der sonst kaum auffindbaren Beiträge hingewiesen. Sie erinnern an einst auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin mit großer Selbstsicherheit präsentierte, dann jedoch völlig gescheiterte Projekte wie die MAC-Fernsehnorm.

Besonders grotesk ist dabei die 1991 gegebene Behauptung, es würden auf der IFA bereits in größerem Umfang Fernsehsendungen in hochauflösender Form produziert. Hier kann von einem reinen Versuchsaufbau gesprochen werden. Die eigentlichen, seinerzeit noch in großem Stil auf der IFA veranstalteten Fernsehsendungen wurden hingegen größtenteils mit Kameratechnik aus den 70er Jahren aufgenommen.

Zwei weitere Beiträge aus dem Jahre 1993 beschäftigen sich mit dem Kurzwellenbetrieb der Deutschen Welle. Ein genereller Überblick enthält verschiedene Schnittbilder der inzwischen nicht mehr existierenden Sendeanlagen Jülich und Wertachtal. Im Detail vorgestellt wird die bis zu ihrer Ablösung im Jahre 2000 auf der Sendeanlage Sines in Portugal betriebene Technik der englischen Firma Marconi.

Ebenfalls präsentiert wird der einst umfangreichere, später wieder beendete Satellitenbetrieb auf der Sendestation Berlin-Britz.

(Autor: Kai Ludwig; Stand vom 26.04.2015)

Das Ende von Radio Berlin International

Das Ende von Radio Berlin International

Radio Berlin International
Sendekomplex von Radio Berlin International, jetzt mit Studioeinbauten im früheren Ausspielraum (Foto: Kai Ludwig)

Mit Ablauf des 2. Oktober 1990 endete der Auslandsdienst des Rundfunks der DDR, Radio Berlin International.

Einen plastischen Eindruck davon, in welcher Art und Weise mit dem Sender und seiner Belegschaft umgegangen wurde, vermittelt das nebenstehend verlinkte Interview. Von der vollständigen „Abwicklung“ ausgenommen blieben lediglich einige wenige Mitarbeiter, mit denen die Deutsche Welle vorübergehend ein Redaktionsbüro weiterbetrieb.

Dabei wurde eines der Nachrichtenstudios im bisherigen Sendekomplex von Radio Berlin International genutzt, um über eine einzige Übertragungsleitung der Deutschen Welle in Köln zuzuarbeiten. Es handelte sich um reine Überspielungen; Livesendungen der Deutschen Welle aus dem Funkhaus in der Berliner Nalepastraße gab es nicht.

Wie lange dieser Außenposten bestand, ist nicht bekannt. Seine Auflösung dürfte aber spätestens mit der Übernahme von RIAS-TV und dessen Einrichtungen in der Voltastraße im Frühjahr 1992 erfolgt sein.

Weitere Einblicke vermittelt das Schriftgut, das auf der Sendestation Wiederau aufbewahrt wurde. Eine Notiz vom 25. September 1990 hielt eine telefonische Information von der Sendestation Nauen „über erfolgte Abstimmung mit der Deutschen Welle über Abstrahlung von Programmen“ fest, die selbst zu diesem Zeitpunkt noch unverbindlich war. Demnach sollten ab dem 3. Oktober 1990, 0.00 Uhr, DW-Programme aus Wiederau auf 13610 und 21465 kHz gesendet werden.

Am nächsten Tag fand in Nauen eine „Beratung zu Fragen des Rundfunkbetriebes auf Kurzwelle“ statt. Auch deren Niederschrift, mittlerweile nur noch sechs Tage vor der Schließung von Radio Berlin International, konstatierte noch immer: „Über die Fortsetzung des Sendebetriebes nach dem 3. 10. 90, 00.00 Uhr, gibt es für die Sendestellen Nauen, KWh und Leipzig-Wiederau keine Anweisung.“

Am Tag nach dieser Konferenz sollte die Sendestation Nauen der Deutschen Bundespost detaillierte Angaben über die Kurzwellenanlagen der Deutschen Post übergeben. Benannt wird außerdem ein „Rundfunkdienstbüro“, das in der Sendestation Jülich anscheinend eigens dafür eingerichtet wurde, die Mitarbeiter der bisherigen Deutschen Post bei den Ausstrahlungen der Deutschen Welle und des Deutschlandfunks anzuleiten.

Für den 4. Oktober 1990 wurde, diesmal nach Berlin-Köpenick, erneut zur „Beratung zu organisatorischen Fragen des Rundfunkbetriebes auf Kurzwelle“ geladen. Wie der Niederschrift zu entnehmen ist, legten verantwortliche Mitarbeiter der drei „Rundfunksendestellen (RfSSt)“ ihre Sendepläne vor: „Entsprechend diesen Plänen wurde in den genannten RfSSt ab 2. 10. 1990 um 23.00 Uhr UTC der Sendebetrieb für die Deutsche Welle aufgenommen.“

Am 23. Oktober 1990 vermerkte die Sendestation Wiederau handschriftlich eine Änderung beim Betrieb ihres Kurzwellensenders. Neu sollten von 20.00 bis 22.30 Uhr auf 5960 kHz über die Ostasien-Antenne Sendungen in polnischer und tschechischer Sprache ausgestrahlt werden. Dies ist insofern besonders bemerkenswert, als es sich bei diesen Sendungen um Produktionen des Deutschlandfunks handelte.

Notwendige Ersatzschaltungen sollten die ostdeutschen Sendestationen weiterhin nur untereinander regeln. Ein Problem ergab sich dabei für die Sendestation Wiederau, die auch im Frequenzbereich bei 21 MHz arbeitete, was dem Reservesender in Nauen nicht möglich war.

Von der weiterhin „externen“ Behandlung der ostdeutschen Sendestationen kündet die dazu getroffene Festlegung, die Sendestation Wiederau „reicht beim Rundfunkdienstbüro über das Referat Rundfunkdienste einen Plan über 1990 gewünschte Reserveschaltungen für Wartungen ein“. Ob es tatsächlich schon 1990 zu Ersatzschaltungen aus Jülich kam, ist dem hinterlassenen Schriftgut nicht zu entnehmen.

Gegenstand der Übergangsregelungen für den Auslandsrundfunk waren auch die Ausstrahlungen von Radio Moskau auf der Mittelwelle 1323 kHz, für die erst im September 1989 neue Sendetechnik in Wachenbrunn bei Themar in Betrieb gegangen war. Am 28. Juni 1991 informierte der Funkdispatcher in Berlin mit einem Fernschreiben: „Wachenbrunn 1323 kHz: Auf Weisung des Rundfunkdienstbüros Jülich vom 26.6. ist bei Ausfällen des Senders kein Ersatzbetrieb von Leipzig durchzuführen.“

Einzelheiten über die Heranführung der DW-Programme in das Gebiet der einstigen DDR sind dem Schriftgut mit Stand vom Herbst 1991 zu entnehmen. Demnach waren von Köln nach Berlin die Übertragungsleitungen „BLN1“ bis „BLN5“ eingerichtet worden, davon die erstere als „einzige Leitung nach Leipzig“.

Die abrupte, von Technikern der Sendeanlagen als gespenstisch empfundene Umschaltung auf die Programmsignale aus Köln in der Nacht zum 3. Oktober 1990 erfolgte in einer Schalteinrichtung der Deutschen Post, wahrscheinlich in Berlin-Lichtenberg. Das Funkhaus in der Nalepastraße hatte, wie es ein dortiger Schaltmeister formulierte, „damit schon nichts mehr zu tun“.

Die Mittelwellenfrequenzen von Radio Berlin International wurden ab dem 3. Oktober 1990 vom Deutschlandfunk bespielt, möglicherweise auch mit seinen Fremdsprachensendungen. Ein interessantes Detail vermittelt dazu ein Frequenzplan vom Frühjahr 1992; der älteste, der sich im Wiederauer Schriftgut noch fand.

Dort eingetragen ist neben den RBI-Mittelwellen Berlin-Köpenick 1359 kHz und Burg (bei Magdeburg) 1575 kHz auch die leistungsstärkste DDR-Mittelwelle Burg 783 kHz. Sie übertrug das Programm von Stimme der DDR, nach dessen Einstellung dann Radio Aktuell (vorm. Radio DDR 1), bis der Sender auf Anordnung des „Rundfunkbeauftragten“ Rudolf Mühlfenzl im Mai 1991 abgeschaltet wurde.

Der Eintrag ist besonders bemerkenswert, weil die Frequenz 783 kHz zum Jahresbeginn 1992 vom neu gegründeten Mitteldeutschen Rundfunk übernommen worden war. Ein Höchstleistungsbetrieb mit 1000 kW fand dabei jedoch nicht mehr statt. Zunächst ließ der MDR die Frequenz tagsüber noch mit 250 kW abstrahlen. Von Beginn an abends und nachts, spätestens ab 1993 dann ganztags kam in Burg für den MDR nur noch der fahrbare Sender mit 20 kW Leistung zum Einsatz, der bis 1990 Radio DDR 1 auf 1089 kHz übertragen hatte.

Anzuführen sind in diesem Zusammenhang auch die damaligen Bestrebungen des Deutschlandfunks, die Langwelle Zehlendorf 177 kHz zu übernehmen, da auch sie der Auslandsversorgung diene. Dieses Ansinnen konnte vom Rundfunk in der Nalepastraße nur mit Mühe abgewehrt und die Frequenz weiterhin für das Programm des Deutschlandsenders Kultur genutzt werden.

Auch nach der Gründung des Deutschlandradios ist dem Wunsch des Deutschlandfunks nicht entsprochen worden. Bis zur Abkündigung des Senders zum Jahresende 2014 blieb es bei der Ausstrahlung des Berliner Deutschlandradio-Programms, das durch Fusion von Deutschlandsender Kultur und RIAS Berlin entstanden war.

Die Übergangsregelungen für die einstigen Sendeanlagen von Radio Berlin International endeten 1993. Damit entfielen alle Ausstrahlungen des Deutschlandfunks über die Mittelwellen 1359 und 1575 kHz wie auch der Deutschen Welle über die Kurzwellensender in Königs Wusterhausen und Wiederau. Diese Sendeanlagen wurden stillgelegt und sind inzwischen weitgehend von der Bildfläche verschwunden.

Einzig am Standort Nauen wollte die Deutsche Welle weiter festhalten, was ebenfalls als vordergründig politische Entscheidung anzusehen sein dürfte. Ab 1995 errichtete die Deutsche Telekom in Nauen vier völlig neue Kurzwellen-Sendeeinheiten. Sie ersetzten 1997 die Altanlagen, die größtenteils stillgelegt und demontiert wurden. Ausgenommen blieb lediglich eine dreh- und schwenkbare Antenne, über die mit dem zugeordneten Sender noch bis 2000 Programme der Deutschen Welle und ihres damaligen Kooperationspartners Radio Nederland Wereldomroep liefen.

Grundlage für den Bau der neuen Sendeeinheiten war ein bis 2016 verbindlicher Ausstrahlungsvertrag. Aus diesem Vertrag ließ sich die Deutsche Welle jedoch 2007 gegen eine Abstandszahlung von 14 Millionen Euro entlassen, da sie keine Kurzwellen-Dienstleistungen der Media Broadcast mehr in Anspruch nehmen wollte und stattdessen den privatisierten Senderbetrieb des BBC World Service (heute Babcock International) beauftragte. Beobachter bezweifeln die Wirtschaftlichkeit dieses Vorgehens, da auch die nach Großbritannien vergebenen Ausstrahlungen 2011 größtenteils entfielen.

Mittlerweile ist Nauen der einzige noch aktive Kurzwellenstandort des deutschen Auslandsrundfunks, nachdem auch die einstigen Sendeanlagen der Deutschen Welle in Jülich und bei Buchloe (Wertachtal) inzwischen stillgelegt und abgerissen wurden. Absoluter Schwerpunkt des Sendegeschehens sind dabei mittlerweile Programme internationaler Missionsgesellschaften.

Auch die Studios des ostdeutschen Auslandsrundfunks werden noch existieren, wenn das Funkhaus der Deutschen Welle in Köln vollständig abgerissen ist. Der frühere Sendekomplex von Radio Berlin International gehört zu den Räumen im Funkhaus Nalepastraße, in denen sich seit 2013 die britische Musikschule dBs niedergelassen hat. Bei den hierfür vorgenommenen Einbauten blieb die Struktur der Räume bis hin zur vorhandenen Beleuchtung unangetastet.

(Autor: Kai Ludwig; Stand vom 02.10.2015)

 
 
„Abstimmung mit der Deutschen Welle“
Notiz zu unverbindlichen Abstimmungen mit der DW vom 25.09.1990
 
„Ab 2.10.1990 um 23.00 UTC Sendebetrieb für die Deutsche Welle aufgenommen“
Beratungsniederschrift vom 04.10.2015
 
„Es entfällt 13610 kHz, neu dafür 5960 kHz“
Notiz zur Frequenz-/Programmänderung vom 23.10.1990
 
„Wachenbrunn 1323 kHz – kein Ersatzbetrieb von Leipzig“
Fernschreiben vom 28.06.1991
 
„Senderbelegung ab 29. 3. 92“
Belegungsplan der früheren RBI-Sender im Frühjahr 1992

Zur Geschichte des Funkhauses Potsdam

Zur Geschichte des Funkhauses Potsdam

Funkhaus Potsdam
Funkhaus Potsdam, Technikraum der „Baustufe I“ von 1946

Der 25. Jahrestag des Sendestarts von Antenne Brandenburg sei zur Veranlassung genommen, auf die Geschichte der Funkhäuser in Potsdam sowie (auf einer separaten Seite) in Cottbus und Frankfurt (Oder) einzugehen. Diese Funkhäuser existieren als solche heute nicht mehr, sie wurden inzwischen durch das Radiohaus am RBB-Sitz Potsdam-Babelsberg bzw. neue Studiostandorte in Cottbus und Frankfurt (Oder) ersetzt.

Nachfolgend wiedergegeben sind Auszüge aus einer anonymen Ausarbeitung der damaligen Struktureinheit „Studiotechnik Rundfunk“ von 1988, die auf Entwicklungen bis 1967 eingeht. Dieses Material war nur für den internen Gebrauch bestimmt und unterlag damit nicht den Restriktionen für Veröffentlichungen. Aus diesen internen Sammlungen stammen auch die beigefügten Fotos.

(Stand vom 06.05.2015)

 

„[…] „Hier ist der Landessender Potsdam. Sie hören uns auf der Wellenlänge 531,9 Meter gleich 564 kHz.“ Mit dieser Ansage meldete sich am 20. Juni 1946 um 6.20 Uhr früh erstmalig ein Sender, dessen Existenz ein gänzlich neues Stück Geschichte der einst berühmt-berüchtigten preußischen Garnisonsstadt einleiten half. […]

Die technische Grundlage bildete die Einrichtung des Stadtfunkstudios, das in einer Villa der Kapellenbergstraße 4 (spätere Puschkinallee) untergebracht war. Diese im Oktober 1945 durch Befehl 78 der SMAD geschaffene Groß-Lautsprecher-Zentrale verfügte im Stadtgebiet über 30 Lautsprecher.

Personell setzten sich Technik und Redaktion aus Mitarbeitern der Stadtwerke und des Informationsamtes der Provinzialverwaltung zusammen. […] Als Sender standen ein 1,5 kW-Strahler (0,4 kW modulierte Trägerleistung) und ein Drahtfunksender im Gebäude der Hauptpost Potsdam zur Verfügung.

Die Technik-Studioräume, bestehend aus einer Sprecherkabine und einem kombinierten „Regie-, Kontroll- und Schaltraum“, waren im eigens dazu ausgebauten Dachgeschoß des Hauses untergebracht. Die gesamte Einrichtung, später Baustufe I genannt, bestand aus folgenden Geräten:

Zwei Dorffunkanlagen (Kraftverstärker) als Tonsignalverstärker; ein Empfänger für den Ballempfang des Programms des Berliner Rundfunks; ein Drahtfunkempfänger; zwei Plattenspieler mit Umblendglied; ein Reglerfeld mit drei Danner-Reglern (ähnlich W 13); ein Tonmesser, Eigenbau, und ein bescheidener Anfang eines Kreuzschienenverteilers.

Sprecher und Techniker waren darauf angewiesen, als ein gut eingespieltes Kollektiv zu arbeiten, da weder Lichtzeichen noch Kommandomikrofone vorhanden waren. Eine Rand-Episode verdeutlicht die Selbstverständlichkeit dieser Arbeitsweise. Der Gesprächspartner der Landfunkfrühsendung, Kaninchenzüchter Karl, ein freischaffender Journalist mit gänzlich anderem Namen, hatte auf dem Wege zum Potsdamer Funkhaus mit seinem Fahrrad Reifenschaden. Kurz entschlossen übernahm der ungeduldig wartende Techniker – er hieß tatsächlich Karl – die Rolle seines Journalistenkollegen. Er ahnte nicht, daß der Oberingenieur daheim schon wach war, den Sender Potsdam hörte und verwundert seinen Mitarbeiter an der Stimme erkannte.

Die Baustufe II des Landessenders Potsdam wurde im Januar 1947 in Betrieb genommen und dehnte sich im Verlaufe der Jahre 1947/48 über folgende Komplexe aus: Technische Zentrale mit Verstärker und Schaltgestell und einem sich anschließenden kleinen Regieraum für Ein-Mann-Betrieb bei Früh- und Spätsendungen. Hinzu kamen am 2. Februar 1947 ein kleiner Sendesaal mit ca. 400 m³ Rauminhalt, ein Hauptregieraum, eine kleine Schallaufnahme (15. April 1947), zwei Sprecherkabinen, zwei Cutterräume und eine mechanische Werkstatt im Hintergebäude. Das Schaltungsprinzip der neuen Anlage zeigte zentralisierten Aufbau, d.h. alle Aufnahmen, Umschnitte usw. mußten von der technischen Zentrale aus geschaltet werden.

Das neue Baustadium bedeutete einen enormen Fortschritt gegenüber der Baustufe I. Die Eigenbau- und Dorffunkanlagen waren Normverstärkern vom Typ V 63, V 41 und V 42 (Loewe-Opta) und die Danner-Regler den Profilreglern gewichen. Endlich standen für Schallaufnahme und Regieraum auch Magnettonlaufwerke zur Verfügung. Den Anfang machten einige „Dora“-Geräte mit Gleichstrom-Vormagnetisierung. Bereits im Verlaufe des Jahres 1947 kamen HF-Geräte vom Typ „Dora“ und „Berta 2“ hinzu.

Zur besseren Wahrnehmung politischer und kultureller Ereignisse im Stadtgebiet entstanden im Landtagsgebäude und im Nicolaisaal, als gemietetem großem Produktionsraum, am 3. Dezember 1946 feste Übertragungsstellen. 1947 wurde ein alter Citroen-Pkw als Ü-Wagen ausgebaut […]. Dieser Wagen wurde 1951 dem Studio Cottbus zur Verfügung gestellt. Während des Umbaues 1948/49 stand für ein halbes Jahr ein kleiner Opel-Lkw von 1,5 t […] als Übertragungswagen zur Verfügung. 1948 wurde dann ein weiterer alter Fiat-Pkw als Ü-Wagen ausgebaut und in Betrieb genommen. […]

Die Ausführung der Baustufe III der technischen Einrichtung wurde zeitlich parallel mit den Vorarbeiten zur Inbetriebnahme des Senders ausgeführt und abgeschlossen. Sie umfaßte die Erweiterung und Modernisierung der technischen Zentrale, die Einrichtung eines zweiten Regieraumes, eines Meßraumes und den Aufbau einer Pausenzeichen-Maschine. Das Pausenzeichen des Landessenders Potsdam bestand aus dem ersten Takt des ersten Brandenburgischen Konzerts von Johann Sebastian Bach.

[…] Neben Archivproduktionen bestritt das kleine Potsdamer Rundfunk-Orchester tägliche Original-Vormittagskonzerte aus dem kleinen Sendesaal des Funkhauses.

Am 1. Mai 1948 war es soweit, daß ein 20 kW-Sender, dessen Antenne auf einem 98 m hohen Holzmast montiert worden war, das Programm des Landessenders Potsdam abstrahlen konnte. […] Kurz vor Sendebeginn, am Morgen des 1. Mai, verließ der diensthabende Tontechniker des Funkhauses seinen Arbeitsplatz und setzte sich nach Westberlin ab, wo er bereits einen Anstellungsvertrag beim RIAS hatte. […]

Die Wirksamkeit der Rundfunkarbeit erhöhte sich mit der Inbetriebnahme des neuen Senders zusehends; jetzt war das Programm auch an den Schwerpunkten der Reportagetätigkeit wie im Oderbruch, im Lausitzer Braunkohlengebiet, in den Stahlwerken Brandenburg und Hennigsdorf, im Chemiefaserwerk Premnitz usw. hörbar.

[…] Inzwischen gehörten jene Jahre der Vergangenheit an, da zeitweilig ein Drittel der Technikmitarbeiter wegen ständigen „Eifo“-Genusses (Eifo war eines der damaligen zahlreichen Ersatz-Lebensmittel) an Verdauungsstörungen erkrankt war, oder da die Deutsche Post wegen Lötkolbenmangels die Übertragungsleitungen an der Rangierverteilung nicht löten konnte.

Im September 1952 wurden […] in der DDR Bezirke gebildet. […] Das Funkhaus Potsdam hatte die Aufgabe, das Studio Frankfurt/Oder mit aufzubauen. Nach Aufteilung der Geräte und Einrichtungen zwischen den „Potsdamern“ und den „Frankfurtern“ verblieben für das Studio Potsdam […] ein Regieraum […], ein Sprecherraum, ein Cutterraum sowie die Technische Zentrale von nur noch untergeordneter Bedeutung […]; außerdem der Ü-Wagen Ford V 8. Aus allen übrigen Räumen, wie dem kleinen Saal, dem Regieraum, den Außenstellen usw. wurden die technischen Einrichtungen ausgebaut. Das hintere Gebäude des Funkhauses Potsdam wurde an die GST bzw. an eine DHZ vermietet.

[…] Zweimal wöchentlich wurde eine einstündige Sendung produziert und dem zentralen Programm überspielt. Über die Stundensendungen hinaus sind umfangreiche Aufträge per Ü-Wagen und als Studioproduktionen für Berliner Redaktionen verwirklicht worden, so daß keineswegs Arbeitsmangel eintrat. Da die Babelsberger Fußballer noch in der Oberliga spielten, mußte der Ü-Wagen auch sonntags fast immer im Einsatz sein.

[…] Im September 1955 – bis dahin waren die Aufgaben unverändert geblieben – wurde das Studio Potsdam als Bezirksredaktion dem Studio Cottbus angegliedert. An der Programmstruktur änderte sich nichts, nur wurden die Beiträge des Funkhauses Potsdam im Rahmen des Cottbuser Eigenprogramms gesendet, und die Potsdamer Kollegen hatten Gelegenheit, endlich wieder einmal „am Hahn zu sitzen“, um die sorbische Sonntagssendung über den Potsdamer Strahler zu geben.

Doch die Zeit war schellebig […]. Im Mai 1956 erhielten ein Ingenieur und ein Mechaniker aus Cottbus den Auftrag, schnellstmöglich in Potsdam Bedingungen zu schaffen, die die Wiederaufnahme eines täglichen zwei- bis vierstündigen Programms ermöglichten. […] Als Studio-Filiale des Berliner Rundfunks sollte Potsdam mit einer speziellen Sendereihe Einfluß auf die Randgebiete Berlins nehmen. Unter Einsatz einiger neuer Geräte und in etlichen Stunden Nachtarbeit konnten innerhalb von drei Wochen ein Regieraum und ein Sprecherraum, technisch modernisiert, den Sendebetrieb aufnehmen.

Das Eigenprogramm begann mit einer einstündigen Mittagssendung und erweiterte sich bis Ende 1956 um eine Abendsendung auf rund drei Stunden täglich. Personell ergaben sich jedoch große Probleme, denn von insgesamt sieben [technischen] Mitarbeitern waren nur drei in der Lage, die Sendung zu fahren. Hinzu kamen besondere Programmwünsche, darunter technisch aufwendige Originalsendungen, Telefonwunschsendungen usw., die mit dieser Technik einfach nicht mehr lösbar waren.

Darüber hinaus lag eine neue Programmperspektive mit folgenden Aufgaben vor: 1.) Durchführung von täglich drei Eigensendungen von insgesamt fünf Stunden Sendezeit, 2.) Zubringerdienste für das zentrale Programm, 3.) ständige Modulationsüberwachung des Senders. Dies gab den energischen Anstoß für eine neue Aufgabenstellung zur Erweiterung und Modernisierung der studiotechnischen Anlagen.

Im Juli 1957 lag der […] Plan des Investvorhabens „Modernisierung Funkhaus Potsdam“ vor. Gleichzeitig […] Ausweichräume […], um das Programm auch während der Dauer des Umbaus voll aufrecht zu erhalten. Am 14. Februar 1958 konnte der Sendebetrieb […] im inzwischen wieder freigewordenen Hintergebäude aufgenommen werden. Am 1. April 1958 […] begannen die Umbauarbeiten im Hauptgebäude.

In den folgenden zwei Jahren wurde mit Hilfe dieses Provisoriums täglich ein drei- bis vierstündiges Programm abgewickelt, zu dem im Rahmen der Sendereihe „Rund um Berlin“ auch umfangreiche Konferenzschaltungen gehörten. Zwecks ständiger Überwachung des Senders, wozu auch die Einblendung von auf Band gesprochenen Entschuldigungstexten bei Störungen gehörte, war der Regie-Kontrollraum im Schichtbetrieb durchgehend besetzt.

[…] Aufnahme des Sendebetriebes mit der neuen Anlage am 20. Juni 1960, die folgende Komplexe umfaßte: ein Kontrollraum mit Sprecherraum; eine Schallaufnahme mit Sprecherraum; ein Schalt- und Überwachungsraum; zwei Cutterräume. Die Jahre bis 1965 brachten keine wesentlichen Veränderungen der täglichen Sendezeit, jedoch […] über zweihundert Original-Konferenzschaltungen mit oft mehr als fünf Sprechstellen […], nicht selten aus den entlegensten Dörfchen des Bezirkes.

[…] Der Ü-Wagen-Park des Funkhauses Potsdam umfaßte […] zehn Fahrzeugtypen, die inzwischen längst verschrottet sind, ganz zu schweigen von der geradezu sagenhaften technischen Ausrüstung dieser Fahrzeuge. Aber selbst nach der Inbetriebnahme der Standardfahrzeuge Ü 21 (1953) und „Barkas“ B 1000 (1964) bilden neben der anderen Technik auch die individuellen Fähigkeiten der Kollegen und das Bastelprinzip „1000 m Z-Draht“ noch immer entscheidende Faktoren, um die ständig steigenden Anforderungen zu meistern.“

 
 
Sender Potsdam
Ü-Wagen Opel 1,5 t des Landessenders Potsdam (1948)
 
Sender Potsdam
Ü-Wagen Horch des Senders Potsdam, 1958
 
Funkhaus Potsdam
1960 in Betrieb genommener Schaltraum des Funkhauses Potsdam
 
Funkhaus Potsdam, 1990
Funkhaus Potsdam, 1990
 
Funkhaus Potsdam, 1990
Funkhaus Potsdam, 1990
 
Funkhaus Potsdam, 1990
Funkhaus Potsdam, 1990
 
Funkhaus Potsdam, 1990
Funkhaus Potsdam, 1990
 
Funkhaus Potsdam, 1990
Funkhaus Potsdam, 1990
 
Funkhaus Potsdam, 1990
Funkhaus Potsdam, 1990

Zur Geschichte der Funkhäuser Cottbus und Frankfurt (Oder)

Zur Geschichte der Funkhäuser Cottbus und Frankfurt (Oder)

Funkhaus Cottbus
Funkhaus Cottbus, Zustand 2002 (Foto: Kai Ludwig)

Zur Quelle der nachfolgenden Texte vgl. die gesonderte Seite zum Funkhaus Potsdam.

Das Funkhaus in Cottbus stand nach dem Auszug des damaligen Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg über längere Zeit leer; an der rückseitigen Einfahrt war seinerzeit ein Firmenschild zurückgeblieben, das im Laufe der Jahre immer weiter ausblich. Soweit es sich vor wenigen Tagen bei einem Rundgang in den Nachtstunden erkennen ließ, scheint das Gebäude inzwischen zum Wohnhaus umgebaut und teilweise bezogen zu sein.

(Stand vom 06.05.2015)

 

Frankfurt (Oder)

„Die ersten Vorbereitungen zum Aufbau eines Bezirksstudios in Frankfurt/Oder begannen im September 1952. Arbeitskräfte und technische Einrichtungen […] mußten vom Landessender Potsdam gestellt werden. Die spätere „Exilbesetzung“ […] fand sich vorerst in einer Etage des Potsdamer Studios zusammen und unternahm von hier aus Vorstöße nach Frankfurt zur Erkundung geeigneter lokaler Studioräumlichkeiten.

Die Angebote reichten vom ausrangierten Tanzsaal bis zu einer nicht mehr genutzten Eisdiele. Schließlich entschied man sich für einige Räume in der Bezirksdirektion der Deutschen Post, die zwar nicht der Idealvorstellung entsprachen, sich aber aus der Reihe der Angebote günstig abhoben. Nach Aufteilung der Geräte […] rollte am 4. November 1952 ein vollbeladener Lkw mit Anhänger nach Frankfurt/Oder.

[…] Die technischen Räume besaßen zwergenhafte Ausmaße. Berliner Experten schlugen ahnungsvoll die Hände über dem Kopf zusammen und sprachen ironisch von einer Liliput-Technik. Schließlich wurde die letzte Variante akzeptiert. Auf der 24 m² großen – besser: kleinen – Grundfläche eines einzigen Raumes wurde der Aufbau eines P-Raumes, eines Sprecherraumes (!) und eines C-Raumes (!!) begonnen.

Da inzwischen jedoch schon Sendungen gefahren werden mußten, wurde während der Bauzeit ein Redaktionszimmer in einen Sprecherraum verwandelt, und ein flurähnlicher Raum bildete das Zentrum allen übrigen Geschehens. Hier wurde produziert, gebaut, gefrühstückt und in den Pausen entspannt und gewitzelt. Auch der Feierabend bot in dieser Zeit, da Wohnraum und Arbeitsstätte für die meisten Mitarbeiter noch ein und dasselbe waren, keinen Unterschied zur Arbeitszeit. […]

Die materielle Unterstützung und Hilfe aus dem Funkhaus Berlin erwies sich oftmals als außerordentlich dürftig. Das „Prachtstück“, einen Opel-Pkw, der nach vielem Hin und Her dem Frankfurter Studio überlassen worden war, verglichen die Frankfurter Kollegen mit dem bekannten Trojanischen Pferd. Sie konnten es der Ü-Stelle Berlin lange nicht verzeihen, daß man für sie nur eine Art Viehtransportwagen übrig hatte, der schon während der Überführung zu seinem künftigen Standort den Namen „Schweinekiste“ erhielt.

[…] Anläßlich eines deutsch-polnischen Freundschaftstreffens auf der neu errichteten Oderbrücke sollte der Wagen seine Feuertaufe bestehen. […] Jedoch wurde der Wagen zur Wahrung des allgemeinen Festbildes unter die Brücke verwiesen.

[…] schritten die Delegationen beider Länder der Brückenmitte zu […] sich der Treffpunkt wesentlich zur polnischen Seite hin verschob. Der Reporter […] zog anfangs mit zarter, dann mit stärkerer Gewalt am Mikrofonkabel. Mit freundlicher Unterstützung von Delegationsmitgliedern gelang es ihm schließlich, den mechanischen Widerstand des Kabels zu brechen. […] Es soll eine gute Reportage gewesen sein, das konnte die Ü-Besatzung vom strahlenden Gesicht des Reporters ablesen. Die anschließend nicht sehr rücksichtsvoll geführte „Auswertung“ änderte nichts mehr daran, daß der erste Einsatz aufnahmetechnisch schiefgegangen war.

Bemüht, den Fehlschlag schnellstens zu kompensieren […] pünktlich in der Stadthalle den offiziellen Empfang der Gäste wahrzunehmen. In flottem Tempo näherte sich der Ü-Wagen dem Reportageort. Ein vor dem Ü-Wagen plötzlich scharf bremsender Bus zwang den Wagen ebenfalls zum Bremsen. Es blieb beim Versuch, und nur der zum Glück menschenleere Gehsteig […]. Dem hinzueilenden Genossen der Volkspolizei versicherte der Fahrer: „Mit der Schweinekiste fahre ich keinen Meter mehr.“ Er hielt sein Versprechen.

[…] Noch vor Abschluß aller Bauarbeiten wurden dem Studio die ersten größeren Aufgaben übertragen. Am 7. Mai 1953 wurde der Staatsakt anläßlich der Namensgebung von Stalinstadt (jetzt Eisenhüttenstadt) vom Studio original übertragen. Ein feierliches Rahmenprogramm (Musik und Rezitationen) wurde ebenfalls vom Studio aus gesendet. Große Sorge bereitete dabei der akustisch noch nicht hergerichtete Sprecherraum. So mußten, wie in alten Rundfunkzeiten, zur Dämpfung des Nachhalls einige Schlafdecken drapiert werden.

[…] Überraschend kam die Mitteilung, daß ab 27. Mai 1963 ein täglich halbstündiges Eigenprogramm gesendet werden sollte. […] Also begann nach einigen Sicherheitsvorkehrungen das Eigenprogramm noch mit der alten Einrichtung. Es waren für das relativ kleine Kollektiv angespannte Wochen und Monate, vielfach gleichzeitig Sendungen zu fahren, zu produzieren und jede Pause für die Fortführung der Bauarbeiten zu nutzen. Im Februar 1964 konnte endlich das Kontrollpult eingebaut werden. Für die Zeit von zwei Monaten übernahm der Ü 21 den Sende- und Produktionsablauf.

[…] Angaben zur Programmzugehörigkeit des Studios Frankfurt/Oder: September 1952 bis September 1955 Bezirksstudio, Zubringer für das zentrale Programm; Oktober 1955 bis Mitte 1956 Bezirksredaktion des Studios Cottbus; Mitte 1956 bis Mitte 1958 Studio des Funkhauses Potsdam; Mitte 1958 bis Anfang 1963 Studio des Funkhauses Cottbus; ab 1963 Studio des Berliner Rundfunks.

Im Zeitraum 1952 bis 1955 verließen die ehemaligen Potsdamer Mitarbeiter, bis auf einen, das Studio Frankfurt/Oder. Drei ehemalige Mitbegründer des Studios Frankfurt/Oder [waren ab] 1956 wieder in ihrem „Stamm“-Funkhaus Potsdam tätig.“

 

Cottbus

„[…] Kulturell war dieses Gebiet bemerkenswert rückständig. […] Hier hatte es niemals ein Rundfunkstudio oder einen Sender gegeben.

Es war der Initiative des damaligen Oberbürgermeisters der Stadt Cottbus zu verdanken, daß […] am 9. Juni 1948 400.000 Mark für den Aufbau eines Studios bewilligt wurden. Den Auftrag erhielt das Ingenieurbüro Busch in West-Berlin. Dieser Betrieb installierte eine Loewe-Opta-Studioanlage in der neuen Messehalle am Cottbuser Spreeufer. […] Nach Abschluß der Landwirtschaftsausstellung […] wurde die Anlage demontiert, im „Haus des Kulturbundes“ in der Wilhelm-Külz-Straße wieder aufgestellt und am 1. Februar 1949 endgültig in Betrieb genommen. Die Montagearbeiten erledigte wiederum die Firma Busch.

Im Studio standen folgende Räume zur Verfügung: Ein Zimmer für den Studioleiter; ein Zimmer für Redakteure; ein Zimmer für den Betriebsingenieur; ein Werkstattraum; ein Lagerraum; ein Regieraum in der Größe von 6 x 6 x 4 m; ein Sprecherraum mit den Maßen 6 x 4 x 4 m sowie ein kleiner Sendesaal mit einem Volumen von 8 x 15 x 6,5 m. Die technische Anlage bestand aus einem Verstärkergestell […], einem Regietisch […], zwei Plattenlaufwerken, zwei Tonbandgeräten, einem Abhörschrank.

Über eine Empfangsleitung erhielt das Studio das Programm des Berliner Rundfunks. Der Studioausgang wurde niederfrequent in das Fernsprechnetz der Stadt eingespeist. Dazu wurden ungenutzte Adern dieses Netzes benutzt, die zu den Lautsprechern im Stadtgebiet führten. Die Rundfunkteilnehmer der Stadt konnten sich einen Drahtfunkanschluß durch die Post installieren lassen.

Diese Betriebsart führte zu häufigen Auseinandersetzungen zwischen den Mitarbeitern des Studios und des Fernmeldewesens. Da der von der Deutschen Post zugelassene Höchstpegel überschritten werden mußte, um alle Drahtfunkteilnehmer ausreichend zu versorgen, [kam] [e]in großer Teil der Fernsprechteilnehmer ungewollt in den Genuß des Stadtfunkprogramms. Um dieses Problem aus der Welt zu schaffen, wurden im Fernmeldeamt Cottbus-Madlow zwei Drahtfunkverstärker als Sender in Betrieb genommen, die auf je einer Langwellenfrequenz arbeiteten.

[…] das Studio dem Deutschen Demokratischen Rundfunk anzugliedern. Der Vertrag, der […] am 1. Oktober 1948 unterzeichnet wurde, legte fest, daß das Studio Eigentum der Stadt Cottbus bleibt und als Außenstelle des Landessenders Potsdam fungiert. Die Lohnkosten übernahm der Rundfunk, die Stadtverwaltung steuerte 5.000 Mark für weitere Kosten bei. […] Das Studio Cottbus nahm damit eine Zwitterstellung ein, die oft zu Kompetenzüberschneidungen zwischen der Stadtverwaltung und dem Rundfunk führte. […]

[…] zunächst weniger der […] Rundfunk an der Übernahme des Studios interessiert war, als vielmehr die Initiative der Mitarbeiter des Studios die endgültige Übernahme bewirkte. So kam es u.a. vor, daß ein Cottbuser Stadtrat dem Studio im Winter die Heizung abstellen ließ. Dennoch blieben die Mitarbeiter am Arbeitsplatz und arbeiteten im Studio im Mantel und mit Handschuhen weiter. Durch den Vertrag vom 8. Februar 1950 wurde das Studio endgültig dem […] Rundfunk unterstellt. […]

In Cottbus-Gaglow [= Groß Gaglow] stand der erste Mittelwellensender, der 1958 durch einen fahrbaren Sender in Hermsdorf ersetzt wurde [so im Original, Zuordnung dieser Angabe unklar, ist vermutl. auf Sendeanlage Hoyerswerda-Zeißig zu beziehen; Anm. d. A.].

Anfangs standen […] Probleme der Umgestaltung der Landwirtschaft und der Gleichberechtigung der Frau im Mittelpunkt, vereinzelt auch schon Probleme der Braunkohlenindustrie. Bereits 1950 wurden einige sorbische Beiträge in das Programm aufgenommen und eine sorbische Mitarbeiterin eingestellt. 1953 führte die neu gegründete sorbische Redaktion im Studio Görlitz für diese Beiträge Regie. 1957 übersiedelte die sorbische Redaktion in das Funkhaus Cottbus […].

Die Musikproduktion des Hauses orientierte sich überwiegend auf sorbische Kompositionen. Ein weiterer Schwerpunkt […] bestand in Produktionen des Stabsmusikkorps der Luftstreitkräfte der NVA für das zentrale Programm. Während kleine Ensembles und Gruppen im Saal (450 m³) des Studios produzieren konnten, wurden die größeren Klangkörper in geeigneten Sälen der Stadt aufgenommen.

[…] kein Ruhmesblatt in der Geschichte der Technik des Studios Cottbus, daß die Mehrzahl der Mitarbeiter während der ersten Jahre republikflüchtig wurde oder wegen Spionage inhaftiert werden mußte. Ein typisches Beispiel soll für viele stehen: Eine Technikerin hatte das einzige Mikrofon […] entwendet, um damit in Westberlin aufwarten zu können. Tatsächlich war es ihr damit gelungen, das Studio Cottbus für einige Tage nahezu zu blockieren, weil keine Wortbeiträge mehr gesendet werden konnten. […]

[…] Beim Umbau des Studios wurde die alte Loewe-Opta-Anlage in der damaligen Pförtnerloge aufgestellt, um wenigstens Überspiele und Umschnitte durchführen zu können. Aufnahmen sollten in dieser Zeit nur mit Ü-Wagen erfolgen. Es ergab sich jedoch, daß Heinz-Florian Oertel, damals noch Reporter im Studio Cottbus, unbedingt einen Beitrag vervollständigen mußte. Das Haus war aber ein einziger Bauplatz, nirgends war ein ruhiger Platz zu finden. Da entsann man sich des an die Pförtnerloge angrenzenden Raumes. Schnell wurde ein Mikro-Kabel gezogen und der Reporter konnte sein Schneidkommando geben. Daß der angrenzende Raum jedoch eine Toilette war, ist den Hörern hoffentlich nicht aufgefallen.

[…] 1963 wurde der Studio-Stützpunkt Bautzen im „Haus der Sorben“ zunächst provisorisch eingerichtet. 1965 konnte die aus dem Studio Frankfurt/Oder stammende Truhe Z 11 umgebaut und im Stützpunkt aufgestellt werden. […]

1963 war an der Holzkonstruktion des Dachstuhls starker Schädlingsbefall festgestellt worden. Dies betraf auch die Zwischendecken über den Studios. Es bestand Einsturzgefahr. Aus erster Sicht erschien es günstiger, einen Neubau zu errichten, als zu rekonstruieren. Entsprechende Vorbereitungen liefen bei der Plankommission. Innerhalb des vorgesehenen Kulturzentrums der Stadt sollte ein Studioneubau erfolgen. Doch es gelang mit einer intensiven Schädlingsbekämpfung, diesem Übel erstmal beizukommen. Anfang der 70er Jahre wurde die Holzkonstruktion mit vielen Erschwernissen für den Betriebsablauf erneuert.“

 
 
Funkhaus Cottbus
Technikraum im Funkhaus Cottbus (undatiert, vermutlich 60er Jahre)

Zur Entwicklung des Rundfunks in Dresden von 1945 bis 1967

Zur Entwicklung des Rundfunks in Dresden von 1945 bis 1967

Funkhaus Dresden, Hygiene-Museum
Hygiene-Museum Dresden mit Unterbringung des Rundfunkstudios Dresden im linken Seitenflügel

Nachfolgend mit geringen Kürzungen wiedergegeben sind Ausarbeitungen aus dem Rundfunk der DDR (Studiotechnik Rundfunk) von 1988. Die beigefügten Abbildungen stammen aus der Sammlung des Tontechnikers Gerhard Steinke.

» Durch die grausame Bombardierung am 13. Februar 1945 waren in Dresden nach dem Zusammenbruch Hitlerdeutschlands weder Studioeinrichtungen noch Sendeanlagen vorhanden. Die alten Sendeanlagen der RRG im Dresdner Rathaus einschließlich der Antenne, die einmal zwischen Rathausturm und Kreuzkirche gespannt war, sowie das Funkhaus in der Beuststraße, Ecke Wiener Straße, waren zerstört.

Max Rauschenbach, der ehemalige Aufsichtsingenieur, der 1939 nach Schließung der Sendestelle Dresden zuerst nach Leipzig und dann nach Berlin versetzt worden war, kehrte nach Dresden zurück. Neben dem ehemaligen NSDAP-Funkstellenleiter Jockusch, dem einstigen SS-Untersturmführer Thiele, den vermutlich nominellen NSDAP-Mitgliedern Hiller und Hübler und dem scheinbar antifaschistisch orientierten Grawert, dem der schriftliche Auftrag zum Aufbau des Senders gegeben wurde, arbeitete mit dem Kollegen Rauschenbach im Grunde genommen nur ein einziger Nicht-Nazi mit.

Zu diesem Zeitpunkt fehlte jede klare Konzeption für das Programm, und das Interesse der Baugruppe konzentrierte sich lediglich auf die Fertigstellung der technischen Einrichtungen für einen einfachen Sendebetrieb.

So entstand mit Hilfe eines in einem Omnibuswrack eingebauten Whrmachtssenders und der noch vorhandenen großen Masten der Nachrichtenkaserne (nachdem am 26. Mai ein zweiter Sender aus Lauenstein im Erzgebirge herangeschafft worden war) eine Anlage, die am 2. Juni 1945 den Probebetrieb aufnahm. Dabei wurden zunächst Schallplatten abgespielt. Das Programm lief ohne Stationsangabe. Am 7. Juni wurde der Sendebetrieb wieder eingestellt.

Für die Niederfrequenz-Technik standen zu dieser Zeit eine Stahltonband-Maschine Bautyp C. Lorenz AG, ein Doppel-Aufnahme/Abspielgerät für Schallfolien, ein Schallplattenabspielgerät und Kondensatormikrofone zur Verfügung. Anodenbatterien und Meßgeräte fehlten.

Ende Juni 1945, also etwa drei Wochen nach dem technischen Probebetrieb, bildete sich eine Art demokratischer Ausschuß, der sich mit der Ausarbeitung eines Sendeprogramms befaßte. Als Hauptrichtlinie galt die Losung: „Der Sender Dresden im Dienste des Wiederaufbaus auf allen Gebieten.“

Am 15. Juli 1945 wurde den Technikern am Sender Dresden durch den stellvertretenden Stadtkommandanten, Oberstleutnant Solojew, mitgeteilt, daß „der Sender an Kapitan Matern übergeht“. Damit wurden die Belange des Senders in die Hände der Kommunistischen Partei Deutschlands und der Landesverwaltung unter Hermann Matern gelegt.

Mit Alfred Althus wurde im August 1945 ein politisch klar orientierter Antifaschist als Technischer Leiter eingesetzt. Gleichzeitig wurde der Rundfunk-Ingenieur Berthod Präg, der als Kommunist bekannt war, beim Senderaufbau eingesetzt. Gegen Grawert, der sich strafbar gemacht hatte, lief ein polizeiliches Ermittlungsverfahren.

Am 3. September 1945 kam der Intendant des Berliner Rundfunks, Hans Mahle, mit dem sowjetischen Major Nikolaj Mulin nach Dresden und erteilte für die Sender Dresden und Leipzig offiziell die Sendeerlaubnis.

Am 6. September erfolgte innerhalb eines Tages mit Hilfe mehrerer Lastkraftwagen die Umsetzung der Sendeanlagen von Dresden-Übigau (Nachrichtenkaserne) in die Gebäude der Polizeikaserne Dresden-Trachau und der Studiogeräte in die Gebäude der ehemaligen „Boehner Film AG“ in Dresden-Obergorbitz, Kesselsdorfer Straße 128 (Gasthof Reichsschmied).

Bereits am 12. September um 8.00 Uhr früh konnte der Sender auf der Frequenz 519 kHz mit dem Programm des Berliner Rundfunks in Betrieb genommen werden. Die erhalten gebliebenen drei Stahlgittermasten auf dem Gebäude an der Neuländer Straße trugen die Antenne. Es handelte sich um einen weiteren Probebetrieb, der nach wenigen Tagen auf Anweisung der Sowjetischen Militäradministration abgebrochen wurde.

Im Obergorbitzer Studio wurden die ehemaligen Filmatelier-Räume unter großen Schwierigkeiten für Rundfunkzwecke hergerichtet. Die Redaktionsräume lagen im selben Haus in einer geräumigen 5-Zimmer-Wohnung. Da allen Beteiligten klar war, daß auch dies nur eine Übergangslösung sein konnte, suchte man weiter nach geeigneten Räumlichkeiten.

Am 20. November 1945 wurde in das Handelsregister beim Amtsgericht Dresden die „Mitteldeutsche Rundfunkgesellschaft m. b. H.“ eingetragen. Als Gesellschafter zeichneten verantwortliche Vertreter des Landes Thüringen und der Provinz Sachsen.

Beratungen, die im November 1945 in Leipzig zwischen Vertretern der Sowjetischen Militäradministration, des Berliner Rundfunks und der Mitteldeutschen Rundfunk GmbH stattfanden, galten der sofortigen Inbetriebnahme des Mitteldeutschen Rundfunks. Auf Grund fehlender Kontroll- und Zensuroffiziere der Sowjetischen Militäradministration verlegte man als Übergangsregelung den Sitz der Redaktion nach Dresden. Als Termin des Sendebeginns galt der 5. Dezember 1945, 7.00 Uhr früh.

Nachdem im November 1945 die studiotechnischen Voraussetzungen für den Sendebetrieb bestanden, ging versuchsweise ein eigenes Programm aus Dresden in den Äther. Ein Exemplar der „Sächsischen Volkszeitung“ vom 6. Dezember 1945 trägt den handschriftlichen Vermerk von Max Rauschenbach:

„7. XII. 1945, 1. Sdg. von Dresden, Obergorbitz Reichsschmied, Präsident Friedrichs spricht zur Einführung. Schallaufnahme in Lzg. geht 12.45-13.00 Uhr über Sender Leipzig und Dresden.“

Auch spätere Veröffentlichungen nennen den 7. Dezember 1945 als den Tag des Beginns des Dresdner Programms. Mit dem in mühevoller Arbeit in Betrieb genommenen 1,5 kW-Strahler war der Landessender Dresden nach Berlin der zweite Sender auf dem Gebiet der damaligen Sowjetischen Besatzungszone, der sich mit einem eigenen Programm vorstellte.

Am 13. Januar 1946 zog das Dresdner Studio in eine größere Villa in der Tiergartenstraße 36 um, von wo schon tags darauf die erste Sendung abgewickelt wurde. Aus der zunächst 16 Kollegen zählenden Belegschaft waren inzwischen 48 Mitarbeiter geworden. Die Technik besaß bereits ein Magnettonlaufwerk. Aus zwei Ortsübertragungsleitungen waren sechs geworden, und ein kleiner Sendesaal bot die Möglichkeit, gestaltete Wortprogramme zu produzieren.

Als Intendant fungierte inzwischen ein Dr. Mauthner, der jedoch eine höchst zwielichtige Rolle spielte und sich im August 1947 in die Westzone absetzte. Hier wurde sehr früh deutlich, daß neben den Aktivisten der ersten Stunde auch mit politischen Hochstaplern zu rechnen war.

Die einstige Villa eines Dresdner Kaufhausbesitzers erwies sich schon bald als den Anforderungen nicht gewachsen. Im wesentlichen waren aus dem ehemaligen Speisezimmer ein Senderaum für musikalische Sendungen, aus dem vormaligen Schlafgemach ein Sprecherraum und aus dem Wintergarten ein Regieraum entstanden.

Am 1. Februar 1947 fand der Landessender Dresden endlich sein endgültiges Quartier. Er bezog den linken Flügel des Deutschen Hygiene-Museums am Lingnerplatz 1, dessen Räume zu diesem Zeitpunkt ausreichend Platz boten.

In drei Sendesälen und, wie es in einem Artikel der „Sächsischen Zeitung“ hieß, „mit allen neuesten technischen Errungenschaften versehen“, konnte hier mit größerer Betriebssicherheit und höheren Qualitätsansprüchen Rundfunkarbeit geleistet werden. Die „Sächsische Zeitung“ lobte das „mit fanatischem Idealismus aus dem Nichts entstandene“ als „bewunderungswert“ und als „die modernste Sendeanlage in Deutschland überhaupt“.

Die Belegschaft zählte inzwischen 54 Mitarbeiter, von denen 17 zur Technik gehörten. Mit Wirkung vom 1. Januar 1947 wurden alle Mitarbeiter des Landessenders Dresden aus einem vorläufigen in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen.

Welche Ansichten damals Probleme schufen, zeigt folgender Vorfall: Der Dresdner Rundfunksprecher Willi Witkowski lehnte seine Gehaltseinstufung ab, da die an seiner Seite arbeitende Sprecherin ebenfalls nach der gleichen Tarifgruppe entlohnt werden sollte. Außerdem erhob Witkowski dagegen Protest, einer Sendeleitung unterstellt zu werden, die zu diesem Zeitpunkt von einer Frau geleitet wurde. Witkowski reichte seine Kündigung ein. Geduldige Versuche, ihn zu überzeugen, scheiterten am Starrsinn dieses früheren Parteigängers ders NSDAP.

Die Notzeit dieser Jahre wird u.a. dadurch gekennzeichnet, daß am 5. Februar 1947 der Antrag erging, für acht Mitarbeiter der Technik die Lebensmittelkarte für Schwerarbeiter zu gewähren. 13 Mitarbeiter des Hauses pachteten je 50 bis 100 Quadratmeter Brachland in der Nähe des Funkhauses, um Gemüse anzubauen.

Die Musikabteilung begann in den beiden kleineren Sälen des Hauses und im Steinsaal des Hygiene-Museums mit der Musikproduktion. Nach Wiederherstellung des „Großen Hauses der Staatstheater“ wurden dort in Bühnennähe eine Übertragungsstelle (mit V 35) eingerichtet und Dauerleitungen zum Funkhaus gemietet.

Der Sender befand sich noch in der Neuländer Straße im Norden Dresdens und strahlte auf der Gemeinschaftswelle 1484 kHz.

Zum Programm sei nachgetragen, daß bereits am 18. Januar 1946 die erste Übertragung eines Konzertes der Dresdner Philharmonie aus dem Gemeindesaal Dresden-Strehlen stattfand. Kurz darauf, am 6. April 1946, erfolgte die Übernahme einer Aufführung der Staatsoper Dresden mit Jaques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“. Am 17. März 1946 wurde auch das erste Hörspiel unter dem Titel „Der Thomaskantor“ unter der Regie des Dramaturgen Ulli Busch [Künstlername] gesendet.

Im Steinsaal des Hygiene-Museums – der Kongreßsaal war ausgebrannt – begann eine Periode schöpferischer Neuproduktionen von Opern und Aufnahmen bekannter Solisten der Dresdner Staatsoper. Hierbei arbeitete Genosse Probst in dem kleinen Regieraum an der Rückseite des Saales als Toningenieur.

Die Ausstrahlung dieser Werke geschah nicht nur im Eigenprogramm oder dem mitteldeutschen Programm über Leipzig, sondern auch über das ständig angeschlossene Drahtfunknetz, das in den ersten Jahren nach 1945 eine große Bedeutung besaß.

Schon in der Tiergartenstraße gelang es den Technikern im Februar 1946, die Aufnahme von Reportagen zu ermöglichen. Mit einem alten Pkw, der im wesentlichen ein batteriebetriebenes „Dora“-Magnettonlaufwerk (AEG) enthielt, wurde z.B. die Wiederingangsetzung der Kohleförderung im Zwickauer Revier aufgenommen.

Überhaupt galt der Reportage in jener Zeit große Aufmerksamkeit. Für die Techniker begann die Zeit des Aufbaus von Reportagewagen, aber auch zugleich die für Techniker und Kraftfahrer so schwere Zeit der nur mit vielen kräftezehrenden Überstunden zu bewältigenden Fahrten und Einsätze in ganz Sachsen.

Bald wurde an den Aufbau eines großen Übertragungswagens gegangen. Ein omnibusähnliches Fahrzeug vom Typ „Praga“ beschäftigte vor allem die Mitarbeiter der Meßtechnik und Werkstatt über längere Zeit. Mit der Verwandlung [d.h. Degradierung] des Landessenders Dresden in ein Studio wurde der für die Dresdner Kollegen geradezu legendäre Wagen in halbfertigem Zustand mit reichlich Zubehör am 30. Oktober 1952 dem Funkhaus Berlin übergeben und dort fertiggestellt. Er wurde später von den Mitarbeitern der Mechanischen Werkstatt zu einem Wohnwagen umgebaut.

Die studiotechnischen Anlagen befanden sich bis 1952 im ersten Stockwerk des Hauses und boten – im Gegensatz zu den 60er Jahren – genügend Raum. Eine mechanische Werkstatt, in der ständig vier bis fünf Kollegen tätig waren, sowie eine Tischlerei konnten sich über mangelnde Beschäftigung nicht beklagen, um das umfangreiche Bauvorhaben zu realisieren.

Das Kernstück der Technik war der Schaltraum mit seiner Gestellfront, die in A-, B- und C/D-Verteilern unterteilt nach dem Kreuzschienenprinzip ausgerüstet war. Am Bedienungspult wurden vor dem Umbau lediglich Sendungen aus anderen Räumen des Hauses und die Übernahme des laufenden Programms aus Leipzig koordiniert.

Anfangs wurden die Sendungen meist in Ein-Mann-Bedienung gefahren, wobei die Musik häufig von Schallplatten kam. Der diensthabende Techniker hatte das Laufwerk gleich neben seiner Reglerwanne stehen und setzte den Tonarm selbst auf. Eine Besonderheit war die tägliche halbstündige Originalsendung während des Abendprogramms aus dem Sendesaal II.

1949 gab es Anzeichen dafür, daß sich unter dem Fußboden des Saales ein Blindgänger befinden müsse. Der Hausmeister stand erst allein mit seiner Meinung, bis sich ein Suchkommando der Sache annahm. Tatsächlich wurde eine Luftmine gefunden, entschärft und abtransportiert. Noch oft dachten Musiker und Rundfunkmitarbeiter mit Schaudern daran, daß sie unmittelbar über dieser gefährlichen Mine, die ganze Häuserblöcke in Schutt legen konnte, vier Jahre lang nichtsahnend gearbeitet, geübt, sich versammelt oder bei Betriebsfeierlichkeiten ausgelassen amüsiert hatten.

1951 wurden der Saal sowie der dazugehörige Regie- und Sprecherraum vollkommen umgebaut, wobei umfangreiche Ausschachtungsarbeiten notwendig waren. Der Saal erhielt eine Orgel; eine kostspielige Investition, die keinerlei Nutzen hatte, da die werkgerechte Aufnahme von Orgelwerken in Kirchen vorgenommen wurde. Die Orgel wurde 1966 ausgebaut und verkauft.

Ab 1952 wurden außer einer kurzen sorbischen Sendung keine Eigenprogramme mehr ausgestrahlt. Die Rundfunkarbeit beschränkte sich fortan auf Produktionen für die zentralen Programme. Da die Anzahl der Mitarbeiter jetzt zu groß war, wurden eine Rolle von Kollegen entweder versetzt oder mit anderen Arbeitsplätzen versorgt.

Als folgenschwer erwies sich die Aufgabe der technischen Räume im ersten Stockwerk und die Umsetzung der technischen Anlagen in wenige kleine Räume des Erdgeschosses; eine Maßnahme, die sehr bald bitter bereut wurde, da die Aufgaben des Studios in den nächsten Jahren wieder wuchsen. Schon im Oktober 1953 gab es erneut ein Eigenprogramm, das montags bis freitags von 19.00 bis 19.30 Uhr über die Frequenzen 910 [Reichenbach] und 1016 kHz ausgestrahlt wurde.

Die unzweckmäßige Unterbringung des Studios und die Abhängigkeit vom Eigentümer des Hygiene-Museums – die 1952 aufgegebenen Räume konnten nie wieder zurückerlangt werden – zwangen die Technische Leitung, schon frühzeitig den Bau eines eigenen Objektes zu planen. Anfangs dachte man an einen Neubau innerhalb des Großen Gartens, später wurde ein Objekt zwischen Beuststraße, Wiener Straße und Bürgerwiese in Erwägung gezogen. Schließlich wurde die Variante eines gemeinsamen Fernseh- und Rundfunkstudios projektiert und 1960 durch eine Aufgabenstellung begründet. Als Standort war der Ortsteil Gruna vorgesehen.

Das Eigenprogramm ab Oktober 1953 entfiel bald wieder, wurde aber am 11. September 1955 erneut aufgenommen. Die Sendezeit betrug werktags zwei Stunden. Zusätzlich wurden bei besonderen Anlässen Originalsendungen vom Funkhaus aus gestaltet, so z.B. 1955 anläßlich des 10. Jahrestages der Zerstörung Dresdens die Kundgebung auf dem Theaterplatz.

Ab September 1955 gehörte das Studio Gera mit einer Bezirksredaktion zum Funkhaus Dresden, wurde aber schon im Februar 1956 wieder ausgegliedert.

Im Monatsbericht des Technischen Leiters vom Januar 1956 liegt als Hinweis auf die Raumnot der Vermerk vor, daß Aufnahmen oft in Redaktionsräumen gemacht werden mußten, da die Regieräume nicht ausreichten. Im gleichen Jahr wurden deshalb der Ausbau eines neuen Kontroll-Regieraums, eine Schallaufnahme und ein zweiter C-Raum in Angriff genommen. Ein Schaltgestell konnte bereits im April fertiggestellt und der Kontrollraum am 12. Oktober 1956 in Betrieb genommen werden.

Ein besonderer Schwerpunkt des Jahres 1956 war die 750-Jahrfeier der Stadt Dresden. In dieser Zeit häuften sich die Klagen über die schlechte Qualität des MW-Senders 1043 kHz infolge Überlagerungen und störender nichtlinearer Verzerrungen. Hinzu kamen oft Fehler in den Unterämtern des Fernkabels 211, da im Rundfunk-Verstärkergestell 52 die Röhrenfassungen der EF 12 schlechten Kontakt gaben. Diese Kontaktstörungen wurden meist durch mehrmaliges Klopfen oder Herausziehen und Wiedereinsetzen der Röhren „beseitigt“.

Ebenfalls im Jahre 1956 war es im Funkhaus Dresden notwendig geworden, den gesamten Regiekomplex II neu zu verkabeln, da durch mangelhafte Isolation der Gestellverdrahtung Prasselerscheinungen auftraten. Schwierigkeiten gab es auch mit dem Mikrofon M 14, das häufig prasselte. Abhilfe brachte meist das Austrocknen der Kapsel.

Eine Rätselsendung, bei der die Hörer telefonisch antworten sollten, mußte im Januar 1957 wieder eingestellt werden, da die zahlreichen Anrufe im Fern- und Schnellamt große Betriebsschwierigkeiten brachten.

Ab 1. Februar 1957 erfolgte die ganztägige Besetzung des Kontrollraumes und damit die lückenlose Überwachung des MW-Senders Wilsdruff (1043 kHz).

1958 wurde mit Hochdruck an der endgültigen Fertigstellung des Kongreßsaales im Hygiene-Museum gearbeitet, wobei neben den Kollegen des Anlagenbaus für Rundfunk und Fernsehen die Mitarbeiter des Funkhauses Dresden in erhöhtem Maße die Bauaufsicht führten. Eine Festveranstaltung am 2. Juni war zugleich der Prüfstein für die technischen Einrichtungen. Die Probeaufnahmen befriedigten nicht, so daß am 2. und 10. Juli weitere Produktionen mit der Dresdner Philharmonie durchgeführt und Erfahrungen vor allem im Hinblick auf die Akustik gesammelt wurden. Die erste Originalsendung aus diesem Saal fand am 10. August 1958 statt.

Weitere besondere Ereignisse im gleichen Jahr waren die Übernahme des bisher in Görlitz stationierten Übertragungswagens Ü 17 am 1. März nach Dresden und die nochmalige Besetzung des Studios Görlitz anläßlich der Internationalen Friedensfahrt. Wesentlich war auch die Fertigstellung eines Hallraumes im März 1958.

Schwierigkeiten besonderer Art galt es zu meistern, als Anfang Juli 1958 infolge der im Osterzgebirge niedergegangenen starken Wolkenbrüche die Weißeritz enormes Hochwasser führte und über ihre Ufer trat. Dabei wurden auch Kabelschächte in Dresden unter Wasser gesetzt, so daß die Sendeleitungen vom Funkhaus zum Sender Wilsdruff tagelang außer Betrieb waren. Der Sendebetrieb wurde mit einem unmittelbar am Strahler aufgestellten Ü-Wagen und einem Behelfs-Sprecherraum notdürftig in Gang gehalten, wobei es vor allem galt, mit den starken HF-Einstreuungen des Strahlers auf die Ü-Wagen-Anlage fertigzuwerden.

Das Jahr 1960 brachte bedeutende Aufgaben, u.a. die Übertragung der Weltmeisterschaften im Radrennen in Karl-Marx-Stadt und Hohenstein-Ernstthal oder die Aufnahmetätigkeit anläßlich der 400-Jahrfeiern der Dresdner Kunstsammlungen. Am 31. Oktober 1960 begannen die Originalsendungen aus dem Gobelinsaal der Sempergalerie in Dresden, die seitdem in jedem Winterhalbjahr als Galeriekonzerte im Programm des Deutschlandsenders erschienen.

Durch die Beendigung des Umbaus des Regiepultes im Regieraum II am 5. Januar 1960 standen leistungsfähigere studiotechnische Anlagen zur Verfügung. Hier wurden im Dezember 1960 zwei Kinderhörspiele und im Februar 1961 ein Hörspiel produziert.

Am 24. Mai 1961 mußte der durchgehende Überwachungsdienst im Kontrollraum wegen Personalmangel eingestellt werden.

In den Jahren 1966/1967 mußte der Verbleib des Funkhauses Dresden im Hygiene-Museum nunmehr als sicher gelten. Damit war der Zeitpunkt gekommen, unaufschiebbare Rekonstruktionen von Anlagen, die bisher wegen des in Aussicht gestellten Umzuges unterblieben waren, durchzuführen. Eine seit langem bestehende Lücke konnte im III. Quartal 1966 durch den Ausbau des ehemaligen, nie genutzten Fremdsprachen-Regieraums zu einem hochwertigen Musikabhörraum geschlossen werden.

1967 wurden unter anderem durchgeführt: Rekonstruktion des Kontroll-Regieraumes, wobei das Regiepult von der Mechanischen Werkstatt Berlin gefertigt und eingebaut wurde; Einbau eines neuen Gerätelagers in einen Raum, der durch Tausch des zum Steinsaal gehörenden kleinen Regieraumes mit dem Hygiene-Museum gewonnen wurde; neues Kabel für Starkstrom-Haupteinspeisung; Rekonstruktion des Regieraumes II.

Auf zentrale Weisung übergab das Funkhaus Dresden am 6. Dezember 1966 den großen Übertragungswagen Ü 35 vom Typ „Skoda“ der Ü-Technik des Funkhauses Berlin und erhielt dafür einen mittleren Ü-Wagen (Ü 21), der allerdings gleich zur Generalreparatur gegeben werden mußte. Entscheidend für diese Maßnahme waren die für das Funkhaus schwierig gewordene Haltung der Einsatzbereitschaft (häufig große Reparaturen) und die geringe Auslastung. Der Ü 21 konnte schließlich am 7. September 1967 generalrepariert in Betrieb genommen werden.

Durch das Ausscheiden von insgesamt fünf Mitarbeitern traten einige Schwierigkeiten auf, zumal zwei Kolleginnen nur noch halbtags arbeiteten. Um die Sendung des Regionalprogramms zu gewährleisten, war es notwendig, ingenieurtechnisches Personal aus dem Produktions- oder Ü-Dienst einzusetzen, was wiederum zu Überstunden führte. Große Bereitschschaft zeigten die Mitarbeiter, als versuchsweise der Ein-Mann-Betrieb ab 11. Dezember 1967 eingeführt wurde.

In diesem Zeitraum erhielt das Kollektiv die Aufgabe, in Zusammenarbeit mit dem Funkamt Dresden ausländische Techniker aus dem Irak, aus Burma, Ghana, der VAR und Südafrika auszubilden.

Ab 5. Juli 1966 wurde über UKW Görlitz IV das Regionalprogramm in der Zeit von 6.00 bis 9.30 Uhr ausgestrahlt.

Im IV. Quartal 1966 begann das RFZ mit Empfangsversuchen stereofoner Sendungen. Am 22. April 1967 begannen regelmäßige stereofone Versuchssendungen über UKW Dresden IV. Die Programmzuführung erfolgte vom Sender Leipzig über Ballempfang. Für die Überwachung dieser Sendungen fand der neue Abhörraum im Hygiene-Museum Verwendung.

Der „Dresdner Abend“, eine fünfstündige Abendsendung für das zentrale Programm DDR II, erlebte am 19. Januar 1967 seine Premiere. Seitdem wird diese Sendung vom Funkhaus Dresden regelmäßig alle vier Wochen gestaltet. «

 
 
„Dresdner Sender wieder in Betrieb“
Presseartikel zum Sender Dresden vom 15. September 1945
 
„Besuch beim Dresdner Rundfunksender“
Presseartikel zum Sender Dresden vom 23. Oktober 1945
 
Funkhaus Dresden, Tiergartenstraße
Dresden 1946, K-Raum Funkhaus Tiergartenstraße mit Techniker Max Rauschenbach
 
Funkhaus Dresden, Tiergartenstraße
Dresden 1946, Funkhaus Tiergartenstraße, sogenannter Sendesaal
 
Funkhaus Dresden, Tiergartenstraße
Dresden 1946, Telefonzentrale Funkhaus Tiergartenstraße, eingerichtet im Bad der Villa
 
Dresden, Sender Neuländer Straße
Dresden 1946, erster MW-Sender 1,5 kW der Sendeanlage Neuländer Straße
 
Funkhaus Dresden, Hygiene-Museum
1952 stillgelegter und geräumter K-Raum im Funkhaus Dresden
 
Funkhaus Dresden, Hygiene-Museum
Funkhaus Dresden, Regie II, Musikproduktion mit Toning. Haupt; 1963
 
Ü-Wagen Dresden
Mischeinrichtung im Ü-Wagen „Adler“, in Betrieb 1947-1950
 
Ü-Wagen Dresden
Früher Übertragungswagen des Senders Dresden (Kfz „Horch“)
 
Ü-Wagen Dresden
Ü-Wagen (Spitzname „Hochzeitskutsche“) des Senders Dresden mit Reporter Fred Küngel; 1950

Stunde Null in Berlin

Stunde Null in Berlin

Ü 1
Im Hintergrund der Übertragungswagen Ü 1, aus dem am 13. Mai 1945 die erste Nachkriegssendung gefahren wurde

Nachfolgend weitgehend im Original wiedergegeben ist ein Ausschnitt aus einer anonymen Ausarbeitung der Studiotechnik Rundfunk im Funkhaus Nalepastraße aus dem Jahre 1988. Ohne Kennzeichnung herausgekürzt sind einige politische Floskeln, ohne die zum Zeitpunkt der Erarbeitung auch eine solche interne Unterlage nicht auskam.

» Ende April 1945 vollzog sich unter dem Generalangriff der sowjetischen Truppen auf Berlin der vollständige Zusammenbruch des Hitlerfaschismus. In den letzten Apriltagen war der sogenannte Reichssender Berlin verstummt.

Am 2. Mai hatten die Einheiten der Sowjetarmee das Funkhaus in Berlin-Charlottenburg, Masurenallee, erreicht. Im Haus und seinen Kellern hatten sich Hunderte von Flüchtlingen einquartiert. Da sich unter ihnen auch viele demoralisierte Ausländer befanden, die für den Auslandsdienst des Nazi-Rundfunks gearbeitet hatten, herrschten chaotische Zustände.

Die letzte SS-Bewachung hatte vor ihrer überstürzten Flucht noch sinnlos-wütend gehaust. Wichtige technische Anlagenteile waren demontiert und auf dem Dachboden sowie in den Schächten der Klimaanlage versteckt oder gänzlich zerstört worden. Fast alle Übertragungswagen hatten die SS-Banditen als willkommene Transportmittel für ihre Flucht benutzt.

Der Hochbunker, ein Betonbau auf dem Gelände des Funkhauses, aus dessen Studioräumen während der Kriegsjahre bei Fliegeralarm und ab 1944 alle Sendungen gefahren worden waren, diente zwanzig Mitarbeitern der damaligen Reichsrundfunk-Gesellschaft als Zuflucht. Hierunter befanden sich auch einige Techniker, die von sowjetischen Offizieren den Auftrag erhielten, unverzüglich die technischen Voraussetzungen zur Wiederinbetriebnahme der Sendestudios zu schaffen.

Es war der 6. Mai. Noch lagerte Brandgeruch über Berlin. Vereinzelt versuchten SS-Banden oder der „Werwolf“ aus dem Hinterhalt zu schießen. Das Funkhaus wies äußerlich nur wenige Beschädigungen durch Bombentreffer und Granateneinschläge auf. Die erste Überprüfung ergab jedoch, daß keinerlei funktionsfähige Kabelverbindungen zum Sender bestanden. Alle Telefon- und sonstigen Leitungen waren zerstört.

Das Kabel zum Sender in Tegel war an zahlreichen Stellen zerrissen. Seine Wiederherstellung stieß auf enorme Schwierigkeiten. Der Sender selbst war durch die Kampfhandlungen nur leicht beschädigt worden. Die Wiederaufnahme des Sendebetriebs bedeutete jedoch insgesamt eine äußerst schwierige Aufgabe.

Da keine Aussicht bestand, die Kabelverbindung zwischen dem Funkhaus und dem Sender in absehbarer Zeit wieder instand zu setzen – die Schloßbrücke in Charlottenburg war gesprengt und das darüber führende Kabel infolgedessen mehrfach zerrissen – mußte ein Übertragungswagen einsatzbereit gemacht werden. Der Ü-Wagen war ein ausrangiertes Fahrzeug, das als erste Aufbauleistung von einer Gruppe Techniker zum Einsatz hergerichtet wurde.

In Tegel selbst hatten sowjetische und deutsche Techniker den Sender so weit repariert und eine Notsprechstelle eingerichtet, daß der Sendebetrieb stundenweise möglich war. Aus dem Ü-Wagen wurde die erste Sendung direkt am Sender gefahren. Erst einige Tage später begannen Pioniere der Sowjetarmee mit der Verlegung eines Feldtelefonkabels zwischen Funkhaus und Sender.

Im Funkhaus wurden unterdessen die Aufräumungsarbeiten aufgenommen. Die Techniker richteten mit Hilfe der im Bunker stationierten Geräte das Studio „Sprecher 1“ wieder betriebsfähig her. Dieser Raum lag in der Schallaufnahme des Funkhauses und umfaßte Regie- und Sprecherraum, die beide eine Grundfläche von nicht mehr als 12 m² hatten. In bescheidenem Umfang konnte begonnen werden, wichtige Programmteile, insbesondere Kommentare usw., zu produzieren.

Am 13. Mai startete der Übertragungswagen nach Tegel zu einer langen Fahrt, da alle Brücken über Spree und Schiffahrtskanal gesprengt waren. Der Ü-Wagen-Techniker, der die erste Sendung abends um 20.00 Uhr in Tegel technisch leitete, war Bruno Dörge, ein Mitarbeiter, der noch lange Jahre in den Funkhäusern Berlin und Potsdam tätig war. Die erste Sendung, die etwa eine Stunde dauerte, war der Befreiung des deutschen Volkes vom Faschismus gewidmet.

Eine Postenkette von Soldaten der Sowjetarmee sorgte für Ruhe rings um den sogenannten Sprecherraum, dessen Fenster keine Scheiben besaß und dessen Türfüllung mit Pappe vernagelt war. Die ersten Manuskripte, Schallplatten und Bänder für die Sendung wurden zu Fuß und per Fahrrad über Trümmerberge hinweg von der Masurenallee nach Tegel transportiert. Mit dem Kahn wurden die Wasserwege überquert.

Sofort nach Inbetriebnahme einer behelfsmäßigen Tonsignalleitung wurde die Sendezeit zügig ausgedehnt. Innerhalb von sieben Tagen wurde das Programm von anfangs einer Stunde auf neunzehn Stunden täglich erweitert. Ab dem 20. Mai 1945 sendete der Berliner Rundfunk von morgens 6.00 Uhr bis nachts um 1.00 Uhr.

Am 18. Mai wurde aus dem provisorisch hergerichteten großen Sendesaal des Funkhauses in der Masurenallee ein öffentliches Konzert unter der musikalischen Leitung von Leopold Ludwig übertragen. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, und viele Besucher konnten keinen Einlaß mehr finden. Dieses festliche Konzert wirkte auf Besucher, Mitwirkende und Techniker nach den vielem Bombennächten und Kriegserlebnissen wie eine Erlösung aus einem Bann des Schreckens.

In jenen Tagen verkehrten weder S-Bahn, Omnibus, U-Bahn noch Straßenbahn. So waren viele Mitarbeiter auf längere Unterkunft im Funkhaus angewiesen, auf eine freiwillige Art von Kasernierung. Die Verpflegung erfolgte unter Mithilfe des sowjetischen Kommandanten durch den Kantinenwirt. So ist es auch nicht verwunderlich, wenn Prämien für hervorragende Arbeitsleistungen damals in Form höchst begehrenswerter Naturalien an die Mitarbeiter vergeben wurden. General Bersarin hatte eigens dazu ein großes Lebensmittellager aus der Deutschlandhalle in das Funkhaus transportieren lassen.

Technische Unterbrechungen der Sendungen waren damals keine Seltenheit. Das Tonsignalkabel, eilig über Trümmer und Ruinen verlegt, scheuerte sich durch oder wurde von einstürzenden Ruinen beschädigt. Mehrfach gelangten Sendungen gar nicht bis zum Sender. Immer waren es die sowjetischen Pioniere, die diese Störungen unverzüglich beseitigten. Sie waren eigens hierfür als Entstörungstrupp im Funkhaus stationiert.

Bereits in der zweiten Maihälfte 1945 begann eine systematische personelle Erweiterung. Viele gutwillige, loyale ehemalige Mitarbeiter der Reichsrundfunk-Gesellschaft fanden sich wieder im Funkhaus ein und boten sich zur Mitarbeit an. Aber auch karrieristische Elemente und politisch Belastete, die sich tarnen wollten, versuchten, hier einen Unterschlupf zu finden. Es war eine äußerst komplizierte und sehr verantwortungsvolle Aufgabe, in dieser Zeit politisch und fachlich geeignete Mitarbeiter für die Aufbauarbeit zu gewinnen.

Nach der Wiederaufnahme des Sendebetriebes war es notwendig, Reportagen auch außerhalb des Funkhauses durchzuführen. Die geringe Zahl der einsatzfähigen Übertragungswagen reichte hierzu kaum aus. Intakt waren zudem lediglich Übertragungsverstärker des Typs V 35, eine Geräteart, die zehn Jahre vorher entwickelt worden war. Die Reichsrundfunk-Gesellschaft hatte einen Teil dieser Verstärker im Keller der Deutschlandhalle gelagert. Zerstörung und Diebstahl hatten diese Bestände jedoch zusammenschrumpfen lassen.

Dieser schmale Gerätepark wurde durch Tornistergeräte V 39 der Wehrmacht und selbstgebaute Mikrofonmischverstärker ergänzt. Als Magnettongerät wurde die für militärische Propagandazwecke entwickelte „Dora“-Maschine verwendet. Ferner befanden sich im Lager der Ü-Technik noch einige Laufwerke vom Typ „Berta“ und Typ „Cäsar“ aus Wehrmachtsbeständen.

Auch in einem Kali-Bergwerk lagerte eine Anzahl von Geräten aus dem Besitz der Reichsrundfunk-Gesellschaft. Nach mühevoller Suche wurden sie abgeholt und für den Aufbau der Studios und Ü-Wagen verwendet. Teile hiervon und aus anderen Anlagen des Funkhauses mußten jedoch auch als Reparationsleistung abgeliefert werden (HTS mit V 5 und V 7).

In großer Eile betrieb man den Ü-Wagen-Bau, für den die Sowjetarmee die Fahrzeuge bereitgestellt hatte. Reporter waren schon im Sommer 1945 im Stadtgebiet von Berlin unterwegs, um von den ersten Versammlungen der inzwischen zugelassenen demokratischen Parteien zu berichten oder Eindrücke von der Kartoffelversorgung, der Inbetriebnahme der Osthafenmühle und schließlich von der Potsdamer Konferenz zu vermitteln.

Von besonderem Interesse ist noch heute das Prinzipschaltbild des Übertragungswagens Nr. 1, der von 1945 bis 1952 in Betrieb war. Der Aufbaukasten mit den technischen Geräten des Ü 1 wurde später abgewrackt; das Fahrzeug selbst war noch Ende der 60er Jahre als Abschleppwagen der Kfz-Werkstatt Berlin im Einsatz.

Mikrofone waren zu dieser Zeit besonders kostbar. Jeden Abend nach Aufnahmeschluß wurden sie in einem Stahlschrank im Schaltraum eingeschlossen. Hauptsächlich wurde mit Kondensatormikrofonen M 1/1, den sogenannten „Neumann-Flaschen“, gearbeitet. Außerdem wurden einige „scharfe Kapseln“ und Kapseln mit Nieren-Charakteristik des Typs M 7 verwendet.

Den Batteriekoffer B 5 mußte ein Mitarbeiter neben dem Reporter hertragen. Bei der schlechten Ernährungslage bedeutete das Schwerarbeit. Dynamische Mikrofone M 19 gab es nur in geringer Stückzahl. Die Kabeltrommeln waren in rechteckigen Kästen eingebaut, an deren Seite sich eine Kurbel zum Aufhaspeln befand. Das Kabel selbst besaß meist keine Abschirmung und die Einstreuungen bereiteten viel Ärger.

Am 5. Juni 1945 kamen die westlichen Alliierten nach Berlin. Die Vier-Sektoren-Stadt entstand. Mit einem Schlage wurde die Arbeitssituation äußerst kompliziert. Das Funkhaus lag im (westlichen) britischen Sektor, der Sender Tegel im (nördlichen) französischen Sektor und das Verstärkeramt Winterfeldtstraße im (südlichen) amerikanischen Sektor der Stadt.

Ein Schwerpunkt der Arbeit bestand darin, die technischen Voraussetzungen für die Nachrichtenerfassung zu verbessern. In der ersten Zeit hörte der Abhördienst die Sendungen von Moskau, London, Paris usw. und leitete hieraus die politischen Informationen ab. Erst mit Hilfe eines Kurierdienstes zum Magistrat von Groß-Berlin in der Parochialstraße – zunächst zu Fuß oder per Fahrrad – war es allmählich möglich, auch lokale Nachrichten aufzunehmen.

Durch die sich entwickelnde Reporter-Tätigkeit und nach Instandsetzung einiger Telefonleitungen zu den größeren Städten konnte die aktuell-politische Berichterstattung weiter verbessert werden. Es war ein wesentlicher Fortschritt, als es gelang, aus alten Beständen der Nachrichtenagenturen einen Hellschreiber in Betrieb zu nehmen.

Dem Monatsbericht vom Oktober 1945 des Technischen Direktors ist zu entnehmen, daß zur Verbesserung der Situation bei den Reportageverstärkern von der Betriebsüberwachung ein kleiner Batterieverstärker entwickelt und als Muster gebaut worden war. Die Materialien, so wird bescheiden vermerkt, würden noch für zwei weitere Verstärker ausreichen. «

 
 
Ü 1
Blockschaltbild des Übertragungswagens Ü 1 (1945-1952)
 
Matheus Klein
Matheus Klein, Sprecher der Sendung vom 13. Mai 1945, im Jahre 1965
 
Ü-Wagen 1945
Provisorischer Übertragungswagen 1945, beachte das sowjetische Kfz-Kennzeichen
 
Ü-Wagen 1945
Provisorischer Übertragungswagen 1945, hier mit Rundfunktechnik im Anhänger
 
Außenübertragung 1945
Außenübertragung der unmittelbaren Nachkriegszeit mit Mischverstärker V 39 und Wehrmachts-Bandmaschine Dora
 
Michael Wolff
Funkhaus Masurenallee, vermutl. erstes wieder hergerichtetes Studio „Sprecher 1“; Kommentator Michael Wolff
 
Schaltraum Masurenallee
Funkhaus Masurenallee, Schaltraum in den Nachkriegsjahren
 
K-Raum Masurenallee
Funkhaus Masurenallee, Sendekontrollraum in den Nachkriegsjahren

Der Aufbau des Rundfunks in Leipzig

Der Aufbau des Rundfunks in Leipzig

Funkhaus Leipzig
Funkhaus Leipzig mit einem Übertragungswagen, ca. 1946

Gekürzte Wiedergabe von Ausarbeitungen des Rundfunks der DDR, Studiotechnik Rundfunk, von 1988; die Umstände der Übernahme des Gebäudes Springerstraße 24 dürften hier in eher beschönigender Weise beschrieben sein:

» Einige Monate nach der Inbetriebnahme des ersten deutschen Rundfunksenders in Berlin erhielt auch Mitteldeutschland einen Rundfunksender. Am 1. März 1924, zu Beginn der Frühjahrsmesse, nahm in Leipzig ein kleiner Sender mit einer Leistung von zunächst nur 0,25 kW den Betrieb auf.

Das 17 Jahre bestehende MIRAG-Haus (Mitteldeutsche Rundfunk AG) in Leipzig, Am Markt 8, fiel am 4. Dezember 1943 einem Großangriff angloamerikanischer Bomber zum Opfer. In einer Schule im Südosten von Leipzig und in einem unterirdischen Verstärkeramt der Post wurden provisorische Nachrichtensprechstellen aufgebaut, in denen auch Schallplattenwiedergabe und Tonbandabspiel möglich waren. 1944 ereilte die Schule jedoch das gleiche Schicksal wie das MIRAG-Haus am Markt.

Die letzte Zuflucht der faschistischen Rundfunkpropaganda in Leipzig war ein Raum im Völkerschlachtdenkmal. Zur Aufnahme des Sendebetriebs kam es hier jedoch nicht mehr. Am 19. April 1945 besetzten amerikanische und belgische Truppen die Stadt Leipzig.

Die amerikanischen Nachrichtenoffiziere interessierten sich speziell für die Sendestelle im unterirdischen Verstärkeramt in Probstheida. Besondere Aufmerksamkeit widmeten sie den hier aufgestellten Magnetbandgeräten, da sie selbst keine Hochfrequenz-Magnetophone besaßen. Es handelte sich um AEG-Maschinen des Typs HTS mit HF-Vormagnetisierung und -Löschung. Die US-Offiziere ließen sich die Funktionsweise sehr genau erklären und beschlagnahmten die Geräte sowie alle technischen Unterlagen.

In Großbuch bei Bad Lausick hatte die Reichsrundfunkgesellschaft technische Geräte ausgelagert. Die amerikanischen Offiziere kontrollierten auch hier die ansehnlichen Bestände, fanden jedoch keine Magnettonlaufwerke. Die übrigen Geräte waren für sie ohne Interesse. Diese bereits vor dem Großangriff auf Leipzig ausgelagerten Materialbestände bildeten die Grundlage für die technische Ausstattung eines neuen Funkhauses in Leipzig.

Der Vereinbarung zwischen den alliierten Siegermächten entsprechend lösten im Juni 1945 sowjetische Truppen die amerikanischen und belgischen Einheiten im mitteldeutschen Raum ab. Ein Befehl der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland vom 11. Juni lenkte die Initiative auf den Aufbau eines demokratischen Rundfunks.

Die vordringliche Aufgabe bestand zunächst in der Versorgung der Bevölkerung der Stadt Leipzig mit wichtigen Nachrichten und Bekanntmachungen. Die Ausstrahlung über einen Sender war zunächst nicht möglich, zumal in größeren Gebieten auch noch die Stromversorgung gestört war.

Deshalb errichteten Mitarbeiter der Rundfunktechnik in enger Zusammenarbeit mit dem Fernmeldewesen der Post in Leipzig eine Großlautsprecheranlage. Gleichzeitig bemühten sie sich darum, die provisorische Sendestelle in Propstheida wieder betriebsfertig zu machen, um von hier die Lautsprecheranlage zu versorgen.

Leitende Mitarbeiter und ein sowjetischer Offizier sprachen offiziell beim Direktor der Versicherungsgesellschaft Barmenia vor, um einen Tausch mit den am Markt noch erhalten gebliebenen Räumen des alten MIRAG-Hauses zu veranlassen. Nach langem Sträuben gab der Barmenia-Vertreter schließlich nach und übergab das bisherige Versicherungsgebäude in der Springerstraße 24, ein ziegelroter Klinkerbau im späten Bauhausstil der zwanziger Jahre, an den Rundfunk.

Trotz verschiedenartiger Schwierigkeiten, die sich im neuen Haus in der Springerstraße ergaben, gingen die Bauarbeiten zügig voran. Am 22. September 1945 erfolgte die offizielle Gründung der „Außenstelle Leipzig des Berliner Rundfunks“.

Beim Sender Wiederau wurde eine Empfangsstelle errichtet, um das Moskauer und das Berliner Programm zu empfangen. Über das instandgesetzte Zubringerkabel, das in den letzten Kriegstagen durch eine Brückensprengung in Wiederau schwer beschädigt worden war, konnten die Programme zum Schaltraum in der Leipziger Springerstraße weitergeleitet werden.

Nach einer Probeübertragung am 29. August nahm am 15. September 1945 der Sender Wiederau seine Tätigkeit auf. Das Programm erhielt er zunächst noch über die provisorische Sendestelle in Probstheida direkt aus dem Berliner Funkhaus Masurenallee. Der Sendestelle kam inzwischen eine neue Aufgabe zu: Bei Ausfall der Übertragungsleitung aus dem Berliner Funkhaus mußte sie die Leitung zum Sender selbständig mit einem Ersatzprogramm (Musik von Schallplatten oder Tonbändern) versorgen.

Am 12. April 1946 erfolgte die Demontage der provisorischen Sendestelle in Probstheida. Die Anlage wurde im Schaltraum des neu entstehenden Funkhauses in der Springerstraße installiert. Auch ein Studio und ein Sprecherraum waren bereits fertig. Das Funkhaus konnte damit die Aufgaben der Sendestelle übernehmen. Bald darauf wurden auch die Leitungen von den Landessendern Weimar und Dresden, später auch von Halle, geschaltet.

Obwohl die Gründungsversammlung am 27. Oktober 1945 beschlossen hatte, daß der Sender Leipzig ein eigenes Programm ausstrahlen würde, blieb das Funkhaus Leipzig bis Mitte Mai 1946 eine Außenstelle des Berliner Rundfunks, die auch Beiträge für das Berliner Programm lieferte. Nun wurde der „Mitteldeutsche Rundfunk, Sender Leipzig“ eine programmseitig selbständige Institution und meldete sich erstmalig am 4. Juni 1946.

Das erste Hörspiel, „Michael Kohlhaas“, wurde im Dezember 1946 wie in den zwanziger Jahren live aus einem Sprecherraum gesendet. Erst 1947 war der Hörspielkomplex (Raum 3) fertig; er bestand aus einem großen Raum mit unterschiedlicher Akustik, einem schalltoten Raum und einem Hallraum. Im Bedarfsfall konnte ein weiterer Raum (Raum 4) hinzugeschaltet werden. Die technische Einrichtung war zunächst primitiv. Dennoch wurden 1947 insgesamt 14 Hörspiele gesendet.

Gegen Ende des Jahres 1945 fand sich das Rundfunk-Sinfonieorchester wieder zusammen und gab am 27. August 1946 ein erstes öffentliches Konzert. Für Proben und Aufnahmen war dringend ein Saal erforderlich, und man beschloß, einen großen Sendesaal von 3800 m³ zu bauen. Gleichzeitig sollten zwei weitere Regiekomplexe entstehen. Dies war überhaupt das erste größere Bauvorhaben in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone. Baubeginn war am 24. Juni 1946.

Aus historischem Abstand läßt sich nur schwer ermessen, was dieses Vorhaben damals bedeutete. Angesichts eines völlig zerrütteten Transportwesens mußten alle Baustoffe aus den verschiedensten Gegenden der Sowjetischen Besatzungszone zum Teil mit Hand- und Pferdewagen herangeschafft werden.

Jeder Stein und jeder Sack Zement waren „bezugsscheinpflichtig“. Der Treibstoff für die wenigen zivilen Kraftwagen reichte nicht einmal aus, um die notwendigen Lebensmitteltransporte für die Bauleute und Rundfunkmitarbeiter zu sichern. Und doch wurde gebaut. Selbst das Holz für die akustisch so wichtige Täfelung und der Parkettfußboden wurden beschafft.

Auch die Arbeitskräfte waren knapp, so daß alle Mitarbeiter selbst Hand anlegten. In unzähligen freiwilligen Aufbaustunden leisteten sie Schachtarbeiten, putzten Trümmerziegel und rührten Mörtel an. Der Ingenieur stand neben dem Hilfsarbeiter, der Direktor neben der Putzfrau.

Am 2. September 1947, dem Eröffnungstag der Leipziger Herbstmesse, konnte der Sendesaal übergeben werden. Der zu diesem Saal gehörende Regieraum befand sich im zweiten Stockwerk des Altbaus und war mit dem Saal durch eine Treppe verbunden. Die Technik bestand zunächst provisorisch aus Verstärkern V 35.

Ab Dezember 1946 sendete der Mitteldeutsche Rundfunk gemeinsam mit seinen Landessendern täglich vier bis sechs Stunden Eigenprogramm. Das Programm gliederte sich in Wirtschaftsreportagen, Kommentierung der Beschlüsse des FDGB, Nachrichten, Kammermusik, Kinderfunk, Volksmusik und Hörspiele. Kinderfunk und Hörspiele wurden sämtlich live gesendet.

Am 17. Februar 1947 erhielt Leipzig ein neues Pausenzeichen. Die erste ganztägige Außenübertragung fand am 31. Juli 1947 aus Bad Elster statt.

Die tägliche Sendezeit nahm inzwischen rasch zu; ab 29. Oktober 1948 wurden täglich 17 Programmstunden gesendet. Im Leipziger Funkhaus waren zu dieser Zeit 645 Mitarbeiter tätig. Der Sendealltag begann um 4.58 Uhr mit einem Morgenlied und endete um 24.00 Uhr. Die einzige Sendepause lag zwischen 10.00 und 11.55 Uhr.

Täglich, außer dienstags, waren die Landessender mit Programmbeiträgen vertreten. Auch das Studio Chemnitz, das zum Sender Leipzig gehörte, beteiligte sich einmal wöchentlich mit Früh- oder Nachmittagskonzerten an der Programmgestaltung. Neue Sendungen kamen hinzu. Der Leipziger Thomanerchor sang im Speiseraum des Funkhauses, der damals im dritten Stockwerk lag; auch die Leipziger „Kinderstunde“ wurde von hier live gesendet.

Erste Rekonstruktionsmaßnahmen sahen vor, die Provisorien im Funkhaus durch feste Einbauten zu ersetzen. Die Inbetriebnahme des Sendekomplexes 2 im Dezember 1948 gestattete es, den täglichen Sendebetrieb in diese Räume zu verlegen. Im Funkhaus Leipzig standen damit vier Sendekomplexe, ein weiterer Sendekomplex für Kammermusik, ein Hörspielkomplex und die Saalregie zur Verfügung.

Im Jahre 1949 kamen die ersten nach dem Kriege entwickelten und gebauten Magnettonlaufwerke R 28 mit Kulissenschaltung und dazugehörigen Verstärkern V 47 zum Einsatz. Im Verlauf der weiteren Rekonstruktion konnten bis 1952 alle alten Magnettongeräte (HTS, K 7, „Berta“) ersetzt werden.

Durch die Einführung der R 28a mit Drucktastenbedienung ergab sich erstmals die Möglichkeit eines Fernstarts für das Bandabspiel. Die ersten Versuche erfolgten im Sendekomplex 2, im Juli 1952 im Regieraum 4. Der Fernstart brachte wesentliche Vorteile im Sendeablauf und bei der Produktion. «

 
 
Funkhaus Leipzig
Funkhaus Leipzig 1946, Teilansicht des ersten Regieraums
 
Funkhaus Leipzig
Funkhaus Leipzig 1949, Regieraum 2
 
Sendestart des MDR
Ausschnitt „Sächsische Volkszeitung“ vom 6. Dezember 1945